Moseleisenapfel ist Apfel des Jahres für Rheinland-Pfalz und Saarland

Apfel des Jahres : Ein robuster Apfel macht das Rennen

In diesem Jahr fiel die Wahl der Gartenbauverbände unter den Streuobstsorten auf den seltenen Moseleisenapfel.

Auch im Jahr 2019 hat der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz eine Streuobstsorte des Jahres für das Verbandsgebiet benannt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf den regionalen Wirtschaftsapfel Moseleisenapfel. Mit dem Moseleisenapfel wurde eine sehr alte Sorte, die vor allem im Saar-Mosel-Raum bis hin zum Mittelrhein und Belgien bekannt ist, ausgewählt, heißt es von Seiten des Verbandes. Die Apfelsorte sei zwar noch auf Obstwiesen zu finden, werde aber als selten eingestuft. Allerdings gilt für den Moseleisenapfel eine Einschränkung: Es gibt ihn nicht auf den Streuobstwiesen der Biosphäre Bliesgau. Der Moseleisenapfel kommt, wie der Name schon sagt, an der Mosel, an der Oberen Saar und im Luxemburger Bereich vor.

Wie oft bei alten Sorten, sind auch beim Moseleisenapfel die einzelnen Früchte eher klein bis mittelgroß, sagt Monika Lambert-Debong aus Erbringen, Geschäftsführerin des Verbandes der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. Man erkenne die Sorte recht gut an ihrer kegelförmig bis rundlichen Form und der markanten Färbung. Fast die ganze Frucht sei von einer trüb dunkelroten Farbe überzogen, die in ein bräunlich-bläuliches Rot übergeht und leicht verwaschen streifig ist. Das grünlich-weiße Fruchtfleisch sei fest, schmecke süßsäuerlich bis süß, habe aber leider kein besonderes Aroma. Die Baumform sei meist etwas ungewöhnlich. Häufig erscheine die Krone asymmetrisch, da sich nur auf einer Seite stark ausgebildete Leitäste zeigten. Kompakte Kronen bedürften eines regelmäßigen Rückschnittes der Leit- und Hauptäste. Er komme früh in den Ertrag, die Blüte zeige sich spät. „Der Moseleisenapfel hat an Boden und Standort keine besonderen Anforderungen. Die Sorte ist jedoch leicht schorfanfällig und so sind gut durchlüftete Lagen vorzuziehen“, sagt Lambert-Debong, die sich dabei auf das Fachbuch „Äpfel und Birnen aus Luxemburg, Geschichte, Tradition, Sorten, Verwertung“ von Raymond Aendekerk, Doris Bauer, Richard Dahlem, Marc Thiel und die Pomologen Hans Thomas Bosch und Hans Joachim Bannier bezieht. „Auch wenn im Frühjahr die noch vorhandenen Obstbäume die Landschaft in ein Blütenmeer verwandeln, darf nicht vergessen werden, dass die wertvollen Obstwiesen nicht mehr den Stellenwert genießen, der ihnen eigentlich zustehen würde“, betont Lambert-Debong. Obstwiesen müssten leider den bedrohten Lebensräumen zugeordnet werden. Der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz setze sich für die Erhaltung der Obstwiesen ein. Die Benennung der Streuobstsorte des Jahres solle dazu beitragen das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und Menschen dazu zu bewegen Obstbäume zu pflanzen, zu pflegen – Obst zu ernten, zu genießen und schmackhafte Produkte daraus herzustellen.

Die Geschichte des Apfelbaumes ist auch ein Stück Kulturgeschichte. Noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nahmen der Feldobstbau und die damit verbundene Sortenvielfalt einen großen Aufschwung. Eine Fülle von Obstsorten entstand. Obstwiesen sorgten für eine blühende Kulturlandschaft. Doch dann wurden zunehmend besser zu bewirtschaftende niederstämmige Obstanlagen angepflanzt, die wirtschaftliche Bedeutung der Obstwiesen nahm ab. Die Folge war ein Rückgang der landschaftsprägenden Streuobstwiesen, was zu einem Rückgang der Sortenvielfalt führte. Zahlreiche Obstsorten sind verloren gegangen oder stark gefährdet.

Der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz widmet sich der Erhaltung der landschaftsprägenden Streuobstwiesen und setzt sich für die Erhaltung der Obstsortenvielfalt ein. Eigens zu diesem Zweck wurde ein Arbeitskreis gegründet. Mitglieder sind die Fachberater für Obst- und Gartenbau Michael Keller, Landkreis St. Wendel, Harry Lavall, Saarpfalz-Kreis, Karl-Heinz Schmitt, Landkreis Merzig-Wadern, und Robert Weber, Regionalverband Saarbrücken.