Oktoberfest in Blieskastel: eine tolle Sause

Und wieder ging in Blieskastel die Post ab : Prima Stimmung in der brechend vollen Hütte

Der zweite Durchgang des Oktoberfestes in Blieskastel war ein Volltreffer. Gastronom Grunder sagt Adieu. Er macht jetzt sein eigenes Ding.

Am Wochenende bot Nummer zwei des Blieskasteler Oktoberfestes ein ähnliches Bild wie am ersten Wochenende: Fuhr man über die Bliesbrücke Richtung „Blieskasteler Wiesn“, hatte man das Gefühl, man sei in München auf dem Stachus gelandet: Nur Dirndl und Krachlederne hieß der ungeschriebene Dresscode, bei den Meisten auch durchaus schön anzusehen. Ein Unterschied war indes sofort erkennbar: Das Durchschnittsalter lag geschätzt zehn Jahre höher als eine Woche zuvor, was sich später auch bei der Stimmung bemerkbar machen sollte. Die (etwas) älteren Oktoberfestgäste hatten offensichtlich noch nicht so intensiv „vorgeglüht“, da wurden im Zelt zunächst einmal die deftigen Speisen von Grunders Versperbrettl oder andere kulinarische Highlights einer Oktoberfestküche zu sich genommen. So war es kein Wunder, dass es die „Firma Holunder“, gemäß ihrem Motto „morgens müde, abends munter“ gar nicht so leicht hatte, die unbeschwerte Oktoberfest-Stimmung zu erzeugen.

„Die essen ja alle“ meinte stöhnend der Sänger der Band, als er zum wiederholten Male zum gemütlichen Aufsteigen auf die Bierbänke aufforderte. Aber da tat sich zunächst nicht viel. In der Künstlergarderobe neben der Bühne hatte man sich zunächst für den Auftritt vorbereitet.

Auch die Brezn darf beim Oktoberfest in der Barockstadt Blieskastel zur Maß natürlich nicht fehlen. Foto: Erich Schwarz

Andi Bopp jedenfalls, für Gesang und Saxophon bei der Firma Holunder zuständig und sozusagen das Urgestein der Band (Markenzeichen Kopfbedeckung), freute sich sehr: „Wir hatten jetzt in 19 Tagen insgesamt 16 Auftritte. Aber hier in Blieskastel, das ist immer etwas Besonderes, das ist ja für uns so wie ein Heimspiel. Die Stimmung ist immer gut, ich freue mich auf unseren Auftritt“, sage er lachend, nahm einen Schluck aus dem Maßkrug und einen Zug aus der Zigarette, und dann ging es ab auf die Bühne. Und wie sich die Muster, selbst die musikalischen, ähneln: Auch die Firma Holunder begann (wie fast alle anderen Musikgruppen zuvor und danach) mit dem Uralt-Hit „I will wieder hoam“ von der steirischen Gruppe STS, offensichtlich ein Oktoberfest-Stimmungsgarant. Aber auch andere in die Jahre gekommene Hits wie die gute „Sweet Caroline“ erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Die „Cordula Grün“ durfte nicht fehlen, auch erfuhr man von der Band in wiederkehrenden Reimen, dass der „teuerste Wald der Rechtsanwalt“ und „das schönste Bett die Elisabeth“ ist. Kai Grunder, scheidender Festzelt-Wirt der Bauern- und Oktoberfeste der letzten Jahre, wollte sich zu seiner Trennung mit dem Reiterverein Bliestal, der Grundstücksbesitzer der Blieskasteler Wiesn und damit sozusagen Lizenzgeber der Zeltrechte ist, nicht mehr groß äußern: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Oktoberfest in diesem Jahr lief super gut. Ich bedanke mich bei all meinen Gäste“, so seine Abschiedsworte im Gespräch mit unserer Zeitung. Tatsächlich konnte er sich an beiden Festwochenenden nicht beklagen: Denn auch bei der zweiten Wochenendauflage des Oktober-Sause war die Hütte brechende voll und die Stimmung (nach dem Essen) ausgesprochen gut. Ein intimer Kenner der beiden Feste auf der Blieswiese meinte: „Jetzt hatte es geklappt mit dem Grunder. Jetzt hat er alles im Griff, es lief ausgesprochen gut – und jetzt hat man ihn abserviert“. Seinen Namen will der Kommentator allerdings nicht gedruckt sehen. So geht es dann im kommenden Jahr mit einem neuen Zeltwirt auf den Blieswiesen weiter, Kai Grunder wird im September 2020 sein „eigenes Oktoberfest“ auf dem Hofgut Menschenhaus abfeiern. Und am zweiten und dritten Juliwochenende wird dann der neue Festzeltwirt gemeinsam mit dem Reiterverein Bliestal das 99. Webenheimer Bauernfest starten.