Franz Biet Goethe-Experte Franz Biet stellt neues Buch vor

Bierbach an der Blies · „Bei uns steht alles voller Goethe“, sagt Franz Biet schmunzelnd zu Beginn des Interviews. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) hat bereits den jungen Biet inspiriert. Vor allem den Faust I könne er auswendig, so der pensionierte Lehrer.

 Franz Biet mit seinem neuen Goethe-Buch.

Franz Biet mit seinem neuen Goethe-Buch.

Foto: Jörg Martin

Nach dem Abitur wollte er Schauspieler werden. Doch irgendwie wurde daraus nichts.

Im Ruhestand kam ihm die Idee, den großen Dichter und Denker neu vorzustellen, alle seine Seiten aufzuzeigen und dies auch entsprechend zu belegen. Fünf Jahre dauerte die Arbeit an seinem neuen Buch „Goethe – Aufklärer oder Esoteriker?“. Goethe sei auch Esoteriker gewesen, findet der 71-Jährige. Ein vernünftiger und moderner gar. Auch Carl Friedrich von Weizäcker war von Goethes Ansichten zur Physik sehr angetan, berichtet Franz Biet. Auch den Beleg für den Gegenwert des Papiergeldes etwa finde sich gar in Textstellen des Faust II.

Diese Nachweise will der Schreiber einfach erklären. „Goethe war vorausschauend, ohne es zu wissen“, freut sich Biet. Auch habe er beim intensiven Studium der Werke des Naturforschers Hinweise für den Geschwindigkeitswahn der Menschen entdeckt. Gleiches gilt für die Orientierungslosigkeit. Es käme nicht von ungefähr, dass Gegenbewegungen wie Slow-Food oder Citta Slow entstanden sind, versichert Biet. Insofern sei Johann Wolfgang von Goethe aktueller denn je.

Der Sohn der Stadt Frankfurt habe auch so manches vorhergesehen. Johann Wolfgang von Goethe warnte gar vor dem Industriezeitalter, weil er hier die Gefahr der Fremdbestimmung sah. „Es geht ihm um den Menschen!“, stellt Franz Biet nach fünf Jahren sehr intensiver Recherche, bei der er mit Fachleuten in Mannheim und Weimar sprach, fest. Ein „scharfer Wind“ könnte ihm möglicherweise drohen, so lautete die Warnung eines Bekannten, als er von Biets Recherchen erfuhr.

Goethe scheint nämlich für viele eine Glaubensfrage zu sein. Auch könne eine Infragestellung die Weltanschauungen leicht ins Wanken bringen. „Man muss unterscheiden zwischen Kritik und Analyse“, fasst der Blieskasteler zusammen. Der Dichter habe gar das Zusammentreffen von Kapitalismus und Sozialismus vorher gesehen und war ein Gegner von Newtons Farbenlehre.

Auch habe er Belege für einen Glauben an die Wiedergeburt gefunden. „Da steht nichts drin, was nicht belegt ist“, versichert Biet die Authenzität seines Werkes. Das Internet habe er nur im Notfall für die Nachweise genutzt. Die Recherche in Unibibliotheken von Leipzig und Saarbrücken waren ihm wichtiger.

Man müsse seine Fantasie zügeln und streng kausal vorgehen, denn es handelt sich nicht um einen Roman, versichert er gegenüber der Saarbrücker Zeitung. „Er soll die Berufung finden, die er verdient“, wünscht sich Biet. Auf Verlagssuche begab er sich erst später. Über einen früheren Vortrag, den er 1992 in Innsbruck hielt, hatte er Kontakt zu Helmut Reinhalter, der eine Reihe zur europäischen Freimaurerei herausgibt. Damit hat das Biet’sche Werk zwar nichts zu tun. Dafür wurde sein Manuskript ohne Änderungen übernommen.

„Ich habe Glück gehabt“, freut sich Franz Biet. Im September 2018 erschien das Buch mit 271 Seiten, welches im Studien-Verlag veröffentlicht wurde. In Weimar, Mannheim und Saarbrücken sind Lesungen aus dem Werk geplant. Die Kunst ist Franz Biets großes Steckenpferd. Wenn er nicht Klassik-Schallplatten sammelt, widmet sich der „Handlanger von Goethe“ der Malerei.

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