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Versöhnliche Gesten beim Biesinger Bürgertreff

Versöhnliche Gesten beim Biesinger Bürgertreff

Biesingen. Auf Heller und Pfennig wollen die Eltern, deren Jungs in der Nacht zum Dienstag vergangener Woche den Friedhof in Biesingen verwüstet und dabei an 110 Gräbern Schäden von schätzungsweise 10 000 Euro verursacht haben, die Betroffenen entschädigen

Biesingen. Auf Heller und Pfennig wollen die Eltern, deren Jungs in der Nacht zum Dienstag vergangener Woche den Friedhof in Biesingen verwüstet und dabei an 110 Gräbern Schäden von schätzungsweise 10 000 Euro verursacht haben, die Betroffenen entschädigen. Das haben die beiden am Donnerstagabend bei einer Versammlung mit rund 40 Biesinger Bürgern im "Schnapsheisje", dem Domizil des Obst- und Gartenbauvereins, noch einmal versichert. Wie berichtet, hatten der 14-jährige Sohn und das zwölfjährige Pflegekind in jener Nacht in alkoholisiertem Zustand Holzkreuze, Grablampen und -steine beschädigt oder ganz zerstört. Auch Blumen waren herausgerissen worden. Unter der Moderation von Ortsvorsteher Werner Weihrauch, hatte der Vater am Donnerstagabend erklärt, dass man das Geschehene nicht mehr rückgängig machen könne, er schäme sich für die beiden Kinder. Bisher habe die Familie bereits den Schaden, der 15 Betroffenen entstanden ist, reguliert, rund 4000 Euro bezahlt. Die Mutter erklärte in der Versammlung, dass viele Biesinger bisher Nachsicht gezeigt hätten. Die Eltern hätten eindringliche Gespräche mit den beiden Kindern geführt, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen dürften. Die Mutter richtete die Bitte an die Biesinger, miteinander zu reden. Die Chancen hierzu seien in einem kleinen Dorf weitaus günstiger als in einer Stadt. Ortsvorsteher Werner Weihrauch, der von Anfang an darauf hingewirkt hatte, aus dem Vorfall auf dem Friedhof keinen Skandal zu machen, wies in der Bürgerversammlung mit den Geschädigten darauf hin, dass es an der Tat der Kinder nichts zu beschönigen gebe. Allerdings habe sich die Familie bereits am Morgen nach den Geschehnissen auf dem Friedhof entschuldigt und erklärt, dass man für alle Schäden aufkommen werde. Das verdiene Respekt. So war die Grundstimmung unter den Betroffenen am Donnerstagabend eher versöhnlich. Ein Teilnehmer meinte, das Verhalten der Familie sei anerkennswert. "Nicht jeder hätte den Mut gehabt, sich der Bevölkerung zu stellen. Was hätten sie denn noch anderes machen können?", so der Biesinger unter dem Applaus der meisten anderen Gäste. Aber es gab auch kritische Stimmen. Ein Betroffener erklärte, man dürfe jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Zudem übte er harsche Kritik, dass man die Versammlung nicht im kleinen Kreis veranstalte, sondern vor Presse und Fernsehen. Die Eltern, die sich ebenso wie der Ortsvorsteher für die faire Berichterstattung in unserer Zeitung bedankten, erklärten, dass sie aus dem ganzen Geschehen "keine Schau" machen wollten, aber den Kopf in den Sand zu stecken, nutze eben auch nichts. Der Vater sagte am Ende der Diskussion: "Um ein Kind zu erziehen, braucht man das ganze Dorf."