Am Schlangenbrunnen: Elegantes Diner-Vergnügen ganz in Weiß

Am Schlangenbrunnen : Elegantes Diner-Vergnügen ganz in Weiß

Edel, elegant und amüsant. So präsentiert sich das Diner en blanc in Blieskastel. Dieses Jahr ging das etwas andere Picknick in seine 5. Runde.

Samstagabend in der City. Vom Schlangenbrunnen her schallt verträumte Musik durch die Gassen. Ein Mann im weißen Outfit sorgt singend für südländisches Flair. Menschen vorwiegend mittleren und reiferen Alters schlendern gemütlich aus allen Richtungen zum Innenstadt-Wahrzeichen. Alle tragen weiße Kleidung und haben Körbe, Taschen und Kühlboxen in den Händen. Ein Teil der Leute hat es eilig, trägt aber ein Lächeln im Gesicht. Die Leute in den Straßencafés schauen ihnen neugierig hinterher. „Wir sind hier im Wohnzimmer von Blieskastel. Und das tut dem Image der Stadt gut“, fasst Rainer Schetting im SZ-Gespräch die Quintessenz des „Diner en blanc“, das zum fünften Mal stattfand, zusammen. Der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Blieskastel war vor allem froh, dass es nicht regnete. Das hatte er vorher am Flughafen in Erfahrung gebracht. Trotz kühlerer Temperaturen gab es rund 140 Anmeldungen für die 21 Tische. Bis auf den Selbstkostenpreis für die in strahlendem Weiß getauchten und zur Verfügung gestellten Freiluftmöbel entstehen den Teilnehmern keine Kosten. Das weltweite Prinzip, völlig in weiß gekleidet und mitgebrachtem Essen und Getränken zu erscheinen, gilt auch in der Barockstadt. „Ganz in Weiß“ soll ein Zusammentreffen ohne Klassengesellschaft sein. Jeder, der will, kann kommen. Bei den Schuhen ist man nicht so streng. „Wer hat schon weiße Schuhe zu Hause?“, gibt Organisator Schetting zu bedenken. Die Veranstaltung wird seit Jahren gut angenommen, sagt Rainer Schetting. Der Betreiber einer Weinhandlung am Schlangenbrunnen weis von Stammgästen, die seit dem ersten Jahr dabei sind. Die Besucher des Blieskasteler „Diner en blanc“ scheuen keine weiten Wege. Mikel Mahan und seine Frau Susan etwa kommen gar aus Kentucky (USA). Das Paar aus Lexington ist derzeit bei Duck Douglas in Saarbrücken zu Besuch. Der Amerikaner hatte ihnen eine Überraschung versprochen und im Vorfeld eine weiße Garderobe empfohlen. „Die Erfahrung macht Freude“, meinte Mikel Mahan im Gespräch mit der SZ. Ganz anders verlief die Geschichte bei Traudel Petry aus Dillingen. Sie war bereits beim großen Picknick des Losheimer Klassik-Open Airs ganz stilvoll in weiß gekleidet. Ein Unbekannter sprach sie an und empfahl die Teilnahme am „Diner en blanc“ von Blieskastel und Trier. „Da wurden ich neugierig“, sagt Petry. Schnell hatte sie sich für die Barockstadt angemeldet. Mit den Worten adrett, sauber und liebenswert umschrieb sie Blieskastel. Seit dem letzten Jahr sorgt Entertainer Joschi B. für die besondere Note. Der Bexbacher steuert Gesang und Musik etwa von Charles Aznavour, Michel Sardou oder George Moustaki bei. Dabei bedankte er sich am Ende immer in der Sprache des jeweiligen Künstlers. Wie Rainer Schetting betont will niemand an der Aktion etwas verdienen. Auch sei es wichtig, auf Einweg-Geschirr zu verzichten. „Wie das nächstes Jahr weitergeht und ob, das weiß ich nicht“; blickte Organisator Schetting in die Zukunft. Der Verein Stadtmarketing löst sich bekanntlicherweise zum Jahresende auf. Rainer Schetting stand als Vorsitzender nicht mehr zur Verfügung und ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Es war die letzte Veranstaltung des Vereins überhaupt.

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