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Judasbuche in Bebelsheim: Ein stolzes Gewächs mit Historie

Die Heimatfreunde Bebelsheim haben gründlich geforscht : Ein stolzes Gewächs mit Historie

Serie „Naturdenkmäler in unserer Region:die Judasbuche von Bebelsheim.

Die SZ-Serie über die Naturdenkmäler in der Region veranlasste Herbert Hartz, den Vorsitzenden der Heimatfreunde Bebelsheim, uns die Judasbuche kurz unterhalb des Jungholzhofes zu zeigen. Dieser alte Baum direkt am Straßenrand steht nicht unter Naturschutz, wurde aber von den Heimatfreunden trotzdem erforscht, weil er eine besondere Geschichte hat. „Die Legende dieses Baumes wurde schon vor mehr als 100 Jahren erzählt“, sagt Hartz und zeigt uns das knorrige Gewächs. „Noch im Jahr 1900 wurde am Karfreitagabend unter großem Zulauf der Jungen und Alten am Reinheimer Berg östlich des Dorfes der „Judas“ verbrannt. Das war eine Strohpuppe in Männerkleidern und mit einem Hut, den man an der alten Buche aufhängte und anzündete. Die Buche wurde seitdem Judasbuche genannt“, so Hartz. Alte Beschreibungen sagten zwar, dass die Buche vom Weg entfernt stehe, doch dazu müsse man wissen, dass der historische Weg auf den Reinheimer Berg nicht mit der heutigen Fahrstraße identisch sei. Diese sei erst später angelegt worden, wobei man knapp an der Buche vorbei die neue Straße asphaltiert habe. Heute reichten die Zweige über die Fahrbahn.

Allein die Überlieferungen seien es wert, dass man diese Buche als Naturdenkmal einstufe, was aber bislang nicht erfolgt sei, bemängelt Hartz. Die Unsitte der Judasverbrennungen sei Anfang des letzten Jahrhunderts eingestellt worden, weil man den Brauch zunehmend als „groben Unfug“ bewertet habe. „Im Bebelsheimer Pfarrgedenkbuch findet das Brauchtum der Judasbuche keine Erwähnung“, sagt Hartz, der auf Spurensuche gegangen ist. In Karl Lohmeyers Buch von den Sagen von Saar-Blies, Nahe und Hunsrück sei der Brauch erwähnt. Der Heimatverein habe den Baum dazu gesucht und sei sicher, den richtigen gefunden zu haben. Auch der Wegführung widmete der Verein Aufmerksamkeit, denn er soll schon vor 120 Jahren bestanden haben, um eine Verbindung zum Gersheimer Kalkwerk zu schaffen.