Gläubiges Leben in Wort und Bild

Biesingen. Die neugotische Saalkirche St. Anna zu besuchen, ist fast so, als betrete man ein Museum

Biesingen. Die neugotische Saalkirche St. Anna zu besuchen, ist fast so, als betrete man ein Museum. Das Auge findet kaum Ruhe an diesem original erhaltenen Ort aus dem Jahr 1905, denn es trifft auf künstlerisch wertvolle Gegenstände: von den bedeutenden Schnitzarbeiten des Kreuzweges über die aufwendig gestalteten Altäre, die Statuen und die hölzerne Empore bis hin zu beeindruckenden Kirchfenstern. Mit ihren vielen Farben und der dichten Gestaltung sperren sie die reale Außenwelt aus und lassen den Gläubigen eintauchen in eine bunte Welt des Glaubens, die es zu entschlüsseln gilt. In den vier Eckfenstern des Langhauses sind ganz passend die vier Eckpfeiler eines christlichen Lebens in Wort und Bild veranschaulicht. "Sei barmherzig" lautet die Inschrift im unteren Teil des ersten Fensters auf der linken Seite. Sie wird gehalten von einer Engelsfigur, flankiert von den Spendernamen und eingebettet in einen reich geschmückten architektonischen Rahmen, der im Hauptfeld des spitzbogigen Fensters das Rosenwunder zeigt. Im Fenster gegenüber ist die heilige Cäcilia mit der Lilie in einer ähnlich reich dekorierten Szene über der Inschrift "Lobe den Herrn" zu sehen. In diesem malerisch-erzählerischen Stil geht es weiter über die drei Fenster des Langhauses mit einer Szene des Melchisedek links, der ja bekanntlich der erste in der Bibel erwähnte Priester ist, der für sein Opfer Brot und Wein verwendet. Gegenüber ist der "Mannaregen" in der Wüste veranschaulicht. Es folgen, ebenfalls als Paar angeordnet, aber vor einem ornamental bunt gegliederten Hintergrund zwei Szenen zum Bußsakrament: links die Heilung der Tochter des Jairus und rechts das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Wie das zweite Fensterpaar, so dient auch das vierte der Verherrlichung des Altarsakramentes und ist wie diese gerahmt von einfachen, leicht getönten Fensterscheiben. Dass diese sechs Fenster einfacher gestaltet sind, liegt daran, dass sie aus der Werkstatt von "M. Angel" in Saarbrücken stammen und damit aus einer anderen als die restlichen, welche die Aufschrift der Bamberger Werkstatt "Gebr. Schmitt" tragen. Die vorderen Eckfenster mahnen in ihren Inschriften "Arbeite" (links) und "Bete" (rechts) in reich geschmückten Szenen an die Grundpfeiler eines gläubigen Lebens. Sie führen hin zu den drei Hauptgeheimnissen des Glaubens, die in den bunt strahlenden mehrteiligen Fenstern des Altarraumes verborgen sind. Von links beginnend mit der Anbetung der Weisen mit Stern und Engel über dem brennenden Dornenbusch und wie die beiden anderen Chorfenster im reich verzierten architektonischen Rahmen. Wie diese führt die malerische Auferstehungsszene gegenüber hin zum Dreifaltigkeitsbild hinter dem Hochaltar als krönenden Abschluss: Eine Kreuzigungsszene, umrahmt von den Symbolen der vier Evangelisten, mit Gottvater und dem Heiligen Geist erinnert in der Art der Darstellung an Albrecht Dürers Tafelwerk für den Landauer Altar. Der Hinweis auf den Ort wird hier gegeben in einer weiter unten positionierten Darstellung der heiligen Anna und Marta, welche dem heiligen Pirmin diese Annenkirche überreicht.