Keltisches Neujahrsfest in römischer Villa

Keltisches Neujahrsfest in römischer Villa

Reinheim/Bliesbruck. Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim wird am Sonntag, 31. Oktober, der Beginn der dunklen Jahreszeit gefeiert

Zum Beginn der dunklen Jahreszeit feierten unsere keltischen Vorfahren das Neujahrsfest "Samhain" mit speziellen Riten. Dazu wurde reichhaltige Nahrung gereicht. Fotos: SZ/Kulturpark.

Reinheim/Bliesbruck. Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim wird am Sonntag, 31. Oktober, der Beginn der dunklen Jahreszeit gefeiert. Eingestimmt wird das keltische Neujahrsfest Samhain mit einer Lesung von Michael Kuhn ab 15 Uhr im Nebengebäude der römischen Villa von Reinheim aus dem gerade erschienenen dritten Band "Marcus III - Maximus Alamannicus" seiner Trilogie über das Leben in unserer Gegend im vierten Jahrhundert nach Christus. Die Erlebnisse des römischen Offiziers Marcus Junius Maximus nehmen den Leser auf einer Zeitreise mit in die Gegenden zwischen Köln, Mainz, Trier und Straßburg. Dabei spielen auch die saarländischen Stationen wie Borg, Schwarzenacker und natürlich Reinheim eine wichtige Rolle. In jedem Band informiert eine angeschlossene "Spurensuche" als Kulturreiseführer anhand von Fotos, Karten, Zeichnungen und Texten über die Handlungsorte des Romans.Tor zur "Anderswelt"Das keltische Neujahrfest Samhain wurde vor einigen Jahren im Europäischen Kulturpark wiederbelebt, um die Wurzeln unserer Novemberbräuche wie Allerseelen, Allerheiligen in den Bräuchen unserer keltischen Vorfahren zu verorten und nicht im fernen Amerika. In der Nacht zum 1. November öffnete sich für unsere Vorfahren das Tor zur "Anderswelt" und ermöglichte ein Zusammentreffen der Lebenden und der Toten. In geselliger Runde wurde getafelt, getrunken und ausgiebig gefeiert, wobei auch den Toten Essen und Getränke gebracht wurden. Kein Ort ist besser geeignet, diese Tradition ins Bewusstsein zurückzuholen als der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, wo vor 2400 Jahren die "keltische Fürstin" von Reinheim in einem der reichsten Frauengräber in ganz Mitteleuropa bestattet wurde. Ab 16 Uhr wird im Keltendorf "Taradunum" gefeiert. Kreativität ist bei den kleinen Besuchern beim "Rummelbooze" aushöhlen und beim Verzieren mit Furcht erregenden Gesichtern gefragt. Ein alter regionaler Brauch, der durch die amerikanisierten Halloween-Kürbissen fast in Vergessenheit geraten ist. An einer großen Feuerstelle können die Besucher Stockbrote backen oder sich vor der Kälte schützen. Kinder wie auch Erwachsene lassen sich immer wieder vom Spiel des Feuers, seiner Wärme und Kraft fasziniert. Im anheimelnden Ambiente des Keltenhauses bei flackerndem Licht aus den Öllaternen können die Besucher einer Märchenerzählerin lauschen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Es wird nachvollziehbar, wie es zu den zahlreichen Geistern und Fabelwesen in der keltischen Mythologie kommen konnte. In der Abenddämmerung gegen 19 Uhr geht es in einem Fackelzug vom Keltendorf "Taradunum" zum Grab der Fürstin von Reinheim. In der mit Schwedenfeuer mystisch in Szene gesetzten Kulisse rund um das Fürstinnengrab werden in einer festlichen Zeremonie die Ahnen gewürdigt und der Gabentisch gedeckt. Die Vorliebe für gutes, reichhaltiges Essen im Winter hat wahrhaftig die Jahrhunderte überlebt und ist auch heute vorhanden. Deshalb ist für das leibliche Wohl der Besucher mit Wildgulasch mit Kastanien und Karotten im Brotteig sowie Linsensuppe mit Brot aus dem Lehmbackofen gesorgt. Zum Schutz gegen die Kälte werden heiße Getränke angeboten. Dieser 31. Oktober ist auch die letzte Gelegenheit, sich auf eine imaginäre Reise durch das Römische Reich in der diesjährigen Sonderausstellung "Reisen im Imperium Romanum" zu begeben. Dass Wohlhabende gerne auf Reisen gehen, ist kein rein neuzeitliches Phänomen, denn schon in der Antike waren die Menschen durchaus mobil. Vielfältige Funde zeugen davon, dass trotz weiter Entfernungen und aller Widrigkeiten, im Römischen Reich ein weitreichendes Netz aus Handelsverbindungen bestand. Doch wie sah der Import von Gebrauchsgütern in den Provinzen im Einzelnen aus und wie muss man sich die Stationen auf einer Reise von Nordgallien nach Rom vorstellen? Auf diese Fragen gibt die derzeitige Ausstellung in Bliesbruck-Reinheim Antwort. redFür Kinder bis 16 Jahre ist die Veranstaltung frei. Erwachsene zahlen den ermäßigten Eintritt von 3,50 Euro. Im Eintrittspreis enthalten ist eine Fackel für Groß und Klein sowie eine Besucherführung um 15 Uhr.