Uralter Schreibwarenladen mit Geschichte in Niederwürzbach

Ein Laden mit Geschichte : Viel Herzlichkeit zwischen Heften und Stiften

Seit über 50 Jahren steht die 76-jährige Wilma Kuhn in ihrem Schreibwarenladen in Niederwürzbach.

Viel besucht und von auswärtigen Leuten oft bestaunt wird in Niederwürzbach ein ganz besonderer Laden. Auf nur 16 Quadratmetern Fläche hält er 450 Artikel vor. Vor allem die Häuserfront des kleinen Schreib- und Zeitschriftenladens in der Bezirksstraße fällt ins Auge. Denn die Schilder, die auf die hier käuflich zu erwerbende Illustrierten hinweisen, sehen wie aus einer anderen Zeit aus. Es lebe die Nostalgie. Seit über 50 Jahren bedient hier Wilma Kuhn ihre Kunden, im Weiherdorf kennt sie natürlich jeder Mensch. Denn mit ihrem Geschäft sind Generationen groß geworden. Die heutige Jugend ist ebenso froh wie die älteren Mitbürger, dass sie trotz ihrer 76 Jahre von früh bis spät im Traditionsgeschäft ihre Ware anbietet.

Man muss „es Wilma“, wie die Seniorin liebevoll genannt wird, nicht fragen, ob ihr die Arbeit in ihrem Reich aus Bleistiften, Pinseln, Kalendern, Papier, Büro-Utensilien, Grußkarten, Zeitschriften, Geschenken und anderen Dingen Spaß macht. Kompetenz, Elan und Freundlichkeit sind ihr Erfolgsrezept.

„Nach dem Tod der früheren Besitzerin Rosel Thierolf haben wir das Haus gekauft, den Laden vergrößert und 1967 eröffnet“, erzählt uns Wilma Kuhn, die im Obergeschoss wohnt. „Ich öffne jeden Tag morgens um halb sieben und schließe um 18 Uhr. Drei Mal pro Woche kommen Zeitschriften und Waren, täglich die Stammkunden vorbei. Vor allem die ältere Kundschaft ist froh, dass es noch einen solchen Laden vor Ort gibt, er dient als Kommunikationszentrum“, weiß „es Wilma“ zu erzählen. Und die Jüngeren freuen sich, dass vor der Schule noch der Kauf eines Hefts oder Stifts möglich ist, zumal die Bushaltestelle nur 20 Meter entfernt liegt.

In ihrem Schreibwarenladen hält Wilma Kuhn ihr umfangreiches Warenangebot bereit. Foto: Hans Hurth

Wilma Kuhn bemüht sich, alle Kundenwünsche zu erfüllen. Von Glückwunschkarten über Zigaretten, Schreibartikel, Süßigkeiten, Spielsachen oder Ausgabe der gelben Säcke – eine kleine Leihbücherei zählt ebenfalls dazu. „Unzählige Kommunion- und Taufkerzen habe ich mit Namen und Datum verziert. Auf meine Kundschaft mit ihrer Treue bin ich mächtig stolz, ebenso darf ich stets auf die Hilfe meiner Familie mit den Kindern Michael, Manuela und Uwe Sascha zählen. Ich kann mir nicht vorstellen, ohne mein Lädchen zu sein, auch nach schlimmen Vorfällen nicht.“ So stahl eine organisierte Bande vor vier Jahren alle Tabakwaren, bei einem Raubüberfall eines Jugendlichen waren Geld und Zigaretten weg, und vor wenigen Wochen brannte ein Anbau hinter dem Haus ab, erinnert sich die rüstige Dame. Jede Zeit hat ihre Herausforderung – doch trotz Internet und Discountern will sie den Laden noch einige Jahre weiterführen. „Nicht zuletzt auch auf Wunsch meiner treuen Stammkundschaft will ich weitermachen, der Umgang mit ihnen macht riesig Spaß. Der Laden ist mein Leben“, stellt Wilma Kuhn im Gespräch mit unserer Zeitung heraus. Wer in dem Geschäft mit der bewusst betagten Einrichtung aus den 1950er und 60er Jahren genau hinschaut und hinhört, stellt fest: Wer hierher kommt, kauft nicht nur. Er bekommt auch etwas zurück. Und das nennt sich Herzlichkeit.