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Leserbrief zur Windkraft in Blieskastel

Leserbrief zur Windkraft in Blieskastel : Emotionalisiert statt informiert

Windkraft in Blieskastel

Nach ihrer Berichterstattung zur kommunalpolitischen Diskussion um die Windenergie in Blieskastel sehe ich mich gezwungen zu reagieren und ihnen diesen Brief zu schreiben. Seit vielen Jahren lese ich jeden Morgen als erstes die Saarbrücker Zeitung, gerade weil ich an kommunalpolitischen Themen äußerst interessiert bin. Ohne Lokalredaktion, ohne kritische Öffentlichkeit wären in der Vergangenheit viele Entscheidungsprozesse zu Lasten der Bürger schlechter gelaufen. Seit ihrem unsäglichen Kommentar zu dem Thema, fällt es mir jedoch zunehmend schwer, Michèle Hartmann als professionelle Journalistin wahrzunehmen. Sachliche Kernfragen bleiben nach meiner Wahrnehmung unbearbeitet. Ist zum Beispiel der gültige Flächennutzungsplan rechtssicher oder wird, wie von der rotgrünen Ratsmehrheit behauptet, der Windenergie der gesetzlich vorgeschriebene substanzielle Raum vorenthalten? Sind deshalb juristische Klagen von Windanlagenbauern aussichtsreich? Oder: Wie werden im laufenden Verfahren die Interessen von Mensch und Natur berücksichtigt?

Stattdessen nehme ich eine bewusste Emotionalisierung der Debatte wahr, die nach meiner Meinung niemandem nützt. Ich erinnere mich noch zu gut an die aufgeladene Debatte bei der Diskussion um die Aufstellung des derzeit gültigen Flächennutzungsplans. Wie andere, die damals im Stadtrat Verantwortung trugen, wurde ich, wegen meines Eintretens für erneuerbare Energie, in der Stadt angepöbelt, beleidigt und unsere Geschäftsfassade beschmiert. Umso froher war ich damals über eine nüchterne Berichterstattung der SZ, die informiert statt emotionalisiert hat. Darauf kann man sich nach meiner Einschätzung derzeit nicht verlassen. Ehrlich gesagt habe ich seit dem Erscheinen der in Rede stehenden Artikel die Zeitung morgens ungelesen liegen gelassen.