1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Blieskastel

Von einem Überlebenskünstler lernen

Von einem Überlebenskünstler lernen

Leben und Werk von Johann Sebastian Bach standen im Mittelpunkt des Konzertes in der Blieskasteler Schlosskirche. Zu Gast war Experte Andreas Kruse.

Aus dem Gesprächs-Konzert zu Johann Sebastian Bach in der Blieskasteler Schlosskirche hat sicher jeder Besucher Anregungen zum Nachdenken mitgenommen. Das Konzert mit dem Collegium Vocale Blieskastel war kein "normales" Konzert. Es setzte sich aus fünf musikalischen Teilen zusammen, zwischen denen Professor Andreas Kruse sehr eloquent und anschaulich seine Gedanken zu Johann Sebastian Bach zu Gehör brachte. Kruse, der renommierte Altersforscher aus Heidelberg hat seine anderen Fähigkeiten - er ist studierter Psychologe, Demograph, Philosoph, Musiker - in seinen Büchern zusammengefasst. Er betrachtet das Leben von Bach exemplarisch, um daran zu zeigen, dass weder Verlust, Tod noch Krankheit einen Menschen daran hindern können, seine eigene Kreativität zu entwickeln. Bach wurde durch viele Schicksalsschläge in seiner Schaffenskraft geradezu beflügelt. Dabei half ihm in großem Maße sein Vertrauen in Gott.

Der eigens von einem Kongress in Zürich angereiste Professor möchte den Menschen Mut machen, das Alter mit seinen Einschränkungen nicht schicksalhaft hinzunehmen, sondern es aktiv zu gestalten, sich für etwas einzusetzen und der Nachwelt etwas zu hinterlassen.

Brigitte Gode, die Vorsitzende des Freundeskreises Saarpfälzische Musiktage, konnte viele interessierte Besucher in der Blieskasteler Schlosskirche begrüßen. Neben den Solisten Melanie Hoffmann, Sopran; Angela Lösch, Alt; Steffen Kohl, Tenor und Michael Marx, Bass auch die Musikerinnen an Blockflöte, Gambe und Kontrabass. Passend zum Thema: Die Grenzgänge Bachs gestaltete das Collegium Vocale unter Leitung von Christian von Blohn zunächst die Motette "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach, einem Onkel von Johann Sebastian und der früheste bekannte Komponist aus der langen Musikerreihe der Familie Bach. Auch hier geht es nach barocker Manier um die Flüchtigkeit des Lebens. Mit einem fast ausgehauchten pianissimo "müssen alle davon, davon, davon . . .". Ein überwältigender Raumklang war mit dem Stück "Immortal Bach" von Knut Nystedt zu erleben. In fünf Gruppen in der Kirche verteilt intonierte der Chor den Bach-Choral "Komm, süßer Tod", der zunächst im Originalsatz erklang. Der norwegische Komponist Nystedt, 2014, fast 100jährig gestorben, lässt die fünf Chöre die einzelnen Verse in unterschiedlichen Tonlängen singen, was zu Reibungen führt, die sich am Schluss in Wohlklang auflösen. Mit zwei Orgelstücken gliederte Christian von Blohn die Kurzvorträge, wobei der abrupt endende letzte Kontrapunt der "Kunst der Fuge" besonders beeindruckte. Die Komposition blieb unvollendet, da es Bach am Ende seines Lebens wichtiger war, die große Messe in h-moll fertigzustellen. Mit der Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit", endete ein ergreifendes Konzert im Jubel der Zuhörer.