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Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen in Blieskastel

Konzept gegen Starkregen in Blieskastel : Blieskastel trifft Vorsorge gegen Hochwasser

Die verheerenden Überflutungen vor einigen Tagen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die sogar zahlreiche Menschenleben gekostet haben, haben die Gefahrenlage auch für unsere Region deutlich gemacht.

Auch in anderen Teilen Deutschlands sowie in unserer Region waren die vergangenen Wochen stark geprägt von Unwetterwarnungen und Überflutungen aufgrund von Starkregen. In ganz Deutschland zeigt sich zurzeit ein erhöhtes Vorkommen dieser Ereignisse. Starkregen-Ereignisse können zu Sturzfluten führen mit teils verheerenden Folgen: zum Beispiel zu vollgelaufenen Kellern, eingestauten Häusern, überfluteten Straßen, einer überlaufenden Kanalisation oder zur Erosion der umliegenden landwirtschaftlichen Flächen. Im Gegensatz zu einem Flusshochwasser kann bei einem solchen Ereignis jeder durch Überflutungen oder Sturzfluten betroffen sein, denn das Wasser fließt gewässerunabhängig ab. Aufgrund der schweren Vorhersagbarkeit dieser Ereignisse ist eine frühzeitige Einschätzung der prinzipiellen Gefahrenlage essenziell, sodass im Vorfeld bereits präventive Maßnahmen erfolgen können.

Die Stadt Blieskastel gab deshalb im Frühling 2020 die Erstellung eines Starkregen-Vorsorgekonzeptes bei der itp Ingenieur GmbH in Auftrag. Im Sommer vergangenen Jahres begann die Bearbeitung des Projektes, worauf im November und Dezember, nach der Erarbeitung der Basisdaten und Fließweganalyse, mehrere Ortsbegehungen zur Begutachtung kritischer Bereiche durch die itp Ingenieur GmbH mit wichtigen Vertretern der Gemeinde (Vertreter der Stadtverwaltung, Feuerwehr, Bauhof, Ortsvorsteher) durchgeführt wurden. Anschließend wurden hydrodynamische 2D-Simulationen durchgeführt und Starkregen-Gefahrenkarten für das gesamte Stadtgebiet erstellt. Diese wurden Anfang Februar der Gemeinde ausgehändigt. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten mehrere öffentliche Termine hinten angestellt werden, und die weitere Bearbeitung fokussierte sich zunächst auf die Risikoabschätzung der öffentlichen Gebäude. Da die derzeitige Infektionslage nun wieder öffentliche Veranstaltungen zulässt, möchte die Stadt Blieskastel nun aber alle Bürger zu Informationsveranstaltungen in den einzelnen Stadtteilen einladen. Hier soll zum einen der aktuelle Stand der Projektbearbeitung vorgestellt werden, aber auch soll den Bürgen die Möglichkeit gegeben werden, ihr Wissen mit in die weitere Bearbeitung einfließen zu lassen.

Aber was genau umfasst ein solches Starkregen-Gefahrenkonzept? Die Basis bilden die Starkregen-Gefahrenkarten, diese werden anhand von topographischen Daten berechnet und zeigen die Überflutungsflächen, -tiefen und teilweise die Fließgeschwindigkeiten für ein vorgegebenes Niederschlagsereignis an. Für einzelne öffentliche Gebäude werden Risikobewertungen bezüglich der Empfindlichkeit des Gebäudes und der Überflutungssituation durchgeführt. Im Bereich des Privatbesitzes gilt die allgemeine Sorgfaltspflicht und die Eigenverantwortung Betroffener geeignete Vorsorgemaßnahmen im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren zu treffen. Die Stadtverwaltung bietet deshalb den Bürgern die Möglichkeit, sich anhand der geplanten Informationsveranstaltungen über ihre eigene Situation zu informieren und ihr eigenes Risiko abzuschätzen, um mögliche Vorsorgemaßnahmen planen zu können. Nach Anfertigung der Starkregen-Gefahrenkarten, der Risikobewertung und der Öffentlichkeitsarbeit wird ein Handlungskonzept erarbeitet, um bei zukünftigen Starkregen-Ereignissen besser reagieren zu können und kritische Bereiche zu entschärfen.

Diese Bürgerworkshops bieten den Bewohnern Blieskastels die Möglichkeit, sich über die Thematik Starkregen und Sturzfluten sowie über die potenzielle Überflutungssituation aufgrund von Starkregen zu informieren. Jede der geplanten Veranstaltungen soll etwa zwei Stunden dauern und die Situation in allen Ortsteilen Blieskastels aufschlüsseln.

 Überflutung im Dezember 2019 am Bahnübergang zwischen Alschbach und Lautzkirchen.
Überflutung im Dezember 2019 am Bahnübergang zwischen Alschbach und Lautzkirchen. Foto: Steffen Rastetter/Feuerwehr
 Die Blies tritt nach wie vor gelegentlich über ihre Ufer wie hier unter der neuen Bliesbrücke in Blieskastel-Mitte.
Die Blies tritt nach wie vor gelegentlich über ihre Ufer wie hier unter der neuen Bliesbrücke in Blieskastel-Mitte. Foto: Marco Nehlig

Neben einer allgemeinen Einführung ins Thema Starkregen und die Problematik, sollen die durch die itp Ingenieur GmbH berechneten Starkregen-Gefahrenkarten sowie die durchgeführte Risikoanalyse vorgestellt werden. Eine an den Vortrag anschließende Diskussion und Auslage der erstellten Pläne gibt den Bürgern zusätzlich die Möglichkeit weitere Fragen zu äußern und zu besprechen. Anschließend werden öffentliche Ortsbegehungen stattfinden, die nach Bedarf ausgerichtet werden.