Geben, nehmen, lesen

Hat Blieskastel seinen etablierten Bücherschrank am Haus des Bürgers, so haben die Webenheimer nun ihren – in einer alten Telefonzelle aus Frankfurt.

Einen ungewöhnlichen Anblick bietet sich seit Kurzem am so genannten "Roten Platz" in Webenheim mit der originellen Idee eines öffentlichen Bücherschranks. Telefonzellen sucht man heute meistens vergeblich, und nicht nur, wenn der Akku am Handy mal wieder leer ist. In Webenheim gehört eine ausgemusterte Telefonzelle nun wieder zum Straßenbild in der Dorfmitte. "Es handelt sich dabei um einen öffentlichen Bücherschrank. Die Idee zur Unterstützung des Austauschs von Literatur wurde bereits 2016 geboren und gemeinsam vom Ortsrat beschlossen", erzählte unserer Zeitung Ortsvorsteher Mathias Krey (SPD). Die ausgediente, in Frankfurt erstandene Telefonzelle, ist zum begehbaren wetterfesten Bücherregal umgebaut worden und soll künftig allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern als Ort der Begegnung und des Austauschs zur Verfügung stehen, so Krey. Die auch als Tauschbibliothek oder Tauschbücherei bezeichnete wetterfeste Einrichtung sei schlichtweg genial und funktioniere ganz einfach: Interessierte Buchfreunde, die ein Exemplar entnehmen möchten, deponieren dafür einfach ein anderes Buch. So könne jeder Bürger, kostenlos, anonym, unabhängig von Öffnungszeiten und ohne jegliche Formalitäten, quasi rund um die Uhr Bücher tauschen oder zur Mitnahme anbieten. Ob man die gefundenen Schätze dann behält oder wiederum gegen "neue" Werke austausche, bleibt jedem überlassen.

"Selbstverständlich werden gerne auch Bücherspenden angenommen. Wer Zuhause seinen Bestand reduzieren und einige Exemplare loswerden möchte, darf sicher sein, dass sie über die Straßenbibliothek neue dankbare Leser und Besitzer finden. Das Austauschprinzip ist auch für sozial schwächer gestellte Leseratten eine ideale Möglichkeit, um nahezu kostenfrei an Buchmaterial zu gelangen - mit nur einem Startexemplar lässt sich immer wieder für den gewünschten Nachschub an Lesestoff sorgen", stellt Mathias Krey heraus.

Geben und Nehmen - so laute das Prinzip des öffentlichen Bücherschrankes in Webenheim. "Es ist natürlich nicht damit getan, die Bücher-Telefonzelle aufzustellen. Sie muss auch betreut werden", erläutert der Ortsvorsteher. Er freut sich, dass die Patenschaft für die Bücherzelle Ortsratskollegin Steffi Richter-Schneider übernommen hat, die Regeln für den öffentlichen Bücherschrank sind auf der Rückseite der Telefonzelle angebracht.

"Ein Dank für ihre Unterstützung bei dem Projekt geht an die örtlichen Handwerker Holger Sonn, Sven Steinmann und Tobias Moschel", nennt Mathias Krey wichtige Helfer.

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Dieser öffentliche Bücherschrank für Leseratten wurde bereits im vergangenen Jahr vor dem Haus des Bürgers am Luitpoldplatz in Blieskastel aufgestellt. Foto: Joachim Schickert Foto: Joachim Schickert

Gut angenommen wird der öffentliche Bücherschrank, der im vergangenen Jahr vor dem Haus des Bürgers am Luitpoldplatz in Blieskastel aufgestellt wurde. Die Idee zur Unterstützung des Austauschs von Literatur hat ihren Ursprung bereits in den 1990er Jahren. Seitdem sind in vielen Städten und an zahlreichen Standpunkten Bücherschränke zur Verfügung gestellt worden, teilweise in interessanten Variationen. In Hamburg hat man sogar welche in Linienbussen etabliert. Einige Stadtbüchereien gehen auch teilweise dazu über, nicht mehr benötigte Exemplare in den Tauschbibliotheken zur Verfügung zu stellen. Vielleicht werden irgendwann auch CDs und sonstige Informationsquellen angeboten.