Wenn Breitfurt Weimar ablöst

Drei Neulinge im Team, alle bisherigen Vorstellungen im Stammhaus ausverkauft: Goethe ist Trumpf beim aktuellen Dreiakter der Theatergruppe des Freizeitclubs Breitfurt. „Es irrt der Mensch, so lang er strebt“ heißt das Werk.

Ein Vierteljahrhundert ist die Theatergruppe des Freizeitclubs Breitfurt alt. Derzeit begeistert sie mit dem Dreiakter "Es irrt der Mensch, so lang er strebt." Zwei erfolgreiche Wochenenden liegen hinter dem neunköpfigen Ensemble um Regisseur, Intendant und Mädchen für alles Jürgen Gentes. Allesamt ausverkauft waren die Vorstellungen in ihrem "Stammhaus", dem Gasthaus im Wald in "Brewaad". Im Team sind drei Neulinge. Laura Walle, die vorher noch nie auf der Bühne stand, sowie Jessica Bieg und Anna Wetzig. Die beiden spielen neben ihrer Rollen als die Elli von Buchhausen im Winter auch noch in der Niederwürzbacher Gruppe "So ein Theater".

Die Doppelbesetzung wurde notwendig, da es zeitlich keine der Beiden schaffte, die volle, neun Vorstellungen dauernde Spielzeit zur Verfügung zu stehen. Das Lustspiel von Bernd Gombold entführt die Zuschauer auf eine Spurensuche nach dem Genie Johann Wolfgang von Goethe . Auf dem Dachboden entdeckt die resolute Putzfrau Rosi (Tanja Junkes) Dokumente, in denen der stets in der Kneipe "Zur eisernen Faust" zu findende Tippelbruder und ehemalige Gymnasiallehrer Willi (Bernd Forsch) Originalzitate des Dichterfürsten erkennt. Dass Goethe sich in Breitfurt aufgehalten haben könnte, scheint eine Kiste zu bestätigen. Bürgermeister Richard Schnösel (Thorsten Nehlig) nimmt die Fährte auf, findet in der attraktiven, vermeintlich vom Goethe-Institut stammende Elli von Buchhausen (Jessica Bieg) eine Fürsprecherin.

Sie stellt ihm sogar große Zuschussmengen in Aussicht, was dem Gastwirt Johannes (Andreas Danner) die Komplett-Sanierung seines Etablissements beschert. Es folgt ein wahrer Rausch an Investitionen, Versprechungen und Eitelkeiten. Pressekonferenzen machen den "Sensationsfund" publik, Breitfurt als Nachfolgerin der Goethestadt Weimar hochgejubelt. An der Blies entsteht das Goethe-Haus, eine "Goethe-Brücke" zwischen Breitfurt und Wolfersheim wird geplant. Vom Ruhm partizipieren möchte auch die Fraktionsvorsitzende und selbst ernannte Kulturexpertin Klara Schnalzer (Veronika Kiesel).

Mit ihrem unübersehbaren Hinterteil und in ihrer aufgetakelt schlechten Pudelfrisur spielt sie sich in den Vordergrund. Ihr Gegenspieler, der intrigante Fraktionsvorsitzende und Feuerwehrhauptmann Florian Brenner (Jürgen Gentes), verseucht nach Schnösels Maßgabe das Grundstück der heruntergekommenen Spelunke mit Öl, um es billig kaufen zu können. Mit seiner selbstverliebten Art weiß Schnösel den richtigen Ton bei der Damenwelt anzuschlagen und treibt dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen. "Blöd wie Haferstroh, aber sie sieht halt gut aus", lautet nicht nur einmal sein Kommentar, als die naive Sekretärin Sonja Maus (Laura Walle) die Bühne betritt.

Goethe ist für sie ein Schlagersänger. Sie besitzt eine ausgeprägte Deutschschwäche, die auch vor dem Ortseingangsschild nicht Halt macht. Respekt auch für die Souffleuse Dagmar Schuler, die unermüdlich Zeile für Zeile durch das Manuskript ging, die wie Martina Gentes an der Technik eine wertvolle Stütze für das Theaterteam war.

Weitere Theaterabende sind im Gasthaus im Wald vorgesehen. Sie finden am Samstag, 26. November, 19.30 Uhr, Sonntag, 27. November, 18 Uhr, Samstag, 7. Januar, 19.30 Uhr, Sonntag, 8. Januar, 18 Uhr und während der Gersheimer Theaterwoche am Freitag, 13. Januar, im Kulturhaus. Karten sind in der Bäckerei Lenert in Breitfurt und bei Optik Schwarz in Blieskastel zu bekommen.

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