Mit Hellebarde und viel Wissen

Blieskastel. Bald wird man sie wieder rufen hören "Hört ihr Leut' und lasst euch sagen". Dann wird Nachtwächterin Luitgard Glaser - im Gewand aus grauem Wollstoff mit Cape und Filzhut sowie Horn, Laterne und Hellebarde - wie alle Jahre wieder durch Blieskastel ziehen. Und mit ihr etliche Besucher auf den Spuren der Barockstadt

Blieskastel. Bald wird man sie wieder rufen hören "Hört ihr Leut' und lasst euch sagen". Dann wird Nachtwächterin Luitgard Glaser - im Gewand aus grauem Wollstoff mit Cape und Filzhut sowie Horn, Laterne und Hellebarde - wie alle Jahre wieder durch Blieskastel ziehen. Und mit ihr etliche Besucher auf den Spuren der Barockstadt. Altes BrauchtumAb kommenden Sonntag, 14. November, dreht sie als Nachtwächterin verkleidet mit ihren Gästen bei den Stadtführungen ihre Runden durch die Gassen der Altstadt. In früheren Zeiten war der nächtliche Ruf das Zeichen dafür, dass der Nachtwächter unterwegs war. Seine Aufgabe war es, durch die Straßen und Gassen einer Stadt zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben, und häufig gehörte es auch zu seinen Aufgaben, die Stunden anzusagen. In den Städten gehörte dieses Amt zu den Bürgerpflichten und wurde abwechselnd von Männern ausgeübt. Heute ist der Beruf des "klassischen" Nachtwächters ausgestorben. Man kennt ihn nur noch aus Erzählungen oder aus Filmen. Diesen Brauch aus der alten Zeit hat man in Blieskastel schon vor Jahren wieder aufleben lassen. Die Begeisterung für diese Tätigkeit - nicht nur als Nachtwächterin, sondern auch als Führerin zu mancherlei Sehenswürdigkeiten in der Region schlechthin - ist Luitgard Glaser aus jedem ihrer Sätze herauszuhören. Lebhaft, engagiert und mit einem großen Fundus an Wissen ausgestattet, bringt sie das Jahr über zahlreichen Menschen die Umgebung und ihre Geschichte näher. Die geprüfte Reiseleiterin, so die Berufsbezeichnung, mit Spezial-Zertifikaten für die Themenbereiche Burgen, Gruben und Architektur, arbeitet dabei mit verschiedenen Touristikunternehmen, darunter der Saarpfalz-Touristik, zusammen. "Hört ihr Leut' und lasst Euch sagen", heißt es also ab kommenden Sonntag wieder in Blieskastel. Jeden Sonntagabend bis zum 6. Februar kommenden Jahres führt Luitgard Glaser wieder durch Gassen, malerische Innenhöfe und Plätze, an barocken Gebäuden vorbei. Die Blieskasteler Nachtwächterin erklärt ihren Gästen geschichtlich fundiert und gleichzeitig unterhaltsam die Geschichte der Stadt und zeigt Sehenswürdigkeiten, vom Paradeplatz über die Schlosskirche und die Orangerie bis zum Kloster. "Dort endet der Rundgang und klingt mit einem gemütlichen Beisammensein aus", erzählt die Nachtwächterin. Die Idee, in Blieskastels romantischer Altstadt als Attraktion für Besucher wieder einen Nachtwächter einzuführen, hatte die geprüfte Reiseleiterin Luitgard Glaser aus St. Ingbert selbst. Nächtliche RundgängeIn etlichen anderen Städten gibt es so etwas auch. Die Nachtwächter-Rolle dürfte vor allem in der dunklen Jahreszeit ihren Reiz für die Besucher haben. Die Nachtwächterin dreht in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt Blieskastel jeden Sonntag ab 19 Uhr ihre Runde, Kostenbeitrag 3.50 Euro. Kinder und Jugendliche zahlen nichts. Eine Anmeldung zu den nächtlichen Rundgängen ist nicht erforderlich. "Der Rundgang durch die Stadt endet mit Gemütlichkeit."Luitgard Glaser, Nachwächterin

Auf einen BlickDie Führungen mit Nachtwächterin Luitgard Glaser sind immer sonntags um 19 Uhr ab 14. November bis einschließlich 6. Februar 2011. Treffpunkt ist das Rathaus am Paradeplatz. Die Teilnahme kostet 3,50 Euro pro Person, Kinder bis 14 Jahre zahlen nichts. Abschluss des Nachtwächterrundgangs ist bei einem Glühweinumtrunk im Kloster.Infos beim Blieskasteler Verkehrsamt, Rathaus III, Zweibrücker Straße 1 (ehemaliges Finanzamt), Tel. (0 68 42) 9 26 13 14, E-Mail: verkehrsamt@blieskastel.de. ert