Feier zur Befreiung Blieskastels

Vor 70 Jahren sind die alliierten Truppen in Blieskastel einmarschiert. Das Ende der Nazidiktatur in der Barockstadt war gekommen. Nun werden Vorschläge gesammelt, um an die Befreiung zu erinnern.

Der Blieskasteler Stadtrat hat die Verwaltung in seiner jüngsten Sitzung auf Antrag der Koalition aus CDU und Grünen einmütig beauftragt, "eine angemessene Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung Blieskastels von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 18. März 2015" zu organisieren. Grünen-Sprecher Lukas Paltz hatte den Antrag "Gedenkfeier Kriegsende " damit begründet, dass sich am 18. März zum 70. Mal "die Befreiung Blieskastels durch die alliierten Truppen" jähre. Dieses Datum markiere das Ende der Nazidiktatur sowie des Zweiten Weltkrieges und lege somit den Grundstein für eine friedliche und demokratische Entwicklung der Stadt, des Landes und Europas.

Während in vielen Gemeinden im benachbarten Lothringen mit einem Straßennamen oder ähnlichem an die Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert werde, fehle in Blieskastel bisher ein solches gemeinsames Gedenken. "Stattdessen erinnern wir in Webenheim noch mit der ,Straße des 13. Januar' an den Tag, an dem die Saarländer mehrheitlich für den Anschluss an Hitlerdeutschland stimmten. Dieser Tag und diese Abstimmung haben großes Unglück über die Menschen Blieskastels gebracht. Viele Bürger mussten als Soldaten und Zivilisten in einem unsinnigen Angriffskrieg sterben", so der Grünen-Sprecher. Über 20 jüdische Mitbürger und mehrere Andersdenkende seien grausam ermordet worden. 70 Jahre nach Kriegsende sollte auch die Barockstadt, wie die französischen Nachbarn, den Tag des Einmarsches der amerikanischen Truppen als Befreiung von der Nazibarbarei und als den Beginn einer besseren Zeit würdigen. Denn die heutige Form des demokratischen Miteinanders als Grundlage des Wohlstandes im vereinten Europa habe ungemein viel mit der Überwindung des Nationalsozialismus und den Lehren aus den schlimmen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges zu tun. Vorschläge, wie man diese Gedenkfeier gestalten könnte, seien herzlich willkommen. Für diese Veranstaltung könnten Zeitzeugen befragt und Materialien aus den Archiven ausgestellt werden. Ebenso wünschenswert sei auch beispielsweise, einen Vertreter der USA einzuladen oder eine Stadtführung als Zeitreise zu den Orten des damaligen Geschehens durchzuführen, so Paltz.

Der aktive Umgang mit der Geschichte sei besonders für die jüngeren Generationen wichtig, "damit diese Ereignisse nicht aus den Gedächtnissen verschwinden". Gleichzeitig biete sich die Möglichkeit, die Errungenschaften der Demokratie angemessen zu würdigen. Die anderen Parteien im Stadtrat begrüßten den Antrag der Koalition einmütig. Insbesondere solle in Blieskastel auch Flagge gegen den heutigen Rechtsextremismus gezeigt werden.

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Auf einen BlickDie Stadtverwaltung sucht Zeitzeugen, die sich noch an den Einmarsch der amerikanischen Truppen am 18. März 1945 in Blieskastel erinnern. Wer noch selbst Erinnerungen hierzu hat oder noch weiß, was die Eltern, Großeltern oder Bekannte erzählt haben, setze sich bitte mit Stadtarchivar Kurt Legrum, Tel. (0 68 42) 9 26 13 21, in Verbindung. Falls es noch Fotos von den damaligen Ereignissen gibt, ist Legrum für eine kurzfristige Ausleihe sehr dankbar. Auf Wunsch wird natürlich auch Anonymität zugesichert. ert