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In Lautzkirchen wird die Arbeit der Biber nicht mehr geduldet

In Lautzkirchen siegt Mensch über Tier : Jetzt hat sich’s mit dem elenden Damm

In Lautzkirchen haben die Biber, die für Hochwasser sorgen, das Nachsehen. Dank menschlicher Vernunft.

Die Biberdämme bröckeln: Erste Entwarnung für die Anwohner „In der Au“ in Lautzkirchen. Daniel Dörr vom Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) hat in Zusammenarbeit mit Fachleuten des Blieskasteler Bauhofs einen kleineren Biberdamm entfernt. Damit ist die Hochwassergefahr in den Häusern und Gärten der Anwohner in der Au zunächst gebannt, die Pegel sind gesunken. Wir erinnern uns: Bereits im heißen, und von allen Experten als zu trocken charakterisierten September dieses Jahres stiegen in den Gärten in der Lautzkircher Au plötzlich die Wasserstände. Ein Teil der Gärten war nicht mehr erreichbar, Anlieger Heinz Burgdörfer zum Beispiel musste seine Bienenvölker evakuieren (wir berichteten) . Und dann wurde die Ursache gefunden: Im Unterlauf des Würzbaches, kurz vor der Mündung in die Blies, hatten Biber einen gewaltigen Damm gebaut. Die geschützten Tierchen hatten aber nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt: Fast zwei Meter türmte sich der Damm hoch, es war ein richtiges Wehr entstanden. Mit den oben beschriebenen Folgen für die Anwohner. Die sind es gewohnt, in der regenreichen Jahreszeit mit Hochwasser zu leben. Aber diese Situation wurde gefährlich: „Was passiert, wenn wir größere Regenereignisse haben? Dann steigt den Anwohnern das Wasser in die Keller“, hatte sich Ortsvorsteher Jürgen Trautmann in der Angelegenheit gesorgt.

Bürgermeister Bernd Hertzler hatte anlässlich der Einweihung des Lautzkircher Grundschul-Gartens Umweltminister Reinhold Jost auf die Problematik angesprochen. Zunächst, so war zu hören, war man im zuständigen LUA noch sehr zurückhaltend. Die Biber seien eine gefährdete und deshalb geschützte Tierart, man müsse ihr Treiben in Kauf nehmen. Überdies dürfe man die Dämme nicht zerstören, das sei ein unzulässiger Eingriff, der bestraft werden kann.

Aber als dann unsere Zeitung über die unerträgliche Situation für die Anwohner berichtete, wurde man schließlich hellhörig. Dann ging alles ganz schnell: Der „Biber-Beauftragte“ im LUA wies einen Kollegen an, Abhilfe zu schaffen. Und da die Experten wussten, dass dort, wo von den Bibern ein größerer Damm gebaut wird, noch weitere kleinere Dämme entstehen, wurde ein solcher kleiner Damm in Zusammenarbeit von LUA und Bauhof Blieskastel entfernt.

 Diese Furt war eigentlich für die Durchfahrt eines Bauern mit seinem Traktor gedacht. Durch den Biberdamm ist er jetzt unpassierbar. Auf unserem Bild (von links) die Anwohner Heinz Burgdörfer und Detlev Schüler.
Diese Furt war eigentlich für die Durchfahrt eines Bauern mit seinem Traktor gedacht. Durch den Biberdamm ist er jetzt unpassierbar. Auf unserem Bild (von links) die Anwohner Heinz Burgdörfer und Detlev Schüler. Foto: Erich Schwarz

Mit sofort spürbaren Folgen: „Nach der Dokumentation von Anwohner Heinz Burgdörfer war der Pegel bereits am nächsten Tag um fast 20 Zentimeter gefallen“, berichtete Ortsvorsteher Trautmann unserer Zeitung. Nach der Entfernung des kleineren Biberdammes, so berichtet Trautmann weiter, habe man das Material der Dämme weit vom „Bauort“ entfernt, um ein erneutes Aufschichten eines weiteren neuen Dammes zu verhindern. Inzwischen seien die Anwohner beruhigt. „Aber wir bleiben dran“, versicherte Trautmann. Sowohl der städtische Bauhof wie auch Anwohner Burgdörfer dokumentieren nun täglich die Pegelstände, um eine erneute Gefahr sofort zu erkennen. Auch der Ortsvorsteher lässt sich fortlaufend über die Pegelstände informieren. Die Anwohner seien „vorsichtig optimistisch“, so Trautmann, dass sich die Lage nun entspannt. Es wurde zugesichert, dass –wenn nötig – auch beim großen Wehr bei erneuter Staugefahr ein größerer Durchlass geschaffen werden könne. Die Anwohner und der Ortsvorsteher wiesen zudem erneut darauf hin, dass sich durch die Maßnahmen zum besseren Durchfluss im Oberlauf des Würzbachs in Oberwürzbach (wir berichteten ausführlich) auch im Unterlauf Probleme einstellen könnten. Zusammen mit den Biberdämmen sei damit eine Hochwassergefahr in der Au sehr wahrscheinlich.