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Riesiges Kolumbarium für Kirche in Webenheim

Ein Novum in Rheinland-Pfalz und im Saarland : Ein Kolumbarium entsteht in der Kirche

Einzigartig in der Region: Die Martin-Luther-Kirche in Webenheim bekommt insgesamt 576 Urnen-Nischen.

Einzigartig in Rheinland- Pfalz und im Saarland ist das Vorhaben der protestantischen Kirchengemeinde Webenheim, in der Martin-Luther-Kirche ein Urnen-Kolumbarium zu errichten und so das Gotteshaus für nachfolgende Generationen zu erhalten. „Denn dieser Erhalt ihrer Gebäude stellt viele, vor allem kleinere Kirchengemeinden, vor große Herausforderungen. Kreative Lösungen sind gefragt, um die Kirche im Dorf als gottesdienstlichen Versammlungsort weiterzuführen, durch Erweiterung der Nutzung aktuellen Bedürfnissen entgegenzukommen und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern“, betonte in einem Pressegespräch Dekan Peter Butz vom Protestantischen Dekanat Zweibrücken, mit dessen Unterstützung sowie der Projektstelle Kunst und Kirche die teilweise Umnutzung ihrer Martin- Luther-Kirche erfolgt.

„Wir fragten uns, ob wir uns unsere Kirche überhaupt noch leisten können, eventuell gar verkaufen müssen“, blickt Pfarrerin Ines Weiland-Weiser auf die neuartige Idee und auf die zukunftsweisende Lösung. „Den Mut des Presbyteriums muss man loben“, sagte Peter Butz, zu dessen Zweibrücker Dekanat die Webenheimer Gemeinde als Teil der pfälzischen Landeskirche gehört.

Und was ist nun geplant? „Ein Teil des großen Kirchenraumes soll künftig ein Kolumbarium beherbergen, eine zunehmend nachgefragte Form einer Begräbnisstätte“, hält der Dekan im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Seit längerem sei ein Wandel der Bestattungskultur zu bemerken. „Das Kolumbarium ist ein geschützter Ort, der zugleich Transzendenz vermittelt. Er stellt zeichenhaft unser Leben in einen Zusammenhang und erzählt vom Glauben, dass es bewahrt ist in Ewigkeit.“

Standort für das Kolumbarium ist im hinteren Teil des Kirchenschiffs, zehn Kirchenbänke müssen dafür weichen. Das Kolumbarium wird gestaltet von der Künstlerin Madeleine Dietz, die mit ihrem Entwurf einen Wettbewerb gewann. Die Landauerin hat bereits das Portal der Christuskirche St. Ingbert gestaltet. In Webenheim werde die integrierte Begräbnisstätte durch ein Tor vom vorderen Teil als Übergangsort getrennt, für die Lebenden und die Toten mit getrockneter, geschichtlicher Erde aus der Webenheimer Umgebung. Zwölf Buch-Skulpturen aus Stahl beinhalten die insgesamt 576 Urnen-Nischen. Verschlossen sind diese mit Platten, individuell von der Künstlerin erdfarbig bemalt. Hinzu kommen Orte für Blumen und Kerzen. Ein Besonderheit stellt Madeleine Dietz heraus: „Im Chorraum wird ein quadratisch gestaltetes Grab zur ewigen Aufbewahrung der Asche nach der Liegezeit geschaffen, die Asche verlässt also die Kirche nicht.“ Bei der Gestaltung berät Birgit Weindl von der Projektstelle Kunst und Kirche die Gemeinde in offenen Fragen.

Das ist die Martin-Luther-Kirche in Webenheim. Foto: Hans Hurth

Im offiziellen Friedhof innerhalb des Gotteshauses werden Bestattungen nicht nur für Einheimische, sondern auch für alle Christen aus dem Umland möglich sein. Im hinteren Teil Friedhof, im vorderen Kirchenteil Gottesdienste. Am Sonntag, 1. November, findet in der Luther-Kirche der vorerst letzte Gottesdienst, verbunden mit einer Taufe, vor der Umbauphase statt, wobei die Kirche ein Jahr geschlossen bleibt. „Wir schaffen beim Umbau auch einen barrierefreien Eingang und überarbeiten die Orgel“, erklärt Pfarrerin Ines Weiland-Weiser. Gottesdienste finden bis zur Wiederindienststellung im Dorfgemeinschaftshaus oder in Mimbach statt.