Ja da schau her! Bayern adelt unsere Barockstadt

In München gibt es eine „Blieskastelstraße“. Wir haben ihr ein wenig nachgespürt.

 Marion Römer, geborene Klingler, aus Blieskastel steht hier in der Blieskastelstraße in ihrer neuen Heimat München.

Marion Römer, geborene Klingler, aus Blieskastel steht hier in der Blieskastelstraße in ihrer neuen Heimat München.

Foto: Blieskastelstraße/Römer

Wer heutzutage etwas sucht, der googelt. Und beim Googeln – das Wort hat es schließlich sogar schon in den Duden geschafft – stößt man manchmal auf absonderliche, aber auch auf ganz interessante Dinge. Zufallsfunde sozusagen. So stellt man im Rahmen einer solchen Suche im weltweiten Netz plötzlich fest, dass es in München eine „Blieskastelstraße“ gibt. Huch, Blieskastelstraße in München? Man versucht es vorsichtshalber doch auch noch bei Googl Maps und tatsächlich, es gibt in München eine Blieskastelstraße. Sogar einen Spielplatz gibt es in der Nähe, der auch den Namen der Barockstadt trägt. Und ja, die Schreibweise ist genau so.

Wir Saarländer hätten die kleine Sackstraße wahrscheinlich „Blieskasteler Straße“ genannt, aber in Süddeutschland gibt es da vielleicht eine andere Diktion. Aber wie kommt die bayerische Hauptstadt zu diesem Straßennamen? Zwar ist Blieskastel zugegebenermaßen die Perle des Bliesgaus und auch ansonsten eine wichtige Stadt im Saarland, aber als Straßennamen in München?

Die Pressestelle der bayerischen Hauptstadt und das zuständige Kommunalreferat klären auf: „Die Benennung wurde bei Umsetzung des dort geltenden Bebauungsplanes im Jahre 2013 durchgeführt. Es ist üblich, sich bei der Auswahl neuer Straßennamen unter anderem auch an den Straßennamen in der Umgebung zu orientieren“, heißt es in der freundlichen Auskunft, die sehr schnell von der Pressestelle herausgegeben wurde. Also, wir haben zunächst mal schon erfahren, die Straße ist nicht ganz so jahrhundertealt wie die Barockstadt, eigentlich hat sie es nicht einmal auf eine Dekade geschafft. Aber immerhin. Und wir erfahren weiter, dass zwar in der Umgebung der Blieskastelstraße „kein homogenes Namenskonzept zu erkennen“ sei, doch seien östlich dieses Neubaugebietes weitere Straßen nach Städten im Saarland benannt.

Und wieder sind die Straßennamen für unsere Augen eher ungewohnt, schließlich würden wir wahrscheinlich St.-Wendeler Straße sagen, in München heißt das „St-Wendel-Straße. Und weiter geht es mit saarländischen Städten, auch eine Saarbrücker Straße gibt es und eine „Neunkirchner Straße“. Und dann kommt es: Auch die „Saargemünder Straße“ zählt laut Presseauskunft zu den Straßen mit Ursprung Saarland. Aber da man uns offensichtlich auch immer noch als Saarfranzosen einordnet, sind auch noch zwei weitere Städte-Straßennamen aufgeführt, nämlich „Colmarer Straße“ und die „Mühlhauser Straße“. Dazu heißt es dann weiter in der Auskunft des Presseamtes: „Im Rahmen einer thematischen Einheitlichkeit mit den bereits bestehenden Straßen haben wir vorgeschlagen, die zwei neuen Straßen (2013) „Blieskastelstraße“ und „Mettlacher Straße“ zu benennen“. Und als Erläuterung gibt es für den in geografisch-saarländischen Feinheiten unbedarften Bayern auch noch Nachhilfe in Sachen Blieskastel: „An der Blies gelegene Stadt im Saarland, Hauptstadt(!) des Bliesgaus. Gut erhaltene Barockresidenz, am Ortsrand steht der größte Menhir Mitteleuropas, der 4000 Jahre alte Gollenstein“ heißt es in der „amtlichen Namenserläuterung der Stadt München“.

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