So speiste man im Mittelalter

Blieskastel. "Willst du ein Gericht für Frauen machen, so koch das Euter einer Kuh in nicht allzu viel Brühe. Und nimm die Hälfte dieser Brühe und zwei Scheiben Weißbrot und röste die auf einem Rost und streich sie zusammen mit drei Eierdottern und der Brühe durch ein Tuch. Und schneide das Euter in Scheiben und röste die auf einem Rost..."

Blieskastel. "Willst du ein Gericht für Frauen machen, so koch das Euter einer Kuh in nicht allzu viel Brühe. Und nimm die Hälfte dieser Brühe und zwei Scheiben Weißbrot und röste die auf einem Rost und streich sie zusammen mit drei Eierdottern und der Brühe durch ein Tuch. Und schneide das Euter in Scheiben und röste die auf einem Rost...". Reichlich gewöhnungsbedürftig für die meisten Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts, darf man annehmen. Das Rezept "Frauenessen (Kuheuter)" stammt aus dem "Kochbuch des Mittelalters" von Trude Ehlert. Nachzulesen ist es neben anderen mittelalterlichen Rezepten zur Zeit in der alten Markthalle im Blieskasteler Rathaus, wo am vergangenen Samstag die Ausstellung "Zu Tisch" eröffnet wurde. Anschaulich dargestelltAuf anschauliche Weise werden hier, stimmungsvoll im historischen Gewölbe, Tischsitten, Nahrung und Essgewohnheiten im Wandel der Jahrhunderte vom Hochmittelalter um 1000 bis 1800 dargestellt. Leiterin der Ausstellung ist die Archäologin Christel Bernard, unter deren Regie seit einigen Jahren die Reste der mittelalterlichen Burg und des barocken Schlosses auf dem Blieskasteler Schlossberg ausgegraben und dokumentiert werden. Gemeinsam mit dem Historischen Verein Blieskastel und dessen Interessengemeinschaft Burg und Schloss Blieskastel sowie einer Werkstatt-Gruppe der Kreisvolkshochschule (KVHS) Blieskastel, die sich unter Leitung von Christel Bernard mit den Ausgrabungen beschäftigte, wurde die Ausstellung zusammengestellt. Blickfang in der Markthalle ist ein mächtiger Kamin, wie er einst zum Zubereiten von Speisen benutzt wurde. Täuschend echtDie täuschend echt aussehende Feuerstelle haben die drei Mitglieder der KVHS-Werkstattgruppe Erich Heib, Clemens Oberringer und Horst Kiefer aus Gips-Karton, alten Dachlatten, Steinen und alten Eichenbalken gefertigt. Darüber hinaus sind in Vitrinen Glas- und Keramik-Funde aus der Blieskasteler Ausgrabung zu sehen. Auf fein mit weißem Linnen gedeckten Tischen werden Nahrungsmittel präsentiert, die in früheren Jahrhunderten halfen, die hungrigen Mägen zu füllen. Im Mittelalter waren dies in erster Linie Getreide wie Hirse, Dinkel, aber auch Wurzelgemüse, Nüsse und Kohlsorten. Vergrößerte Nachdrucke aus historischen Büchern und Abbildungen opulenter Ess-Szenen zieren die Wände und vervollständigen die Ausstellung. In historische Kostüme gewandete Besucher - darunter Annerose Feibel als mittelalterliche Gräfin Agnes und Dagmar Schuler als Gräfin Marianne von der Leyen - ließen zusätzlich ein Stück Vergangenheit wach werden. Nach der Ausstellungs-Eröffnung durch Christel Bernard fand auch Landrat Clemens Lindemann anerkennende Worte für die Präsentation. Als "Chef" der Aquis, einer Qualifizierungsgesellschaft des Saarpfalz-Kreises, ist Lindemann auch gewissermaßen Vorgesetzter Christel Bernards, die Abteilungsleiterin bei der Aquis ist. Aquis-Mitarbeiter sind bei den Grabungen in Blieskastel eingesetzt. Wie Christel Bernard im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte, sind die Blieskasteler Ausgrabungen eine wahre Fundgrube für Archäologen, da sehr viele "Küchenfunde" ein lebhaftes Bild davon vermitteln, wie in früheren Zeiten "zu Tisch" gebeten wurde.

 Peter Feibel als Graf Heinrich, Annerose Feibel als Gräfin Agnes und Dagmar Schuler als Gräfin Marianne von der Leyen (von links) vor der Feuerstelle in der alten Markthalle.
Peter Feibel als Graf Heinrich, Annerose Feibel als Gräfin Agnes und Dagmar Schuler als Gräfin Marianne von der Leyen (von links) vor der Feuerstelle in der alten Markthalle.

Auf einen BlickDie Ausstellung "Zu Tisch" ist bis 3. Mai täglich von 15 bis 18 Uhr zu sehen, donnerstags auch von zehn bis elf Uhr. Führungen können vereinbart werden. Die Ausstellung wandert anschließend weiter zur Kirkeler Burg. Anmeldung bei: Christel Bernard, Tel. (06849) 901933, E-Mail: c.bernard@zeitensprung.de. zal