Kolumne : Von bösen und artigen Kindern

Eines der erfolgreichsten deutschen Kinderbücher ist der „Struwwelpeter” von Heinrich Hoffmann, das 1845 erschienen ist. Es ist ein Bilderbuch mit Geschichten von „bösen” Kindern, den schreckliche Dinge passieren.

Zum Beispiel der „fliegende Robert“: Trotz Regen und Sturm bleibt er nicht „hübsch daheim“. Er geht nach draußen und will spielen. Der Wind ist so stark, dass Robert mit dem Regenschirm wegfliegt und nicht mehr gesehen ward. Ach wäre doch auch Blieskastels SPD-Stadtratsmitglied Ellen Kugel „hübsch daheim“ geblieben, hätte sich nicht ins Rathaus begeben, um sich als Bürgermeisterkandidatin registrieren zu lassen. Nur, um dann die Kandidatur innerhalb von nicht einmal zehn Tagen wieder zurückzuziehen. Denn die Genossen, allen voran der mit 100 Prozent der Delegierten gewählte SPD-Kandidat Bernd Hertzler, waren von Kugels Plan alles andere als angetan. Das habe wohl den Hintergrund, dass Kugel für die Wahl zum Stadtrat nicht den von ihr erhofften Platz bekommen habe. Hertzler sprach gar von einem „Tiefschlag aus den eigenen Reihen“. Da lief nichts mehr rund, und Kugel hat entsprechend klug gehandelt, ihre Kandidatur zurückgezogen. In „konstruktiven Gesprächen“ mit SPD-Vertretern sei ihr deutlich geworden, wie groß die Zerreißprobe für viele, mit denen sie seit Jahrzehnten einen gemeinsamen Weg gehe, in der Aufrechterhaltung ihrer Kandidatur geworden wäre. Dass zwei Kandidaten aus der gleichen Partei sich gegenseitig die Stimmen streitig machen, macht in der Tat wenig Sinn, obwohl Kugel als Awo-Vorsitzende in Blieskastel Unterstützung bekommen hätte. Doch ehe es ihr wie dem „fliegenden Robert“ ergeht, hat sie sich der Parteidisziplin unterworfen.