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Lieferservice mit Essen und Musik am Bahnhof Würzbach in Niederwürzbach

Bahnhof Würzbach : Dieser „Fahrplan“ verheißt doppelten Genuss

Gastronomen und Kulturschaffende haben es während der Corona-Pandemie nicht leicht. Aber mit Kreativität holen sich manche, auf legalem Weg, ein Stück Normalität zurück. So wie das Team vom „Bahnhof Würzbach“.

Die Irish Week ist im März das kulturelle Ereignis im Bahnhof Würzbach. Doch aus den allseits bekannten Gründen ist derzeit alles anders und somit auch solch ein Event mit vielen musikalisch interessierten, dicht stehenden Gästen nicht möglich. Verzichten wollten aber weder die Fans noch die Musiker und so entstand die Idee eines ganz besonderen Lieferservice. Wer mindestens zwei Hauptgerichte im Bahnhof beim Team von Steffi Wolter bestellte, bekam auf Wunsch noch ein Sahnehäubchen, bestehend aus ein oder zwei irischen Songs, obendrauf.

Das Angebot ging durch die Decke, die Besteller schmückten ihr Haus sogar in den irischen Farben und hin und wieder wurde zu den Songs sogar auf der Straße getanzt. Mit Mundschutz und dem nötigen Abstand, versteht sich. Drei Musiker, die sonst auch im Bahnhof spielen, standen für die eingehenden Bestellungen parat. Und auch jetzt sind sie noch an Bord, denn wegen der Begeisterung auf Seiten der Kunden und des Lieferservice wird es die „music to go“, für einen kleinen Obolus, auch weiterhin geben.

Musiker Gerhard Lang ist einer von ihnen und war auch am vergangenen Samstag wieder on tour. Was reizt ihn denn an der Idee, die ja alles andere als ein großes Live-Konzert ist? „Das ist eine Art Mini-Event im kleinen Rahmen. Da haben wir Musiker was davon und die Gastronomen auch. Die Irische Woche war beispielsweise ausgebucht und wurde extrem gut angenommen“, erinnert sich der Gitarrist. „Die ganzen Künstler sitzen ja seit einem Jahr rum und können gar nichts machen. Aber wir brauchen den Kontakt zum Publikum. Das hier ist wie ein Stück normales Leben, so wie das die ganzen Jahre war.“ Fürs große Geld ist das nichts, denn pro Bestellung brauche es mindestens eine halbe Stunde. Vorausgesetzt, die Lieferung geht an eine Niederwürzbacher Haustür. Nicht mitgerechnet sind da die Gespräche mit den Kunden. Aber genau die sind es, die es so wertvoll machen. „Viele Leute fanden diese spezielle Irish Week in Coronazeiten gut. Wir haben da Bedarf gesehen“, so Lang.

Und Steffi, die „Chefin“ aus dem Würzbacher Bahnhof, schiebt hinterher: „Die Leute waren sowas von aus dem Häuschen, obwohl alles nur zehn bis 15 Minuten gedauert hat. Und sie haben teilweise entsprechend dekoriert. Man ist mit dem Angebot direkt angenommen worden.“ Und so wurde aus der ursprünglich als „Eintagsfliege“ geplanten kleinen Veranstaltung ein ständiger Programmpunkt bei der Essensauslieferung, wenn es denn gewünscht wird. Und das wird es.

„Jetzt spielen wir natürlich keine irischen Lieder, sondern es ist international“, erzählt Musiker Lang. Und man kann auch nicht auf Liedwünsche eingehen, dafür ist das Repertoire einfach zu groß, um spontan zu sein. Denn darauf kommt es an. „Wir machen das spontan auf Vorbestellung. Ich habe Musiker im Hintergrund und wer Musik im Lieferservice möchte, kann auch die vorbestellen“, erklärt Steffi Wolter das Procedere vom Kultur@home genannten Angebot.

Die Leute wollten das Kulturerlebnis, aber auch die Musiker und die Gastronomie unterstützen – den doppelten Genuss also. Wie bei Stefan Paul und Kerstin Jungmann-Weis, die am vergangenen Samstag von diesem Außer-Haus-Service profitierten. Neben dem Essen wurde „Riders on the storm“ von den Doors und „Lucky Man“ von Emerson, Lake und Palmer serviert. Songs, die an diesem Tag nach der Wettervorhersage und der erwünschten Stimmung ausgesucht waren. Die beiden Nutznießer waren begeistert: „Es ist gut, wenn jemand was macht. Wir haben das Angebot gern angenommen und es war sogar besser als gedacht. Gerhard hat mit seiner Liedauswahl positiv überrascht. Wir können das weiterempfehlen.“

Der Gastgeber des kleinen Terrassenkonzerts war noch aus einem anderen Grund hoch erfreut, denn ohne es abgesprochen zu haben, hatte Musikerkollege Lang einen Titel einer von Pauls Lieblingsbands im Gepäck. „Wir hören sehr gern Live-Musik, was jetzt aber leider so nicht möglich ist. Es sei denn, man macht sie sich selbst“, ergänzt Kerstin Jungmann-Weis lachend, bevor sie mit ihrem Partner ins Haus geht und den zweiten Gang, vegane Steaklis, genießt.