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Endlich geht es wieder los in den Salons in Blies- und Mandelbachtal

Endlich geht es wieder los in den Salons in Blies- und Mandelbachtal : Die Zeit der „Verwahrlosung“ ist vorbei

Die Friseursalons freuen sich im Blies- und Mandelbachtal nach langer Arbeitspause auf ihre Kundinnen und Kunden.

Verwilderte Mähne, spröde Spitzen, herausgewachsener Ansatz: „Meine Kunden, ob Frauen oder Männer, sind froh, dass ich nach sechs Wochen wieder öffnen darf und ihre Haare in Form bringen kann“, erzählte unserer Zeitung Esther Striegel, die seit 33 Jahren den Friseursalon Esther in Mimbach führt. Seit einigen Tagen hatte die Friseurmeisterin über den Anrufbeantworter den letzten April-Donnerstag als Terminvereinbarung angekündigt. „Über vier Stunden nahm ich Wünsche entgegen. Vor allem die weiblichen Kunden können es kaum erwarten mit Haarschnitt und Haarfarbe“, stellte Esther Striegel fest, die dabei auf die corona-bedingten Hygienevorschriften hinweist. Es sei ein komplett anderes Arbeiten. So bei Kunden und Coiffeur das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, zum Schutzstandard gehören auch Einweg-Handschuhe und Desinfektionsmittel sowie bei allen Kunden vorm Haarschnitt als Pflicht das Haare-Waschen vor Ort. „Mögliche Viren sollen so in den Haaren abgetötet werden, denn zu Hause beim Haare-Waschen könnte man auf dem Weg in den Salon mit dem Virus in Kontakt kommen.“

Wartebereiche gibt es nur vor dem Salon. „Neu angebracht haben wir ein Schutzschild an der Kasse, eine fahrbare Trennwand und die Umhänge sind aus Einweg-Material.“ Der zusätzliche Bedarf sowie der zeitliche Mehraufwand werden sich wohl bei einigen Salons mit einem moderaten Preisanstieg bemerkbar machen. „Wir als eingespieltes Arbeitstrio öffnen unter der Maxime „handeln statt jammern“, freuen uns auf die Kunden und sind glücklich, wenn sie den Salon mit einem Lächeln verlassen“, hält Esther Striegel abschließend fest.

Seit fünf Jahren betreibt die 49-jährige Friseurmeisterin Ulrike Bergmann ihren Salon in Bliesdalheim. Im letzten Jahr hat sie in neue Geschäftsräume in der Ortsmitte investiert, davor hatte sie ihren Betrieb etwas abseits im Ort. Begonnen hat sie in ihrem Beruf vor 32 Jahren als Angestellte in Blieskastel. Unterstützt wird sie von ihrer Tochter Natascha (23), die nach erfolgreicher Friseurlehre jetzt mit der Meisterschule begonnen hat. „Ich wollte schon immer Friseurin werden, bin dann über das Fachabitur und  ein Freiwilliges Soziales Jahr bei meiner Mutter in den Betrieb eingestiegen“, teilt sie mit. Nach einem guten Start ins Jahr 2020 erreichte sie die Coronavirus-Pandemie wie auch alle anderen saarländischen Friseurbetriebe im März. „Es war erstmal ein Schock, und wir mussten verinnerlichen, dass es ernst gemeint war, dass wir nicht mehr arbeiten durften“, erinnert sich die Chefin an den 21. März, dem ersten Tag der Schließung. Freitagsabends haben wir den Laden abgeschlossen mit der Gewissheit, ihn in den nächsten Wochen nicht mehr zu öffnen. „Die Maßnahmen sind aus dem gesundheitlichen Aspekt voll nachvollziehbar. Aus unternehmerischer Sicht war das es aber erst zu verdauen, “ führt sie weiter aus.

Es folgte die Neuorientierung. Informationen mussten eingeholt, Hilfen beantragt werden. Das habe alles gut geklappt. Auch mit der tollen Unterstützung von Behörden, der Kammer sowie Berufsgenossenschaft. Ansonsten ruhte der Betrieb. Erst als die Perspektive der Wiedereröffnung bekannt wurde, lief der Betrieb erneut an, und es begann auch die Terminfindung für die Kundschaft. So werden am Montag um 9 Uhr die Ersten zur Haarpflege erwartet. Doch es wird anders sein als vor der „Corona-Zeit“. Beim Salon Bergmann werden statt fünf Plätze nur maximal drei benutzbar sein. Gewartet werden muss draußen und Masken müssen sowohl Friseur als auch der zu Frisierende tragen. Weder Bartpflege noch  Wimpern färben oder Augenbrauen zupfen wird es geben.

