Er steht noch täglich unter Strom

Er ist auch im Alter fit wie ein Turnschuh: Siegfried Hühne ist trotz seiner 81 Jahre im Heimatort Blickweiler und der Umgebung bei den Menschen als kompetenter Ansprechpartner im Elektrobereich gefragt, ebenso bei Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft. Ruhe ist für ihn ein Fremdwort.

In der ehemaligen DDR kam Siegfried Hühne zur Welt und legte dort 1953 seine Gesellenprüfung als Elektroinstallateur ab. "Der Aufstand am 17. Juni 1953 war das Signal für mich, die DDR drei Monate später zu verlassen und meinen Eltern zu folgen, die bereits im Februar in den Westen flohen, denn eine Schwester meiner Mutter war im Saarland verheiratet", erinnert sich der rüstige Rentner. "Als Beamter in Völklingen hatte mein Onkel für mich alles vorbereitet, mit dem Moped ging es mit dem Interzonenpass in Ernstweiler über die Grenze. Eine Arbeitsstelle war schnell gefunden, und als meine Eltern im Freishauserhof bei Böckweiler Arbeit fanden, zogen wir gemeinsam dorthin." Eine Bewerbung bei der Firma Sonn in Webenheim hatte Erfolg, und so begann für Hühne im Januar 1957 ein neuer Abschnitt. "Mit der Molkerei und den Schuhfabriken war die Firma damals schon prima aufgestellt", weiß Siegfried Hühne, der 1964 seine Meisterprüfung im Elektrohandwerk absolvierte. "Ich engagierte mich früh ehrenamtlich mit meinem Fachwissen bei Vereinen, Menschen sprachen mich an, so dass ich mich im September 1964 bereits selbstständig machte. Mein Meisterstück war dabei die Glockenanlage der Blickweiler Pfarrkirche. Die schulische und berufliche Weiterbildung stand stets im Vordergrund, so ein zweijähriger Lehrgang zum Fernsehtechniker, hinzu kam die Wartung von Maschinen in großen Firmen. Im Keller halte ich noch heute ein umfangreiches Materiallager vor."

Seine Ehefrau Gerda (75) hat Siegfried Hühne 1956 auf der Breitfurter Kerwemusik kennen gelernt. "Eigentlich hatte mich ein Breitfurter Straußbub eingeladen, doch mit Tanzen war bei dem nichts mehr - so kam Siegfried ins Spiel", blickt sie zurück. Bei der Maimusik in Blancke Saal in Blickweiler habe es dann richtig gefunkt. Geheiratet wurde 1959, die Töchter Ingeborg und Ellen vervollständigen die Familie. Für Siegfried Hühne sei Beruf und Hobby bis heute stets eins gewesen. "Neben der Tageszeitung liest er stets aktuelle Fachzeitschriften, kaufte sich kürzlich noch ein neues VDE-Messgerät, studiert die neuen Vorschriften, das hält ihn fit", hat die Ehefrau festgestellt.

Nebenbei erwähnt Hühne, dass er während seiner Selbstständigkeit zwölf Lehrlinge ausbildete und als größtes Projekt in der Sprudelfabrik Mariannenquelle in Blieskastel die Stromversorgung umstellte. Sein Beruf habe sich vor allem in Richtung Elektronik stark verändert.

Auch im Alter steht Siegfried Hühne praktisch täglich unter Strom, wird im Keller zu Hause täglich getüftelt, gewerkelt, kleinere Reparaturen an Geräten durchgeführt oder bei ehemaligen Stammkunden bei Elektrostörungen geholfen, Satellitenanlagen eingestellt oder Vereinen geholfen. "Die tägliche Weiterbildung und die Arbeit an meiner Prüftafel Marke Eigenbau gehören für mich fest dazu, das gibt mir Erfüllung und hält mich in jeder Hinsicht auf Trab", erklärt Siegfried Hühne sein Erfolgsrezept im Alter abschließend.

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