Tauben werden artgerecht umgesiedelt

Blieskastel. Für die Blieskasteler Bürgerin Ute Wilhelm war es ein schöner Tag: Auf ihre Initiative hin hatte sich die Stadt Blieskastel des Problems der Tauben im Stadtgebiet angenommen. Denn die stetig wachsende Taubenpopulation und die damit verbundene Verschmutzung durch den Tierkot erforderten dringend eine Lösung

Blieskastel. Für die Blieskasteler Bürgerin Ute Wilhelm war es ein schöner Tag: Auf ihre Initiative hin hatte sich die Stadt Blieskastel des Problems der Tauben im Stadtgebiet angenommen. Denn die stetig wachsende Taubenpopulation und die damit verbundene Verschmutzung durch den Tierkot erforderten dringend eine Lösung. Hartnäckig hatte sich die Tierschützerin Wilhelm für eine tier- und artgerechte Lösung stark gemacht."Und genau diese tier- und artgerechte Lösung wurde jetzt gefunden", stellte Georg Wilhelm, Erster Beigeordneter der Stadt Blieskastel, jetzt fest. Vergiften oder abschießen sei absolut nicht in Frage gekommen, stellte der CDU-Politiker klar. Zusammen mit Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener konnte am Donnerstagabend der Öffentlichkeit der erste Taubenschlag auf dem Dachboden des historischen Rathauses präsentiert werden. In weit über 400 Stunden hatten Teilnehmer aus einer Maßnahme des Zentrums für Beruf und Bildung (ZBB) unter Anleitung des Schreiners Egon Becker den Taubenschlag errichtet. Betreut wird der Taubenschlag vom Tierexperten und Feld- und Forstschutzbeauftragten der Stadt, Raimund Ruffing. Dieser ist für die Fütterung der Tauben und die Reinhaltung des Schlages zuständig. Wie er ausführte, gilt es zuerst, die Tauben an den Schlag zu gewöhnen. Allerwichtigste Voraussetzung: Die Tiere dürfen nicht mehr innerhalb des Stadtgebietes gefüttert werden. "Auch nicht jetzt in der kalten Jahreszeit. Die Tiere müssen sich an den Schlag gewöhnen, sollen hier ihr Futter finden", stellte Experte Ruffing unmissverständlich klar.

Das Konzept des Taubenschlages beruht darauf, die Tiere an den Schlag zu binden, kontrolliert zu füttern und ein Teil der frisch gelegten Eier durch Attrappen aus Gips oder Kunststoff zu ersetzen. Damit wird die Zahl der Tiere kontrolliert. Sobald sie durch regelmäßige Fütterung den Taubenschlag angenommen haben, halten sie sich dort den Großteil des Tages auf und nisten auch dort. Dadurch ist die Zahl der Tiere unter Kontrolle und die Verschmutzung der Stadt durch Taubenkot wird spürbar verringert. "Denn bis zu 80 Prozent des Kotes wird im Schlag ausgeschieden", erläuterte Wilhelm. Es sei notwendig, "die Entwilderung von verwilderten Haustieren" so zu steuern, unterstrich der Beigeordnete. Als Standort kam nur das Rathaus in Frage, weil es kein geeignetes öffentliches Gebäude in Altstadtnähe gibt. Weiterhin wichtig für die Wahl des Standortes waren die Lebensgewohnheiten der von der Felsentaube abstammenden Stadttauben. Diese haben sich den Stein-Lebensräumen einer Stadt angepasst und können hier leben, wenn sie genügend Futter finden. Ein Taubenschlag etwa in den Blieswiesen mache unter diesen Bedingungen absolut keinen Sinn, wurde betont. Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener machte auch klar, dass die Genehmigung sehr schwierig war: "Da mussten eine Menge Hürden überwunden werden, bis im Dachboden eines solch historischen Gebäudes so etwas genehmigt wurde", erläuterte sie den Interessierten. Orientiert hat man sich am Modell der Stadt Augsburg, wo die Taubenpopulation ähnlich und letztlich erfolgreich reguliert wurde. Hierzu war Fachbereichsleiter Alfons Stumpf mit einer Delegation nach Augsburg gereist, um sich dort zu informieren. ers