Genauso sieht es nach Wiedereröffnung im Salon Haarszenario in Erfweiler-Ehlingen aus. Inhaberin Bettina Worm führt den Betrieb dort seit zwölf Jahren, war zuvor zehn Jahre in Blieskastel selbstständig. Die gebürtige Dillingerin fühlt sich mit ihren vier Mitarbeitern sehr wohl, hatte bisher auch ein gutes Arbeiten mit einer Kundschaft, die auch noch aus Saarlouis, Saarwellingen oder Friedrichsthal neben den vielen Blieskastelern zum Einzugsgebiet gehören.

Obwohl es sich angekündigt hatte, sei sie doch von der verordneten Schließung überrascht worden, so die 47-Jährige, die sich erinnert: „Wir haben freitags noch voll gearbeitet, und dann war plötzlich Schluss.“ Schnell hat sie sich mit der neuen Situation arrangiert, fand sie die Ruhe, um die nächsten Schritte zu planen und umzusetzen. In Absprache mit ihrem Personal wurde Kurzarbeitergeld beantragt. Gemeinsam mit ihrem Freund und  ihrem Bruder, die bei der Arbeitsagentur beziehungsweise in einem Ministerium arbeiten, kümmerte sie sich um die möglichen Finanzhilfen. Alles klappte vorzüglich. Die Beratung bei den Landesbehörden oder auch der Handwerkskammer war zielführend und effektiv. Insbesondere bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) fühlte sie sich gut aufgehoben und konnte zudem von der bestens aufgemachten, informativen und aktuellen Internetseite viele wichtige Inhalte für sich abrufen Auch „Londa Professional“, für die sie seit mehr als 20 Jahren Seminare anbietet, unterstützte, indem sie Kontakte vermittelte, Hilfen anbot und Pakete für Mund- und Handschutz sowie Desinfektionsmittel schnürte. Zudem kam ihr das breit gestreute Netzwerk mit befreundeten Friseuren in der gesamten Republik zugute, das sie in vielen Jahren aufgebaut hatte.  „Wir haben untereinander viel diskutiert und uns ausgetauscht, was auch sehr hilfreich war“. Zudem spielte der Hausbesitzer mit, stundete die Miete.

In den letzten Tagen, nachdem die Wiedereröffnung in greifbare Nähe rückte, begannen die intensiven Vorbereitungen. Seit Tagen läuft die Termin-Akquise auf Hochtouren. „Die meisten Kunden sind sehr verständnisvoll, drücken nicht aufs Tempo“, so Worm. Am Montag, 9 Uhr, öffnet der Salon wieder. Konkret wird das dann so aussehen, dass sie nur zu jeder vollen Stunde Termine vergibt, da nach jeder Behandlung der Platz wieder gesäubert und desinfiziert, dafür auch Zeit eingeplant werden muss. Konnten vorher sechs Kunden gleichzeitig bedient werden, sind es jetzt nur noch vier. Auch können wegen der Abstandsregel nur noch zwei von drei vorhandenen Waschbecken benutzt werden. Sie hofft unter diesen Voraussetzungen, den Terminstau in drei Wochen abzubauen.

Mutter Ulrike und Tochter Natascha Bergmann an der Empfangstheke ihres gleichnamigen Salons in Bliesdalheim. Foto: Wolfgang Degott
Das ist Bettina Worm, die Inhaberin des Friseursalons Haarszenario in Erfweiler-Ehlingen. Foto: Wolfgang Degott

Ist der Friseursalon ansonsten eine Kommunikations-Drehscheibe, so wird es nun ruhiger, denn aufs Reden soll weitestgehend verzichtet werden. Auch können keine Zeitschriften und Erfrischungsgetränke angeboten werden. Begleitpersonen, sollten sie nicht gleichzeitig bedient werden, dürfen sich nicht im Salon aufhalten. Es werde sicherlich kein einfaches Arbeiten werden, da vor allem der zu tragende Mundschutz gewöhnungsbedürftig sei, so Worm, die aber zuversichtlich in die Zukunft blickt. Und sich auf ihre Kunden freut.