Ein vergessener Schlosspark wird in Blieskastel lebendig

Kostenpflichtiger Inhalt: Historisch hochinteressant : Ein prächtiger Schlosspark wird lebendig

Die Mitglieder des Arbeitskreises Heimatgeschichte Aßweiler haben höchst erstaunliche Erkenntnisse zutage gefördert.

„Was Sie hier und heute hören und sehen, davon haben Sie noch nie gehört - auch in der Schule nicht. Sie sind die ersten Menschen, die diese noch sehr frischen Informationen außerhalb des Arbeitskreises Heimatgeschichte Aßweiler aus allererster Hand erhalten.“ Diese Ankündigung von Dagmar Schuler, 2. Vorsitzende des Vereins, weckte vollends die Neugier der rund 30 Gäste, die der Einladung des Arbeitskreises zu einer ganz besonderen Tour auf der Hochfläche zwischen Aßweiler und Seelbach gefolgt waren. Angekündigt war unter dem Motto „Gärten mit Geschichte“ eine Reise ins Jahr 1788. Als Gastgeber begrüßten der 1. Vorsitzende Horst Witte und „Zeitzeugin“ Durchlaucht Maria Anna von der Leyen (Dagmar Schuler) die Teilnehmer am Wegekreuz bei Aßweiler. Bereits die erste Führung des Arbeitskreises vor vier Jahren stieß auf enormes Interesse und schon damals platzte eine kleine Bombe mit dem Vorstellen der Ergebnisse der ehrenamtlichen Heimatforscher. Seinerzeit wurden die historisch belegten Stationen von bedeutsamen Bauwerken auf der Anhöhe vorgestellt. Und nun ging es ins Detail.

Kleine Zeitreise: Raue Sitten herrschten im 18. Jahrhundert. Auf der großen Ebene zwischen Seelbach, Biesingen und Aßweiler wurden, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, in den 1780er Jahren kurzerhand die ursprünglichen Ackerflächen enteignet und die Bewohner umgesiedelt. Das Areal war nun gräflicher Besitz, das Betreten verboten. Eine Umgehungsstraße wurde gebaut, sodass in Ruhe hier entstehen konnte, was als Sommerresidenz zur Erholung der Grafen-Familie gedacht war. Die Äcker wurden zu einer Parklandschaft im englischen Stil umgeformt. Philipp Graf von der Leyen (1766-1829), Sohn von Gräfin Maria Anna, schuf sich hier sein Rückzugsgebiet - eine Art Ferienpark – „zum höchstselbigen Genuss“. Abseits der Schlossgebäude auf Aßweiler Gemarkung entstand zunächst ein landwirtschaftliches Mustergut, der Schweizer Hof, nach Vorbild eines schweizerischen Milchviehbetriebes seiner Zeit – einschließlich Käserei. Nur wenige Gehminuten entfernt entstand innerhalb kurzer Zeit eine aus bis zu zwölf Gebäuden bestehende Schlossanlage im Stile des seinerzeit hochmodernen englischen Landschaftsbaus. Das Ensemble bestand aus dem Landschlösschen „Bagatelle“, dem Landhaus Schönbornlust, Gesindehäusern und Menagerie und soll insgesamt wohl einem kleinen Dorf nachempfunden gewesen sein, einschließlich einer Kirche, in der ein „Komödienhaus“, also ein Theater, untergebracht war.

Kaum waren die Prachtbauten errichtet und ihrer Bestimmung zugeführt, fielen sie nur wenige Monate später im Zuge der Französischen Revolution 1793 den französischen Soldaten zum Opfer. Die komplette Anlage wurde von den Revolutionstruppen dem Erdboden gleich gemacht, die Reichtümer geplündert und die Gebäude niedergerissen. Bei der Wiederbesiedelung der umliegenden Dörfer kamen auch der letzte Stein und der letzte Ziegel zum Einsatz, sodass bald nichts mehr vom damaligen Prachtpark übrig blieb. Fast nichts mehr, bis auf die vor wenigen Jahren wieder entdeckten Brunnenschächte, die die Initialzündung für die Nachforschungsarbeiten waren.

Die tüchtigen Heimatforscher des Arbeitskreises beschäftigen sich seither mit diesen Entdeckungen und gewinnen immer wieder neue Erkenntnisse. Dafür müssen sie oft zu alten Archiven bis nach Saarbrücken, Trier oder Koblenz reisen. Nun ist es ihnen gelungen, anhand von Beute-Auflistungen der französischen Revolutionäre und alten Handwerkerrechnungen, die teilweise detaillierte Arbeitsberichte wiedergeben, nicht nur das Ensemble des „Schweizer Hofes“ detailgetreu zu rekonstruieren, sondern auch von den anderen Gebäuden und dem Theater maßstabsgetreue Arbeitsmodelle anzufertigen. So haben sie herausgefunden, dass das Theater in Form einer Kirche errichtet worden war. Ein weiteres rundes Kirchen-Gebäude hatte wohl einen etwa 15 Meter hohen achteckigen Turm mit sieben Metern Umfang. Die Heimatforscher gehen davon aus, dass dieses Gebäude einer orientalischen Moschee mit Minarett glich. Ebenfalls kamen sie zu der Erkenntnis, dass der Schönborner Hof zwei Flügelbauten gehabt haben könnte und eine Kapelle beinhaltete. Insgesamt gab es dort etwa 20 Räume, 41 Fenster, einen großen Ballsaal und ein prächtiges Bad, in dem eine „frei stehende Wanne mit vergoldeten Löwenpratzen“ als Füße und einem goldenen wasserspeienden Löwenkopf stand. Die Anzahl der Räume und Säle, Fenster und Türen, Lüster und Möbel, die Flächen der Böden und Wände – all dies haben Erich Heib, Horst Helle und Horst Witte – die drei „Detektive“ des Arbeitskreises Heimatgeschichte Aßweiler – bis heute recherchiert.

Anhand von Schautafeln, Plänen, Texten und nun auch liebevoll errichteten Arbeitsmodellen führte Dagmar Schuler die staunenden Gäste durch die spannende Geschichtsstunde mit Einblicken in Kultur, Lebensweise, Baukunst und Standesdenken seinerzeit. Die Nachforschungen sind noch lange nicht beendet und man darf gespannt bleiben, was die Mitglieder des Arbeitskreises noch alles finden und sichtbar machen.