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Lucy van Uhl war zu Gast in Blieskastel

Festival „Euroclassic“ : Lucy van Uhl setzte ihre Pointen in Blieskastel

Zum Gastspiel der Kabarettistin im Rahmen des Festivals „Euroclassic“ kamen allerdings nur rund 30 Besucher.

Mal ehrlich: Wir sind doch alle mehr oder weniger genervt von dem ewigen Abstand halten wegen Corona, oder nicht? Eben. Es wird Zeit, dass wieder Normalität einkehrt. Doch, es gibt jemand, der dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnt: Lucy van Uhl. Die Musikkabarettistin war am Samstagabend im Rahmen des Festival „Euroclassic“ in der Bliesgau-Festhalle zu Gast und trug dort als Erstes ihr Lied „Abstand hat auch was Gutes“ vor. So schützt der Abstand vor komischen Männern und nicht nur vor dem Virus mit „C“. „Ein Hoch auf die Distanz“, rief sie übermütig den wenigen Besuchern im städtischen Kulturtempel zu. Doch die Berlinerin mit Zweitwohnsitz Südfrankreich sehnt sich, wie wir alle, nach überfüllten Zügen oder nach dem Küssen von bislang fremden Männern. Abstand vom Abstand, so lautet ihre Forderung.

Dabei hat sie eigentlich ein völlig anderes Hauptproblem: die Unentschlossenheit bei Entscheidungen. Vor allem in Deutschland. Das fängt ja schon beim Klopapier an: fünflagig und nur zwei Schichten Papier? Keine einfache Frage. Obwohl: Im ersten Lockdown traf der Markt diese Wahl. Man musste froh sein, wenn man überhaupt Papier fürs Örtchen erhielt. Die Wahrheit liegt also bei der Entscheidung irgendwo dazwischen. Vermutlich ein Grund, weshalb das Programm der großgewachsenen Blondine „Dazwischen“ heißt. Lustig sind ihre Titel, obwohl sie meist ernste Hintergründe haben und sich zudem auch noch reimen. Etwa „Nirgendwo ist Hamm“, mit dem sie einen Zwangsaufenthalt mit der Deutschen Bahn in der NRW-Stadt beschreibt. „Weine nicht, wenn die Bahn nicht fährt – Hamm, Hamm!“. Wartefrust muss auch verarbeitet werden.

Doch dann wird die Gewinnerin des diesjährigen „Stuttgarter Besens“ (Publikumspreis) etwas nachdenklich oder fast schon etwas melancholisch. Seit ihrem Umzug innerhalb der Bundeshauptstadt sieht sie den Fernsehturm nicht mehr. Dieses Ding, das ein Haltepunkt, Trostspender und sichere Größe für sie war, ist – scheinbar – weg. Dann stimmte sie, deren Finger beinahe wie von selbst über die Klaviertasten huschen, das Klagelied einer vom Aussterben bedrohten Berufsgruppe an. Ein Relikt der Vergangenheit liegt im Altpapier: das Buch-Lesezeichen. „Rettet Lesezeichen durch Buchdruck und kauft Euch kein E-Book“, forderte sie im Brustton der Überzeugung. Sie hat ein Problem damit, wenn Kinder versuchen, mit ihren Fingern die Scheiben von öffentlichen Aquarien zu zoomen. Dumm nur, wenn Fische dann nicht größer werden. Da ist ihr das Handy, das Selbstgespräche führt und durch Vibration Suizid begeht, doch sympathischer. Doch es wird wiedergeboren. Und zwar als Sim-Karte in Chantals neuem Handy.

Aber eigentlich beschäftigt die Frau, die mit bürgerlichen Namen Corinna Fuhrmann heißt und von Konstantin Wecker entdeckt wurde, ganz andere Dinge. Etwa, wenn Liebe durch den Magen geht, wohin geht sie, wenn sie da durch ist? Dabei behauptet sie doch, dass ihr Bauch ihr Navigationssystem sei. Wieder eine Frage. Doch dieses Mal eine, die sich nicht mit zu viel Auswahl befasst. Wieso gibt es eigentlich keine App, die einem diese Entscheidungen abnimmt? Zwischenapplaus scheint ein Indiz dafür zu sein, dass der Bedarf existieren könnte. Da war die Zeit der Dia-Abende doch irgendwie einfacher. Erinnern sie sich noch an die? 1000 Norddsee-Fotos vom Kuraufenthalt. „Stinklangweilig, aber schön. Mit Tuk-Keksen und Fanta“, rief sie alte Zeiten in Erinnerung. Und heute? Da ist das Hotel so eng, dass der Koffer neben einem liegt und man von dessen Eigenleben träumt. „Bist Du bereit für ne Samsonite?“, singt die Frau da auf der Bühne, die sich irgendwo zwischen Kabarett und Chanson einstuft. „Sie halten die Kultur am Laufen“, meinte van Uhl am Ende und war froh, dass rund 30 Menschen erschienen waren. Die anderen trauten sich noch nicht so recht, wieder auf Konzerte zu gehen. Vielleicht liegt der wahre Grund auch „dazwischen“.