Nur das Pferderennen hat gefehlt

Die 95. Auflage des Webenheimer Bauernfestes hatte einiges an Neuerungen zu bieten. Obwohl man wegen des schlechten Geläufs auf der Rennbahn diesmal auf die Pferderennen verzichten musste, kamen mehr Besucher als im Jahr zuvor.

Mit einem romantischen Höhenfeuerwerk mit Musik endet heute Abend bei Einbruch der Dunkelheit das 95. Webenheimer Bauernfest. Am gestrigen Sonntag lockte die südwestdeutsche Rinderschau, die alle zwei Jahre auf dem Bauernfest stattfindet, wieder eine Menge Besucher. Und nicht nur aus der Landwirtschaft. Auch viele Eltern mit ihren Kindern fanden den Weg hinter das Festzelt zu diesem spektakulären Ereignis, bei dem die "schönste Kuh des Südwesten" gekürt wird.



Weit mehr Gäste als im vergangenen Jahr (damals rund 150 000) und eine komplett neue Ausrichtung des Festes: Die Verantwortlichen sehen mit Optimismus in die Zukunft dieses Traditionsfestes. Offensichtlich gab es nur Gewinner in diesem Jahr. Da hat zum einen das Wetter gepasst: Nicht zu warm und nicht zu kalt, man konnte sich sowohl im Zelt als auch im Biergartenbereich aufhalten. Wermutstropfen gleich am ersten Festsonntag: Das Pferderennen, einer der Höhepunkte im Festablauf, musste komplett abgesagt werden. "Die Sportkommission hatte sich im Vorfeld das Geläuf angesehen und hatte dann keine Freigabe der Bahn erteilt", erläuterte Klaus Weingart vom Reiterverein Bliestal die Entscheidung. Auch wenn einige Gäste schimpften ob der Absage (es war dann genau an diesem Sonntag ganz tolles Sommerwetter): Die Spuren des Dauerregens in den Vorwochen waren am Geläuf nicht spurlos vorbei gegangen. Immer noch tiefe Pfützen oder dann Stellen ohne Gras: Die Gefahr für Pferde und Reiter wäre zu groß gewesen. Positive Bilanz indes zum anderen beim Vergnügungspark: "Die Besitzer der Kinderkarussells sind besonders zufrieden. Es waren sehr viele Familien mit Kindern auf dem Festplatz", unterstreicht Sabine Moschel, die Vorsitzende des Reitervereins als Veranstalter. Vor allem der Mittwoch, dem Tag der Familien mit ermäßigten Fahrpreisen, war der absolute Renner. Alle Parkplätze belegt, viele Kinder auf den Fahrgeschäften. Bleibt dann noch das Fazit für das große Zelt. In diesem Jahr war dort alles, aber wirklich alles neu. Die Eheleute Petra und Kai Grunder hatten sich auf das "Abenteuer" Bauernfest eingelassen, die Bilanz ist insgesamt sehr positiv. Bleibt die immer währende Kritik: Es hat mit dem Essen zu lange gedauert, vor allem beim Schlachtfest. Dazu Kai Grunder: "Da stimmt, wir hatten da Probleme".

Änderungen am Bezahlsystem

Aber die Erklärung ist einleuchtend: Zunächst hatte man in der Küche einen Stromausfall, was dann zu Engpässen führte. Noch mehr Durcheinander entstand durch den Drucker der Essenbons: Durch die hohe Luftfeuchtigkeit streikte der Drucker zunächst, dann spuckte er alle Bons erneut aus, was zu einem mittleren Chaos führte. Aber es gibt auch schwierige Gäste: "Wenn das Zelt erst zehn Minuten geöffnet ist, und ein Gast beschwert sich, er warte nun schon eine dreiviertel Stunde auf sein Essen, dann ist die Kritik schlicht falsch", so der Festzeltwirt. Auch am Bezahlsystem an den Tischen werde gearbeitet: "Das werden wir im kommenden Jahr verbessern", versprach Petra Grunder zusammen mit ihrem Ehemann. Jedenfalls, auch das sind sich die Grunders einig, soll das Engagement keine Eintags- oder besser Einjahresfliege gewesen sein: "Wir müssen zwar neu verhandeln, weil 2017 ja auch noch das Oktoberfest dazu kommen soll. Aber ich bin sehr optimistisch, dass es klappen wird". Und auch Sabine Moschel vom Reiterverein Bliestal sieht die Weichen gestellt: "Die Zusammenarbeit war fantastisch, das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben", unterstrich die Bauernfest-Managerin. Und eine klassische Bauernfestfrage kann jetzt auch beantwortet werden: Das Bier war so genanntes Edelpils, "mit Sonnenschutzfaktor 4,8", wie Christian Weber von der Karlsberg-Brauerei den Alkoholgehalt auf die Frage eines Gastes umschrieb.