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Presbyteriumswahlen auf dem Gebiet der Stadt Blieskastel

Die Protestanten sind zur Wahl aufgerufen : Diese Fusion hat sich offenbar gelohnt

In der Protestantischen Kirchengemeinde Walsheim wählen in wenigen Tagen 1200 Menschen ein neues Presbyterium.

Am 1. Advent (29. November) werden um 18 Uhr im Walsheimer Gemeindehaus der protestantischen Kirchengemeinde Walsheim die Stimmen der Kirchenwahl ausgezählt. Wie in der gesamten Pfälzischen Landeskirche mit ihren rund 450 000 Mitgliedern in rund 400 Gemeinden findet diese Wahl aus den allseits bekannten Gründen erstmals nur als Briefwahl statt. Zum zweiten Mal wird in der Pfarrei, die zwölf Dörfer mit rund 1200 Wahlberechtigten ab 14 Jahren umfasst, ein gemeinsames Presbyterium gewählt. Es wird elf Mitglieder umfassen, fünf aus Walsheim und jeweils drei aus Bliesdalheim und Wolfersheim. Im gemeinsamen Gespräch mit Pfarrer Wolfgang Kafitz und den langjährigen Presbytern Angelo Lizzi aus Walsheim und Hans Bollinger aus Gersheim, die auch beide wieder kandidieren, wurde Bilanz gezogen.

Festzuhalten ist zunächst, dass sich die Fusion der drei Kirchengemeinden vor sechs Jahren sehr positiv ausgewirkt habe. „Jeder achtet darauf, dass die Belange der einzelnen Orte auch gewahrt werden,“ so Bollinger. Die Gemeinden seien nach anfänglichen Vorbehalten gut zusammengewachsen, zumal in den Beschlüssen immer auch die örtlichen Besonderheiten und Erfordernisse berücksichtigt würden. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in der Kandidatenliste wider. So kandieren in Walsheim sieben Personen zwischen 37 und 71 Jahren, in Bliesdalheim sechs zwischen 48 und 72 Jahren und in Wolfersheim sieben im Alter zwischen 47 und 74 Jahren. Insgesamt sind es zwölf Frauen und acht Männer. Es sei eine große Ermutigung, dass es gelungen sei, damit nicht nur formal die Mindestanzahl plus eins, sondern eine weit größere Anzahl von Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen. Damit werde verdeutlicht, betont Kafitz, dass es immer noch vielen engagierten Gemeindegliedern wichtig ist, „dass die Kirche im Dorf bleibt“ und gute Chancen bestehen, vieles selbst zu entscheiden.

Kafitz spricht darüber hinaus von einem großen Verbund, der vielfältige Möglichkeiten der Kooperation eröffnet, die Kirche zukunftsfähig zu machen. Wobei sich mit den Jahren die Aufgabenbereiche wesentlich verändert haben und der Umfang erheblich gewachsen sei. Eine wichtige Rolle spielt dabei das „Immobilien-Management“. So gehören in die Verantwortung des Gesamtpresbyteriums die drei Kirchen in Walsheim, Bliesdalheim und Wolfersheim. Dazu kommt das Walsheimer Gemeindehaus, das dortige Pfarrhaus, die Kita „Regenbogen“ und die ehemalige Lehrerwohnung in Wolfersheim. Diese hat die Besonderheit, dass der örtliche Obst- und Gartenbauverein Räume nutzt, etwa für seine Brennerei. Sie ist die einzige ihrer Art in einem kirchlichen Gebäude. Der Erhalt aller dieser Immobilien ist eine große Verpflichtung. Hier kommt vor allem die Walsheimer Kirche mit ihrem aus dem elften Jahrhundert stammenden Turm, das 1876 erbaute Gemeindehaus und Kindertagesstätte in den Blick – allesamt unter Ensemble-Denkmalschutz. Sie stehen vor einer umfangreichen Sanierung. Gesprochen wird dabei von Investitionen in Höhe von insgesamt 1,5 Millionen Euro. Solche Baumaßnahmen, die nicht unbedingt zu den klassischen Kernaufgaben eines Presbyteriums gehören, so Kafitz, erforderten viele Ressourcen und erhebliches Fundraising. Umso wichtiger ist, dass die nötigen Schritte am großen Tisch besprochen und abgestimmt werden. „Wir sind ein kleines Unternehmen, und der Pfarrer ist der Chef,“ fasste es Lizzi zusammen.

Hat sich das Presbyterium bis dato auch um Qualitätsmanagement und Personalfragen bei der Kindertagesstätte „Regenbogen“ gekümmert, so änderten sich jetzt die Zuständigkeiten. So wird die Kita im Januar 2021 Teil des Zweibrücker Kita-Verbundes. Dabei bleibt Walsheim Träger und wird Vertreter für die gemeinsame Gremienarbeit wählen.

Die Protestantische Kirchengemeinde Walsheim an der Blies finanziert sich hauptsächlich aus der Kirchensteuer. Finanziell hat sich die Zusammenlegung gelohnt, da die landeskirchlichen Schlüsselzuweisungen auch von der Größe der Gemeinde abhängen. Wie Lizzi erklärt, fließen pro Gemeindeglied aktuell jährlich 13,56 Euro in das Kirchensäckel.

„Das Presbyterium trägt gemeinsam Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament, die Seelsorge, die christliche Unterweisung, die Diakonie und Mission sowie für die Einhaltung der kirchlichen Ordnung, heißt es in der Verfassung der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche; Kirchenverfassung, KV). So war es bisher neben der Festlegung des Jahreskalenders und der Gottesdienstplanung auch die Kinder-, Jugend- und Frauenarbeit. Ein Höhepunkt sind die Koordination, Planung und Durchführung von Kita-, Dorf- und Gemeindefesten. „Sie sind wichtig, auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit,“ so Kafitz. Als Symbol der gelebten Ökumene und der gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu der katholischen Pfarrei werden der Weltgebetstag der Frauen, der Tag der Schöpfung und der ökumenische Kreuzweg genannt.