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Rückepferde leisten ganze Arbeit im Wald von Ballweiler

Rückepferde in Ballweiler : Diese starken Tiere leisten ganze Arbeit

Rückepferde im Wald von Ballweiler: Auf ihre wertvollen Dienste will man in sensiblen Gebieten nicht verzichten.

Bis zu sechs Meter lange und bis zu zehn Zentner schwere Baumstücke werden von zwei Kaltblütern aus dem Wald auf die eigens angelegte Rückegasse gezogen. Mit stoischer Ruhe trabt der elfjährige und knapp 800 Kilogramm schwere Ardennen-Wallach Wulkan durch den vom Regen aufgeweichten Boden des Waldes oberhalb von Ballweiler. Sein „Chef“, der 59-jährige Ernst Winkmann, dirigiert ihn. Mehrere Stunden arbeiten die beiden eng zusammen. Immer wieder hört man die Anweisungen „hott“, „zurück“, „ein“ und „rum“. Auftraggeber ist der Stadtwald Blieskastel mit seinem Leiter, dem städtischen Förster Helmut Wolf. Das öffentliche Unternehmen, nach dem Saarforst Landesbetrieb der größte saarländische Forstbetrieb, bewirtschaftet und betreut rund 3500 Hektar Kommunalwald vor allem im Stadtbereich Blieskastel, aber auch in Homburg, Mandelbachtal und Gersheim sowie einige Privatwälder.

Der gebürtige Rheinländer Ernst Winkmann hat Zeit seines Lebens mit Pferden zu tun. Vor zehn Jahren zog es ihn aus seiner Heimat in der Nähe von Mönchengladbach, wo er knapp 15 Jahre im 1000 Hektar umfassenden städtischen Wald von Krefeld als Stadtangestellter die gleiche Arbeit erledigte, ins Saarland. Er pachtete sich mit seiner Frau Eva im Brenschelbacher Ortsteil namens Bahnhof ein Bauernhaus mit Stall, machte sich selbstständig, und bewirtschaftet seither zu der Rückearbeit noch rund neun Hektar zumeist angepachtete Fläche, baut Gemüse und Kartoffeln an.

Neben Wulkan besitzt Winkmann noch einen zweiten Wallach, den 16-jährigen Milo, ein belgischer Brabant. Mit beiden ist er das ganze Jahr in der naturnahen Form der Waldarbeit unterwegs, kommt dabei neben den Wäldern in seiner unmittelbaren Umgebung auch bis zu 50 Kilometer vom Wohnort entfernt im Saarland oder auch Rheinland-Pfalz zum Einsatz.

Unterstützt wird er von seinem Sohn Stefan, der Fällarbeiten erledigt, der die Rückemaschine betätigt, aber auch mit gezielten Fällungen kranke Bäume aus dem Wald entfernt, um den gesunden Gewächsen den nötigen Platz zur Weiterentwicklung zu schaffen. Jeder gefällte Baum wird sofort weggezogen, er wird in der Rückegasse gelagert und von dort von der Maschine übernommen, die das Holz bis zum Hauptweg transportiert.

Gehörten Pferde zum Holzrücken vor Jahrzehnten in der Waldwirtschaft noch zum alltäglichen Erscheinungsbild, so wurden sie nach und nach durch neue technische Arbeitsgeräte und Fahrzeuge fast vollständig verdrängt. „Eingefahren kaufe ich meine Pferde etwa im Alter von fünf oder sechs Jahren“, erklärt Ernst Winkmann. Dabei kann er sich auf das Angebot eines französischen Züchters verlassen, der sich vor allem durch seinen Bestand an charakterstarken Tieren auszeichnet. Ein bis zwei Jahre bildet Winkmann dann seine neuen vierbeinige Schützlinge für die Arbeit im Wald aus. Jedes Pferd ist danach etwa zehn Jahre im Dienst, bevor es wieder ausgetauscht wird.

Und was muss ein gutes Rückepferd mitbringen wird Winkmann im Gespräch mit unserer Zeitung gefragt. „Nicht jedes ist für solch eine Arbeit geeignet“, weiß der Fachmann. „Neben Körperbau und Belastbarkeit benötigen die Tiere eine gewisse Zugwilligkeit wie auch einen möglichst ruhigen, ausgeglichenen Charakter. Dazu sollte es auch ein bisschen stur, gutmütig und trittfest, aber auch geistig belastbar sein. Der Rest ist dann Übung.“

Insbesondere die Konzentration auf die Kommandos über mehrere Stunden fordere den Vierbeiner stark, mehr noch als die körperliche Belastung. So dauert eine „Pferdeschicht“ selten mehr als drei Stunden. Danach kommt das in der Zeit im Pferdehänger wartende Tier zum Einsatz. Rückepferde erledigten den ersten Teil der Rückekette, erläutert es Helmut Wolf, und seien vornehmlich auf sensiblen Standorten unterwegs, wo schwerlich mit Maschinen gearbeitet werden könne.

Auch sei der „tierische“ Einsatz sehr umweltschonend, es werde kein Boden verdichtet und „zerpflügt“. Im Gegensatz zu den lauten und schweren Forstmaschinen verursachen Pferde praktisch keine Waldschäden, hinterlassen keine Rückstände wie Öl oder Benzin und stören darüber hinaus nicht durch Einsatzgeräusche die anderen Tiere im Wald. Auch die Waldbesucher freuen sich über den Anblick von Rückepferden. Ihr Einsatz bewährt sich auch auf unwegsamem, schlecht zugänglichem Gelände. Innerhalb einer naturnahen und nachhaltigen Forstwirtschaft sei die schöne Tradition der Arbeit mit Rückepferden inzwischen wieder zunehmend gefragt, so Wolf.