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Leserbrief zur Windkraft in Blieskastel

Leserbrief zur Windkraft in Blieskastel : Völlig verantwortungslos

Windkraft in Blieskastel

In dem viel beachteten Buch „Der Bliesgau“ von Andreas Stinsky (2020) schreibt der Autor Folgendes über den Bliesgau: „Hier hat sich eine einzigartige historische Kulturlandschaft erhalten, wiesie in Mitteleuropa an nur noch wenigen Orten anzutreffen ist“... „Seine sanft, hügelige, offene Kulturlandschaft mit ihrem einzigartigen Licht im Spätsommer und milden Klima wird bisweilen auch “Toskana des Saarlandes“ genannt“. „Die landschaftliche Vielfalt mit ihren besonders wertvollen Biotopen begünstigte das Aufkommen eines reichen Artenspektrums der Tier- und Pflanzenwelt“. Zu ergänzen wäre, dass der unberührteste und damit vielleicht auch schönste Teil dieser parkähnlichen Landschaft etwa im Dreieck zwischen Blieskastel, Brenschelbach und Reinheim liegt. Hier ist auch der als Kernzone klassifizierte „Böckweiler Wald“ mit Dolinen, Mardellen und Hügelgräbern, uralten und beeindruckenden Eichen und Buchen. Der sich gerade wieder im Aufbau befindliche Alexanderturm aus dem 19. Jahrhundert bot mit ehemals ca. 26 Metern Höhe einen „grandiosen Rundumblick“. Neben einer modernen Windenergieanlage (WEA) mit einer Gesamthöhe von über 240 Metern wäre das gerade mal Fußknöchelhöhe. Historisch bedeutende Routen wie die keltischrömische Duser Salzstraße und der Jakobsweg und viele Wanderwege verlaufen durch den südlichen Bliesgau.

Dass ausgerechnet die Blieskasteler Grünen mit der SPD in Erwägung ziehen, in diesem selten gewordenen, friedvollen Refugium WEA zu errichten, halten wir für völlig verantwortungslos. Geradezu absurd, dass Wald- und Naturschutzgebiete für dieses fragwürdige Projekt geeignet sein sollen. Wenn überhaupt, gehören Windenergieanlagen, die nur Ergänzung zu anderen Erneuerbaren sein können, ins Umfeld von vorbelasteten Bereichen z.B. in Industrie- und Gewerbegebiete, in die Nähe vonAutobahnen oder stark befahrener Straßen, dorthin, wo Fläche bereits versiegelt ist usw., aber ganz sicher nicht in den südlichen Bliesgau!

Die viel zitierten nachfolgenden Generationen haben ein Recht darauf, eine Landschaft erleben zu dürfen, die nicht industrialisiert ist. Denn gerade unverbaute Landschaft gewinnt zunehmend an Wert. Es fällt schwer zu glauben, dass wir Bürger hier noch ein Mitspracherecht haben. So zu tun, als hätten wir auf diese weitreichenden Entscheidungen noch einen nennenswerten Einfluss,ist eine Farce.