Nicht über einen Kamm scheren

Blieskastel. Gerade erst hat das Lehrjahr begonnen. Und während jetzt in vielen Industrie- und Handwerksbetrieben junge Menschen ihre ersten Schritte ins Berufsleben machen und Unternehmen wie Verbände steigende Ausbildungsplatzzahlen feiern, bleibt in diesem Jahr zumindest ein Ausbildungsplatz unbesetzt

Blieskastel. Gerade erst hat das Lehrjahr begonnen. Und während jetzt in vielen Industrie- und Handwerksbetrieben junge Menschen ihre ersten Schritte ins Berufsleben machen und Unternehmen wie Verbände steigende Ausbildungsplatzzahlen feiern, bleibt in diesem Jahr zumindest ein Ausbildungsplatz unbesetzt. Karl-Heinz Puderer, Inhaber des gleichnamigen Traditions-Friseursalons in Blieskastel, kann in diesem Jahr nicht auf die Mitarbeit eines kommenden Friseurs bauen. "Das hat unter anderem einfach an der Qualität der Bewerbungen gelegen. Diese waren teilweise recht seltsam. Und auch der Notenschnitt war alles andere als gut." Puderer ringt im Kampf um Nachwuchs auch mit dem oft schlechten Image der Branche, nicht zuletzt die immer wieder angestoßene Diskussion um den Friseur als Aushängeschild des unterbezahlten Vollzeitarbeitnehmers macht ihm und seinen Kollegen zu schaffen. So hat sich der Beruf in den vergangenen Jahren für viele Schulabgänger als reine Notlösung etabliert, um "unterzukommen", ein Bild, das Puderer so nicht stehen lassen will. Denn er sieht als Insider die Dinge erwartungsgemäß anders als Außenstehende. "Der Beruf ist vor allem geprägt durch den Gedanken der Dienstleistung. Und es gehört Kreativität, Leistungsbereitschaft, Flexibilität und Einsatz mit dazu." Charaktereigenschaften, die er nicht selten bei seinen Bewerbern vermisst. "Die Arbeit am und mit dem Kunden, das Herangehen an dessen Bedürfnisse, das erfordert auch einiges an Allgemeinbildung."Dem schlechten Ruf der Friseurinnung in Sachen Entlohnung tritt Puderer mit Nachdruck entgegen. "Friseure, die sich engagieren, die arbeiten wollen und die was können, die werden auch gutes Geld verdienen. Auch in unserem Metier wird nach Leistung bezahlt. Die Gleichung 'Wenn ich am Anfang wenig verdiene, dann arbeite ich auch wenig' ist ein gefährlicher Trugschluss." Nicht wirklich glücklich ist Puderer auch mit der Systematik der Ausbildung im ersten Lehrjahr. "Abzüglich von branchenspezifischen Freistellungen und Berufsschulaufenthalt steht mir, und das ist belegbar, der Lehrling gerade mal eineinhalb Tage in der Woche zur Verfügung. Das ist viel zu wenig. Hier müsste die Politik aktiv werden."Trotzdem gibt Karl-Heinz Puderer die Hoffnung auf einen geeigneten Azubi nicht auf, auch wenn in diesem Jahr der Zug in Richtung berufliche Zukunft erst einmal abgefahren ist. Zukünftigen Bewerbern für den Beruf des Friseurs gibt er einen wichtigen Tipp mit auf den Weg. "Wer sich wirklich für diesen Beruf interessiert, der sollte seine Bewerbungsunterlagen schnappen und sich gleich persönlich vorstellen. Ich selbst lege großen Wert darauf, mit den Bewerbern persönlich zu sprechen. Denn da kann sich so mancher, der nicht mit guten Noten glänzen kann, als echter Kandidat herausstellen."

HintergrundFriseure und Friseurinnen waschen, pflegen, schneiden, färben und frisieren Haare. Sie beraten Kunden individuell in Fragen der Frisur, der Haarpflege sowie des Haarstylings, pflegen Hände, gestalten Fingernägel sowie Make-up und verkaufen kosmetische und Haarpflegeartikel. Hauptsächlich arbeiten Friseure und Friseurinnen in Fachbetrieben des Friseurhandwerks. Darüber hinaus finden sie Beschäftigungsmöglichkeiten in Erholungseinrichtungen wie Wellnesshotels und Bäderbetrieben. Auch bei Film- und Theaterproduktionen oder Modeschauen können sie tätig sein. Ebenso bieten sich Beschäftigungsmöglichkeiten im Verkauf von Kosmetikartikeln, so in Parfümerien (Quelle: Arbeitsagentur). red