Kein Wetter für den Steinkauz

Weil es wenig Mäuse gibt, hat das putzige Wappentier des Bliesgaus, der Steinkauz, wenig Nahrung. Und das bedeutet wenig Nachwuchs. In Wolfersheim hat's geklappt: Dort konnten vier Jungtiere beringt werden.

Niederschläge schier ohne Ende und damit einhergehend maximales Pflanzenwachstum: Denkbar schlechte Bedingungen gab es in diesem Frühjahr für das Wappentier des Bliesgaus, den Steinkauz. Da es deswegen auch seiner Hauptnahrung, Mäusen nämlich, schlecht erging, hat die putzige kleine Eule aktuell nur wenig Nachwuchs. Diese Bilanz zog Peter Mende im Rahmen der naturkundlichen Exkursion, zu welcher der Altstadter Naturschutzbund in Zusammenarbeit mit der saarpfälzischen Volkshochschule eingeladen hatte. Der Ornithologe aus Wattweiler betreut zusammen mit Klaus Walter in der Region annähernd 200 künstliche Nisthilfen für die kugelförmige Eule mit den großen Augen.

Schauplatz der Tour war der Blieskasteler Stadtteil Wolfersheim , wo sich an einer Feldscheune ein Kauzpärchen erfolgreich fortgepflanzt hat. "Aber es ist nicht zu übersehen, wie schwierig es in dieser Brutsaison ist", skizzierte Mende. Wiesen, auf denen das Gras kinnhoch wächst und aufgrund der Nässe des Bodens auch nicht gemäht werden kann, seien für den Steinkauz wie ein undurchdringlicher Dschungel. Dass der Besitzer der Feldscheune deren Umfeld frei halte und zudem Hausgärten in Ortsrandlage angrenzen, seien für den Steinkauz an dieser Stelle "die Rettung gewesen". Die Beringung der vier noch ein wenig flaumigen Sprösslinge gehörte mit zum Exkursionsprogramm. "Der Ring am linken Beinchen ist sozusagen der Personalausweis für den Steinkauz". Die Vogelwarte Radolfzell am Bodensee sammle die Daten, über die beispielsweise auch die entsprechenden Standortveränderungen dokumentiert werden können.

"Diese Gegend ist wie die Umgebung beispielsweise von Medelsheim, Böckweiler oder auch Pinningen ein nahezu idealer Lebensraum für den Steinkauz", skizzierte Mende. Speziell uralte Obstbäume sind seinen Ausführungen zufolge für die seltene Spezies unentbehrlich, und wenn diese sich dann noch in traditionellen Streuobstwiesen befinden, bieten sich bei "normalem Wetter" für den Vogel nahezu paradiesische Verhältnisse. Genau darin bestehe aber auch ein Problem, das sich in baldiger Zukunft auftun werde. Die Obstbäume, die vom Steinkauz aktuell bewohnt werden, seien größtenteils schon sehr alt und "abgängig", neue Bäume würden heutzutage freilich kaum mehr gepflanzt.

Jana Schmoltzi, die neue stellvertretender Vorsitzende des Bexbacher Naturschutzbundes, half erstmals bei der Steinkauz-Beringung im Bliesgau.

"Wenn es für das Biosphärenreservat Bliesgau ein Symbol gäbe, dann wäre das mit Sicherheit der Steinkauz. Denn kein anderes Tier symbolisiert die Landschaft und ihre traditionelle Nutzung besser als diese Vogelart. Außerdem ist der Steinkauz hier noch flächendeckend heimisch, während er in den benachbarten saarländischen Regionen eher selten ist oder gar nicht mehr vorkommt": Dass der südliche Saarpfalz-Kreis, vom Muschelkalk geprägt, also ein regelrechtes Eldorado für die kleine Eule darstellt, unterstrich Peter Mende ausdrücklich. In Biesingen befindet sich das nördlichste Vorkommen, im anschließenden Buntsandstein gibt es keine Steinkäuze mehr. Sehr kritisch setzte sich der Experte deswegen mit den Versuchen der Auswilderung durch einen Privatmann in Altstadt auseinander.