Viel Beifall für Theaterstück von „Groß und Klein“ in Pinningen

Theater : Eine durch und durch verrückte Familie

Mit ihrer Komödie „Für seine Familie kann man nichts“ hat die Pinninger Theatergruppe ins Schwarze getroffen. Das Publikum war begeistert.

Bei zwei ausverkauften Vorstellungen bot die Pinninger Theatergruppe im Altheimer Sportheim am Wochenende beste Theaterkunst. Mit der Komödie „Für seine Familie kann man nichts“ von Hans Schimmel gelang es, die Lachmuskeln des Publikums kräftig zu strapazieren. So hatte sich die Vorbereitung mit vielen Proben gelohnt, bedankten sich die Zuschauer mit frenetischem Applaus, als Klaus Schmitt nach dem letzten Vorhang seine zehn Mitspieler und die Souffleuse Tanja Stolle vorstellte.

Zuvor ging es in den drei Akten teilweise rund in der „ganz normalen“ Familie Beierle um indische Tantralehre, Geisterbeschwörungen, unnütze Erfindungen, Computer-Wahnsinn und heimliche Leichentransporten. Die Handlung: Friedhelm Beierle (gespielt von Klaus Schmitt) hat einen anständigen Beruf und ein stets ordentliches Zuhause. Selbst bei seiner Steuererklärung, bei dem ihm die Standesbeamtin Traudel Sieber (Martina Huppert) hilft, ist immer alles korrekt. Nach jahrelanger Suche hat er mit Doris Stüber (Evi Frenzel) seine Traumfrau gefunden, die seine Familie endlich kennenlernen möchte. Das ist jedoch alles andere als ein einfaches Unterfangen, denn diese ist ungewöhnlich, ja katastrophal, für Chaos ist ständig gesorgt.

„Ich bin der Einzige unseres Stammbaums, der ein normales Leben führt“, betont Friedhelm. Er sei sozusagen das weiße Schaf. Seine drei Geschwister treiben ihn regelmäßig an den Rand des Wahnsinns: So ist Hubbi (Michael Neuhäuser) ein nicht sehr begnadeter Erfinder mit einem Sprachfehler, der sich oft fatal auswirkt. Willi (Tim Lambert) ist ein talentierter Computerspezialist, der sich auch mal in die PCs des saarländischen Verteidigungsministeriums einhackt. Er steht unter ständiger Beobachtung von Verfassungsschutz-Beamten Gerd Hollerbichel (Miro Walle), der ihn auch immer wieder aus dem Sumpf zieht. Friedhelms Schwester Hermine (Nicole Allgayer) schwebt in übersinnlichen Sphären, stinkt sie seit ihrem Indienurlaub dem Rest ihrer Familie ganz gewaltig, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie scheut das Waschwasser, sowohl für ihre Kleidung als auch für sich selbst, will ihre Aura nicht zerstören. „Sie stinkt nicht, sondern produziert Pheromone“, drückt es Friedhelm aus. Hubbi sieht in dem Gestank den Vorteil, dass alle Fliegen des Hauses im Zimmer von Hermine sind, und erfindet einen Geruchsneutralisierer. Hermine unternimmt im Übrigen nichts, ohne vorher die Karten, die Sterne oder den Kaffeesatz zu befragen. Bei einer Séance versucht sie, das Liebesleben ihrer Freundin Gundula (Sabine Fischer) und von der neugierigen Hausbesitzerin Gertrud Wollensiek (Luisa Schmitt) vorauszusagen. „Geister der Unterwelt, kommt zu uns“, beschwört sie.

Agathe Schmitt schlüpft gekonnt in die Rolle einer Putzfrau, die immer darauf bedacht ist, dass sie ihre Zeit auch bezahlt bekommt. Die ganze Situation eskaliert, als Willi einen Nebenjob als Leichenwagenfahrer annimmt und sein Fahrzeug durch eine Panne lahmgelegt wird. Da sich die Werkstatt weigert, das Fahrzeug mit „Inhalt“ zu reparieren, wird die Leiche Albert (Volker Sandmeier) kurzerhand in der Wohnung der Familie zwischengelagert. Da Friedhelm auf keinen Fall von dieser Aktion erfahren darf, wird die „Leiche“ durch Stromstöße einfach zum „Leben“ erweckt.

Am Freitag, 11. Januar, eröffnet die Gruppe mit ihrer dritten Aufführung um 20 Uhr, im Gersheimer Kulturhaus die 33. Theaterwoche der Gemeinde Gersheim.

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