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„Eine beachtliche Persönlichkeit“

„Eine beachtliche Persönlichkeit“

Das 28. Sonderheft der Zeitschrift „Saarpfalz, Blätter für Geschichte und Volkskunde“ befasst sich mit Arbeiten von Franz Carl Dercum.

In der Blieskasteler Orangerie wurde jetzt das 28. Sonderheft der Zeitschrift "Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde" vorgestellt. Diese Sonderhefte widmen sich Schwerpunktthemen oder beinhalten Quellentexte, die nicht ohne Weiteres zugänglich sind. Präsentiert wurde das Heft von Bernhard Becker vom Denkmalamt des Saarpfalz-Kreises und Kurt Legrum, Stadtarchivar von Blieskastel. Die Grußworte sprachen Landrat Theophilus Gallo sowie Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener. Das Sonderheft befasst sich mit Arbeiten von Franz Carl Dercum und trägt den Titel "Sammlung deren vaterländischen Denkmälern im Kanton Blieskastel. Sarr-departements (1809-1813)". Es enthält Beiträge von Christine van Hoof, Heribert Feldhaus, Kurt Legrum sowie von Bernhard Becker. Wie Becker ausführte, wurde an Franz Carl Dercum das "Gründliche und die wahrhaftige Beschreibung der beiden Ämter Kirkel und Zweibrücken" hervorgehoben. Er sei, so Becker, "zweifelsohne eine beachtliche Persönlichkeit" gewesen. Ihm sei es gelungen, in verschiedenen Staats- und Herrschaftsformen wichtige Ämter zu bekleiden: Er war in der Leyen-Zeit Archivar, danach unter anderem Friedensrichter in der französischen Republik, unter Kaiser Napoleon und auch im Königreich Bayern. Angesichts dieser "durchaus beachtlichen beruflichen Karriere" stelle sich die Frage, ob Franz Carl Dercum schlicht ein "Wendehals" war, der sich opportunistisch den verschiedenen Herrschaftssystemen anpasste, oder ob er aufgrund seiner Kompetenzen und beruflichen Erfahrungen besondere Qualitäten besaß und damit unabkömmlich war. Becker mutmaßte, dass er vielleicht beides vereinte.

In dem vorgelegten Sonderheft geht es um Dercums Hang zur Archäologie und Geschichte. In 21 Heften - aufbewahrt heute in der Stadtbibliothek Trier - von Dercum wurden die Denkmäler aufgelistet, wobei er damit auch denkmalpflegerische Aspekte verknüpfte. Er befasste sich mit dem Gollenstein, dem Spellenstein bei Rentrisch, einem römischen Inschriftstein und einem Kreuz bei Alschbach, einem römischen Ziegel auf Lautzkircher Bann, verschiedenen Funden in Bierbach, einem römischen Trockenbad in Schwarzenacker, dem Kloster Wörschweiler und der Abtliste, dem Kloster Wadgassen und der Probstei Ensheim, der Kirchenruine bei Seelbach, dem alten Schloss in Blieskastel, der Genealogie des Blieskasteler Grafen und dem Neufund einer römischen Jupiterfigur.

 Bernhard Becker vom Denkmalamt des Saarpfalz-Kreises (links) bei seiner Vorstellung des Sonderheftes in der Blieskasteler Orangerie. Foto: Erich Schwarz
Bernhard Becker vom Denkmalamt des Saarpfalz-Kreises (links) bei seiner Vorstellung des Sonderheftes in der Blieskasteler Orangerie. Foto: Erich Schwarz Foto: Erich Schwarz

Äußerst genau beschreibt Dercum etwa den Gollenstein, detailliert in seiner Ausmaßen und interpretiert ihn als Gerichtsstätte, was nach heutigem Forschungsstand wohl nicht zutrifft. Bernhard Becker kommt in seinen Ausführungen zu dem Schluss, dass sich der Autor wiederholt irrte und in manchem überholt sei. Aber: "Seine Berichte gründen auf sehr hohem intellektuellen Niveau", urteilte Becker. Und weiter: "Seine Ausführungen verraten nicht nur sein hohes Interesse an der regionalen Geschichte, sondern auch sein umfängliches Wissen", wie Becker bei der Vorstellung des Heftes erklärte.