Landesweite Veranstaltung in Blieskastel : Das Handwerk präsentierte sich eindrucksvoll

Großer Menschenauflauf am Samstag auf dem Paradeplatz in Blieskastel: Die Gewerke präsentierten dort ihre Leistungsstärke, aber auch ihre Sorgen und Nöte.

Es war schon ein wenig mühsam, zur Handwerkergasse beim Tag des Handwerks in Blieskastel am Samstag auf dem Paradeplatz zu gelangen. Man musste ein sogenanntes Ticket auf sein Handy herunterladen, ein Impfnachweis war ebenso Pflicht. Aber wer es dann geschafft und auch noch im Freien seine Maske aufgesetzt hatte, der konnte echt glücklich sein. Nicht nur, weil man gleich einer ganzen Handvoll Schornsteinfeger begegnete, die ja gemeinhin als Glücksbringer gelten. Nein, diese Veranstaltung erwies sich als ein Glücksfall für die Region und die Besucher, schließlich zeigte sich das Handwerk in seiner ganzen Breite und Verschiedenheit. Von den Bäckern bis zu den Friseuren, von den schon genannten Schornsteinfegern bis zur Metallinnung – alle präsentierten sich eindrucksvoll in jener Handwerkergasse, aneinandergereiht auf dem Blieskasteler Paradeplatz.

„Bei einer Handwerkergasse denkt man eher an etwas Historisches. Hier in Blieskastel kann man sehen, dass eine solche Handwerkergasse Zukunft bedeutet“, unterstrich Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger bei der Eröffnung der Veranstaltung. Viel zitiert wurde auch der berühmte „goldene Boden“, den man ja dem Handwerk zuschreibt. „Was vielleicht eher etwas veraltet klang, zeigt heute, dass diese Redensart moderner denn je ist“, unterstrich Bernd Reis, Geschäftsführer der Handwerkskammer. Dem Blieskasteler Bernd Reis war es eine Genugtuung, dass die Veranstaltung „Tag des Handwerks“ gerade in seiner Heimatstadt Blieskastel einen solchen Zuspruch fand. „Wir waren in den vergangenen Jahren immer in den größeren Städten des Saarlandes. Mir war es ein Anliegen, auch einmal die ländliche Region aufzusuchen. Denn hier haben wir auch entsprechendes Fachpublikum. Denn gerade im ländlichen Raum ist das Handwerk stark verankert und präsent“, unterstrich Reis im Gespräch mit unserer Zeitung. „In Dörfern lebt das Handwerk, und das Handwerk seinerseits lebt von seiner Sichtbarkeit. Handwerk ist und bleibt kreativ, reizvoll und attraktiv“, warb der Geschäftsführer für „sein“ Handwerk. Im Gespräch mit ihm und auch dem Präsidenten der Handwerkskammer, Bernd Wegner, wurde auch immer wieder der Wert der dualen Ausbildung im Handwerk unterstrichen. In vielen anderen Ländern werde man um diese Ausbildungsform beneidet.

Kritik gab es auch immer wieder am offensichtlichen Vorrang für die akademische Ausbildung: „Auch im Handwerk ist gutes Geld zu verdienen“, unterstrich in diesem Zusammenhang Udo Schmidt, stellvertretender Innungsmeister im Elektrohandwerk. Für ihn als Webenheimer Unternehmer war die Veranstaltung sozusagen ein „Heimspiel“. Er zielte auch ab auf den Fachkräftemangel in der gesamten Bandbreite: „Es mangelt überall an Fachkräften. Es fehlen Auszubildende und Gesellen, es fehlen Meister und Nachfolger“, beschrieb er ein eher düsteres Bild. Und wieder war da vom goldenen Boden die Rede: „Die Auftragsbücher sind voll, die Chancen stehen gut. Und vor allem der technologische Wandel, der in der Zukunft erfolgen muss, wird nur mit den kleinen und mittelständischen Handwerkern gelingen“, zeigte sich Schmidt überzeugt, der auch Stadtratsmitglied der Grünen in Blieskastel ist.

Und apropos Parteien: Es ist Wahlkampf und man gelangte nicht durch die Handwerkergasse, ohne mehrere Bundestags-, Landtags- oder Stadtratsmitgliedern der unterschiedlichen Parteien zu treffen. Aber tatsächlich waren auch einige Eltern mit ihrem Nachwuchs nach Blieskastel zur Veranstaltung gekommen, die sich über die verschiedenen Gewerke informierten. Für Matthias Lagler hatte sich der Besuch auf dem Blieskasteler Paradeplatz gelohnt. Es dauert zwar noch ein wenig, bis er tatsächlich mit seiner Ausbildung beginnen kann: „Aber ich habe jetzt einen Platz für mein Berufspraktikum sicher“, war er mit seinen Eltern sehr zufrieden. Er kann sein Praktikum bei einem renommierten Kfz-Fachbetrieb ableisten. Glück gehabt!

Und wenn wir da wieder beim Glück und den Redensarten wären: Geld mache zwar nicht glücklich, sagt man gemeinhin, aber wer viel Geld hat, scheint doch wenigstens ein bisschen glücklicher zu sein. So auch die Handwerkskammer, denn in den vergangenen Tagen hatte man dieses Geldglück: Es gab Millionen vom Bund (durch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier) und vom Land (durch die Landeswirtschaftsministerin Anke Rehlinger) für den Neubau der Bildungsstätte der Handwerkskammer, „ein Projekt, das wir schon seit über zehn Jahren verwirklichen wollen“, so Bernd Reis.

Aber damit nicht genug: Zur Eröffnung beim Tag des Handwerks gab es dann von Anke Rehlinger noch einmal publikumswirksam einen Scheck über eine Million Euro für die Förderung der Nachwuchsarbeit. Und das Glück war für die Besucher dann vollkommen, wenn sie am Security-Wachposten wieder vorbeikamen und das „Auschecken“ gelang und dann wieder nach Hause durften.