Vandalismus am Kloster Blieskastel Sinnlose Zerstörungswut im Klosterpark

Blieskastel · In der Brudermannsklause wurde einer der vom einheimischen Künstler Karl Riemann geschaffenen Figuren der Kopf abgeschlagen, eine andere mit Farbe verschmiert.

 Die Schäden an der Brudermannsklause mit den Statuen des Künstlers Karl Riemann im Klosterpark Blieskastel sind deutlich zu sehen.

Die Schäden an der Brudermannsklause mit den Statuen des Künstlers Karl Riemann im Klosterpark Blieskastel sind deutlich zu sehen.

Foto: Hans Hurth

Kilian Kleinpeter, einer der Stadt-Gästeführer der Barockstadt, war bei einem Rundgang durch das Kloster Blieskastel zunächst fassungslos und informierte dann unsere Zeitung. „In der Stätte der Spiritualität und Stille haben Vandalen wohl über Nacht einer Statue aus Beton den Kopf abgeschlagen und zudem eine weitere Statue mit Farbe verunstaltet“, hatte Kilian Kleinpeter festgestellt. „Um das 90 Jahre alte Teil so rabiat zu beschädigen, braucht man eigentlich schweres Gerät. Essenreste und Zigarettenkippen auf dem Boden deuten auf eine Zusammenkunft hin. Ich habe die Patres im Kloster informiert. Ob sie die Verursacher finden können, ist allerdings fraglich“, so der Gästeführer, der bei seinen Rundgängen mit den Besuchern stets auch das Kloster im Programm hat.

Zur Orientierung der Interessenten und Pilger im Kloster Blieskastel wurde vor sechs Jahren ein Info- und Leitsystem in Dienst genommen, das die Geschichte seines Klosters und seine Kunstwerke in Park und Kapelle näher bringt. „Das Kloster auf dem Han erfreut sich großer Beliebtheit und wird als bedeutende Wallfahrtsstätte im Bistum Speyer – von der Corona- Zeit abgesehen – jährlich von tausenden Pilgern besucht“, erläutert Kleinpeter. „Die Geschichte des 95 Jahre alten Klosters und die Kunstwerke im Park sind allerdings weniger bekannt. Da helfen an acht Stationen die Infotafeln mit Hintergrundwissen prima weiter.“

Der ehemalige Kreisdenkmalpfleger Bernhard Becker steuerte als engagierter Projektkoordinator die Texte bei, Elke Nowack-Lehmann übernahm die Übersetzung ins Englische und ins Französische. Die meisten der Info-Tafeln stehen wie die Statuen im Park. Von Franz von Assisi, dem Gründer des Franziskanerordens sind einige Legenden überliefert und im Klosterpark initiiert: So seine Predigt an die Tiere, die für ihn wie Menschengeschöpfe waren. Seit 1977 gibt es den von Arno Salm, dem ehemaligen Leiter der Stadtgärtnerei, angelegten rechteckigen Brunnen, auch dieser ist neben der Stigmatisation (Phänomen der fünf Wunden Christi) als Station mit einer Infotafel versehen. Auskunft gibt es im Leitsystem über Kloster, Gnadenkapelle, Tierpredigt, Brunnen im Park und Bruder- Konrad Brunnen, Friedhof der Patres und letztlich die nun beschädigte Brudermannsklause, die auf Initiative von Oberschülern des Saarpfalz- Gymnasium Homburg, die teilweise selbst Hand anlegten, im Jahr 2013 komplett fachgerecht saniert worden war.

„Die Wallfahrtsanlagen des Kapuzinerklosters stehen in der Tradition der Sacri Monti“, weiß Gregor Scherf vom Denkmalamt Saar, der bei allen Baumaßnahmen rund ums Kloster, erbaut in zwei Bauabschnitten zwischen 1924 und 1929, involviert ist. „Die Sacri Monti entstanden insbesondere aus der im Franziskaner-Orden gepflegten Tradition, durch Bilder oder Stationen wie in Blieskastel die Inhalte des Evangeliums und der Heiligenlegenden sowie der Sakramente näherzubringen, Emotionen zu wecken und diese Inhalte im Gedächtnis zu behalten“, so Gregor Scherf. Die Stationen wie die Brudermannsklause sollten auf Wallfahrten einstimmen und für Lichterprozessionen nutzbar sein. Ausführender Bildhauer bei allen Statuen und der Bildwerke auf dem Friedhof war der bekannte Blieskasteler Künstler Karl Riemann.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort