Grande Desaster und noch schlimmer

Ablästern bis zum geht nicht mehr: Die Tollkirschen erzeugten mit rasantem Tempo auf der Bühne jede Menge Spannung. Die Bliesgau-Festhalle war jedenfalls bis auf den letzten Platz besetzt. Und die Kabarett-Damen ließen keine Gelegenheit aus, in Richtung der Männer zu zielen mit verbalen Spitzen.

"Wie geht's ma dann? Ich seh' schon: Grande Desaster" - der Satz wurde bei der Aufführung von "Haarscharf" regelrecht zum Running Gag. Immer wieder war der Ausspruch von Friseursalonbesitzerin Peggy (Tanja Regitz) bei der Heimspiel-Premiere der Kabarettgruppe "Die Tollkirschen" zu hören, wenn sie eine Kundin begrüßte. Das neue Programm der Frauen sorgte nur wenige Sekunden nach dem Start am Freitagabend in der ausverkauften Bliesgau-Festhalle für die ersten Schenkelklopfer. "Eine neue Frisur kann dein Leben verändern - frag Rapunzel", lautet der Untertitel.

Und da scheint durchaus was dran zu sein. Im Salon tobt die Bussi-Bussi-Gesellschaft. Prosecco hier - Prosecco da. Peggy duzt jeden. Auch neue Kunden. Die sind bei ihr auch "Schätzchen". Genau wie etwa Frau Feuersänger (Margit Schillo). Die Etepetede-Madame leidet nicht nur an Haarausfall, sondern widmet sich mit Inbrunst den Wechseljahren. Kostprobe: "Ist man im Klimakterium, ist es bis zum Krematorium nicht mehr weit". Peggy frohlockt da eher. Bietet dieser neue Lebensabschnitt doch auch Vorteile. Schließlich verblühen die Frauen und verduften die Männer . Und die machen einem doch doppelt Freude: Wenn sie kommen und wenn sie gehen. Deshalb singt Peggy auch, dass sie lieber Schokolade, denn einen unbrauchbaren Mann will.

Wird dann noch kräftig Lokalkolorit hinzugenommen, kreischt die Halle. Wie anfangs bei Neu-Mitarbeiterin Uschi (Heide Müller) als diese zu spät kommt, weil es zu Hause Probleme gibt. Ja, "Schantall" und "Schussdin" hätten sie nicht aus dem Bett gekriegt. Kein Wunder, nach 30 Jahren Arbeitslosigkeit. Doch auch die Edel-Gattin, Frau Klein-Klein (Christel Görgen), hat es mit dem Alltagsstress ihres hoch begabten Kindes nicht leicht. Zusammen mit Lesbe Stephanie Albrecht, Walburga Klein und Marliese Wolter lassen die Frauen auf der Bühne die Kuh fliegen, indem sie ablästern bis zum geht nicht mehr. Doch das Ganze treibt auch skurrile Ideen: Etwa als man auf "Sarg-Sharing" kommt, um Doppelbelegungen im Bestattungsgewerbe einzuführen. Oder, wenn über die Ehe philosophiert wird. "Nach der Hochzeitsnacht, das war mein schönster Tag. Schöner wird's nicht" (Peggy). Stellenweise brutal ernst, andererseits wieder Ironie pur.

Eines wurde direkt klar: Diese Frauentruppe hat großen Spaß und legt dabei ein Tempo vor, das gleichzeitig Spannung erzeugt. Ein buntes Sammelsurium einzelner Szenen stellte den zweiten Programmteil dar. Höhepunkt: Die mehr als waghalsige Tanzeinlage von Margarete Schillo und Stephanie Albrecht mit dem Rollator im Altersheim, die schon beinahe an eine Stunt-Show grenzte.