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Ernte in Blieskastel: Unterwegs mit einem landwirtschaftlichen Dienstleister

Ernte im Bliesgau : Mit 400 PS über die Felder im Bliesgau

Pascal Braun hilft mit seinen großen Maschinen für einige Wochen im Jahr den Landwirten beim Erntegeschäft. Wir haben ihn dabei begleitet.

Zufrieden brummen vierhundert PS unter der Haube und verheißen alles Drehmoment dieser Welt. Angenehm fächelt die Klimaautomatik frische Luft, aus der guten Sound-Anlage tönt ruhige Musik. Halt. Alles anders als es sich anhört. Wir sitzen auf einem riesigen Traktor. Dahinter eine Quaderballenpresse. Im Bliesgau noch ein Exot bei der Ernte. Pascal Braun hat sie dennoch angeschafft, denn sie passt in sein Unternehmenskonzept.

In allen ländlichen Regionen gibt es einerseits die Landwirte, denen die Flächen gehören und andererseits die Lohnunternehmer, die mit modernen Maschinen einen Teil der Arbeit übernehmen. Das macht Sinn, denn es lohnt sich für die wenigsten Bauern, einen kompletten Maschinenpark vorzuhalten für Arbeiten, die nur wenige Tage im Jahr anfallen. Im Bliesgau ist Pascal Braun mit seinem Betrieb im Erntegeschäft von vielen Landwirten gefordert. Doch auch für ihn ist es ein Drahtseilakt, Maschinen und Geräte im Wert von einigen schönen Wohnhäusern für wenige Wochen im Jahr vorzuhalten. „Die Quaderballenpresse läuft vielleicht vier, sechs Wochen im Jahr. 130 000 Euro hat sie gekostet, der Schlepper, der sie zieht, eine Viertel Million.“ Da muss es in der Erntezeit brummen, um diese Kosten wieder reinzuholen, sagt der vierzigjährige Unternehmer. „Quaderballen sind hier noch nicht so gebräuchlich wie in anderen Teilen Deutschlands. Sie haben den Vorteil, dass sie viel weniger Platz brauchen als Rundballen, besser zu transportieren und zu lagern sind. Der Nachteil: werden sie nass, sind sie schnell in Gänze unbrauchbar, wogegen Rundballen immer nur Schicht für Schicht verderben.“

Auf dem Acker hoch über Blieskastel versammelt sich ein größerer landwirtschaftlicher Maschinenpark. Der Acker gehört einem Blieskasteler Landwirt. „Aber für den arbeite ich heute nicht“, schränkt Pascal Braun ein, obwohl er auf dessen Grund und Boden unterwegs ist. Der Blieskasteler Landwirt hat das auf dem Acker liegende Stroh an einen anderen Bauern verkauft, in dessen Auftrag Blum gerade presst. „Wir haben auch in diesem Jahr wieder eine katastrophale Situation bei Heu, Silage und Stroh. Da ist es gut, wenn Bauern, die ein wenig mehr davon haben, es denen verkaufen, die es dringend brauchen.“ Die Trockenheit macht allen Landwirten zu schaffen. Um Futter für das Vieh zu bekommen, muss, so prognostiziert Blum, bis in den November alles gemäht werden, was an Ertrag nachwächst. Spärlich wird das, aber dringend gebraucht.

Hightech pur im Ackerschlepper. Pascal Braun im Führerstand der 400-PS-Maschine. Foto: Peter Gaschott

Das Stroh auf dem riesigen Acker hoch über Blieskastel ist nach gut zwei Stunden in rechteckige Ballen gepresst, die von zwei Schleppern auf großen Hängern in den südlichen Bliesgau gezogen werden. Danach hat Braun Feierabend für diesen Tag. Es geht zurück in die Maschinenhalle in Reinheim. Von dort aus spannt er seinen Radius etwa 60 Kilometer. „Wir legen schon ordentliche Strecken zurück. Auch in Frankreich bin ich oft unterwegs, dort sind die Felder größer als hier, wo oft recht kleine Parzellen für viel Gezirkel mit den schweren Maschinen sorgen.“ Weil Ernte nur kurze Zeit im Jahr ist, hat Braun weitere Standbeine. „Ich habe einen riesigen Forstmulcher. Mit dem arbeite ich im Rest des Jahres für Bauern, die die Verbuschung zurückdrängen wollen, oder für den Forst. Und im Winter mache ich Winterdienst für private und öffentliche Auftraggeber.“ Er ist ein Ein-Mann-Unternehmen. „Es ist jeden Tag spannend. Aber es ist genau der Beruf, von dem ich schon immer geträumt habe“, erzählt er zufrieden.