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Karnevalsvereine und Corona: Die Pulverblättcher Blickweiler

Pulverblättcher Blickweiler : Zur Not gibt es die „Faschings-Tüte to go“

Auch die Blickweiler „Pulverblättcher“ überlegen derzeit, wie sie wenigstens ein wenig Fastnacht in ihrem Dorf retten können.

Auch beim Blickweiler Fastnachtsclub „Die Pulverblättcher“ fällt das sonst übliche Programm in der aktuellen Session wegen Corona aus. Das betrifft die zwei Fastnachtshows, die Senioren- sowie die Kinderfastnacht in der Kulturhalle. „Und natürlich die ganzen Sitzungen und Veranstaltungen bei anderen Vereinen, an denen wir sonst teilgenommen haben. Nicht zu vergessen die Umzüge!“, bringt es Nadine Clemens im Gespräch mit unserer Zeitung auf den Punkt. Die erste Vorsitzende des Vereins weist noch auf einen Punkt hin: „Die Pulverblättcher“ würden normalerweise ihr elfjähriges Bestehen feiern. Darauf hat man sich schon in den letzten Jahren vorbereitet und Programmpunkte, darunter Büttenreden und Tanznummern, quasi für diesen Anlass „aufgehoben“. Daraus wird erst mal nichts. Der Vorstand des Vereins hat sich bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr intensiv beraten. „Ich will nicht die Verantwortung für das Risiko übernehmen“, war für Clemens schon im Sommer klar. Ihre Vorstandkollegen sahen das genauso. Man war sich schnell einig, dass Fastnacht, wie man sie sonst kennt, dieses Mal nicht drin sein wird. Daran hat sich auch beim zweiten Lockdown nichts geändert, weshalb man im Oktober entschied, alles abzusagen. „Wir haben viele Varianten durchdacht. Aber, das kann nicht funktionieren“, so die Bilanz von Nadine Clemens und ihren Kollegen nach etlichen Beratungen. Es wurde überlegt, ein Streaming (Live- Übertragung im Internet; Anm. d. Red.) oder Veranstaltungen im Freien durchzuführen. Doch der Club scheut die nicht unerheblichen Kosten. Auch Kooperationen mit anderen Karnevalsvereinen wären nur schwer umsetzbar. Die würden meist schon länger bestehen, wären traditioneller und das passten nicht zwangsläufig zum Geist der Pulverblättcher. „Das ist bei solch einem kleinen Verein mit etwas über 100 Mitgliedern nicht machbar“, stellt Clemens klar.

In Blickweiler hat jeder Fastnachter mehrere Aufgaben gleichzeitig. Wer etwa bei der Fastnachtsshow an der Theke bediene, trage zwei Stunden später seine Büttenrede vor, ist am Morgen danach beim Abbau dabei und fungiere womöglich als Beisitzer im Vorstand. All das sei nicht zu trennen, so die Blickweilerin. Und ein mehr an Manpower sei nicht in Sicht. Vielmehr gehe es darum, die Ehrenamtler und die Mitwirkenden gerade jetzt zu halten. Ob es zu negativen Auswirkungen kommt, wird sich erst nach Ende der Zwangspause herausstellen. „Vielleicht merkt ja auch jemand, ohne Fastnacht geht‘s nicht und bleibt dabei“, hofft die Karnevalistin.

Über Sommer fand wieder das Training der Garden statt. Die Einhaltung der Abstandsregeln führte nicht, wie befürchtet, zu einem geringeren Interesse. Um mehr als verdoppelt hat sich etwa die Anzahl der Tänzer bei der Minigarde, die nun 17 Kinder aufweist und deren Trainerin auch Nadine Clemens ist. Selbst Dreijährige würden sich an die Abstandsregeln halten, so die Leiterin. Wenn schon keine Saalfastnacht stattfinden kann, dann hat man womöglich eine Idee, die aber noch nicht ganz spruchreif ist. Ob sie umsetzbar ist, hängt auch davon ab, wie die Lage am Fastnachtswochenende, dem 13./14. Februar 2021, sein wird. Falls möglich, will man kurzfristig Präsenz im Dorf zeigen. Dazu laufen bereits - quasi auf Verdacht - die Vorbereitungen. Denkbar sei auch, eine Art kleiner Lumpenzug durch den Ort zu veranstalten, überlegt Nadine Clemens. Konkreter sind die Vorbereitungen für die „Faschings-Tüte to go“, die Dinge wie Berliner, Piccolo und Luftschlangen für die Party zu Hause beinhaltet, und die an die Haushalte verteilt werden könnte. Wenn all das nicht machbar sein sollte, ist die Herausgabe einer CD zum elfjährigen Jubiläum die Alternative. „Wir versuchen, ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern“, hofft Clemens, was man ihr direkt abnimmt.