Vor 5000 Zuschauern gekickt

Einmal im Jahr treffen sich die alten Fußballkämpen des SC Blieskastel/Lautzkirchen im Sportheim des Vereins. Jetzt stand das 33. Treffen an, wobei Waldemar Stolz mit 89 Jahren ältester Teilnehmer war.

. Die Nostalgie lebt auf, wenn sich die älteren Fußballer des SC jährlich im Sportheim treffen und von alten Zeiten schwärmen. Diesmal waren 50 Männer der Einladung des Ehrenamtsbeauftragten Karlheinz Fuhrmann, mit Kilian Kleinpeter Organisator, gefolgt. 5000 Zuschauer bei einem Fußballspiel in der Barockstadt- heute unvorstellbar. Waldemar Stolz (89) hat diese Zeit miterlebt, er spielte zwei Jahrzehnte ununterbrochen in der ersten Mannschaft., die in den 50er und 60er Jahren als Aushängeschild des Bliestals in der ersten- und landeshöchsten Saarland- Amateurliga angehörte.

In den 70er Jahren schaffte dies dann der Nachbar SV Blickweiler. Und was haben die alten Kämpen nicht alles erlebt. "Ins Nordsaarland waren wir zu den Spielen in acht Lastwagen unterwegs, geduscht wurde im Nebenzimmer von Gaststätten", so Stolz. "Richtig komfortabel war es nur beim FC Sulzbach. Dort zogen wir uns in der Grube um, durften sogar ins Steiger-Band." Auch die Anfänge in Blieskastel waren bescheiden. "Im Hinterhof von Bocks Maria in der Wirtschaft stand eine Waschbütte. "Zuerst das Gesicht, erst dann durften die Füße rein", schmunzelt Waldemar Stolz.

Ein Spiel im Unterhemd gab es auch: "Wir durften auf dem Saarbrücker Kieselhumes vor 25 000 Zuschauern beim Spiel Saar 05 geben Stade Reims das Vorspiel bestreiten. Allerdings hatten wir die Trikots vergessen, spielten deshalb in Unterhemden."

Bis 1949 trugen die Blieskasteler ihre Spiele auf dem Platz Auf der Agd aus. Kurios war dort die 40-minütige Unterbrechung gegen den SV Ludweiler. "Dem Ball ging die Luft aus, wir hatten nur den einen. In Blickweiler musste ein Ersatzball beschafft werden", denken die Veteranen an die Nachbarschaftshilfe. Mit dem Bau des Sportplatzes an der Florianstraße 1949/50 hatte der SCB eine neue Heimstätte, Triumphe folgten. "Bäcker und Metzger versorgten uns mit Wurst- und Käsebroten als Prämien", weiß Waldemar Stolz noch. Eine Meisterschaft bleibt haften: "Wir haben danach in Neumars Lebensmittelladen bis morgens gefeiert und alles Essbare verdrückt", lacht der Älteste über den Heißhunger der Kicker.

"Einige Jahre vorher, 1947, kamen nach der Sperrstunde französische Beamte. "Anstatt einer Verwarnung feierten diese aber einfach mit, haben französische Lieder gesungen und wir in das Ganze eingestimmt, obwohl die meisten gar kein Französisch konnten." Die entstehenden Lücken bei den Traditionstreffen füllen Jüngere auf. So kam diesmal Dieter Findeisen (67) aus Lampertheim, erstmals dabei Dieter Müller aus St. Ingbert und trotz seines 29. Hochzeitstages Günter Steinmann. Gesang und lustige Einlagen gehören dazu: Luca Brosius glänzte als Imitator von Jogi Löw, Calmund und Beckenbauer, Giovanni Trapattonis Wut- Rede bei den Bayern brachte mit Italo-Akzent Hans Hurth gekonnt rüber, musikalische Klänge kamen von Katharina und Peter Baarß und als Solisten gab es für die Alt-Akteure Kilian Kleinpeter und Willi Fuchs den entsprechenden Sonderbeifall.

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