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Drei Ortsvorsteher gegen Windkraftpläne in Bliesmengen-Bolchen

Windkraft-Pläne in Bliesmengen-Bolchen : Deutliche Worte und viele Argumente

Die Ortsvorsteher von Bebelsheim und Bliesmengen-Bolchen sowie ihr Amtskollege aus dem benachbarten Kleinblittersdorfer Ortsteil Bliesransbach haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen Windkraft-Pläne auf dem Allenberg bei Bliesmengen-Bolchen ausgesprochen.

(red) Als Ortsvorsteher der umliegenden Orte würden sie immer wieder auf das Thema „Windkraft am Allenberg“ und andere regenerativen Energien angesprochen. Die Bürger hätten Angst und wüssten nicht, was auf sie zukommt, würden auch mehr durch die Presse informiert, als auf öffentlichen Wegen. Sowohl der Ortsrat in Bliesmengen-Bolchen als auch der in Bebelsheim hätten das Thema regenerative Energien schon auf der Tagesordnung. Dies sollte nach Wunsch der Bürger noch detaillierter stattfinden. Allerdings sei es aufgrund der Corona-Lage im Moment nicht möglich, dieses Thema mit Beteiligung der Öffentlichkeit in Ortsräten oder anderen Gremien zu beraten. Gleiches gelte für den Mandelbachtaler Gemeinderat mit allen Fragen, die dieses heiß diskutierte Thema betreffen. So die drei Ortsvorsteher in einer gemeinsamen Erklärung.

Was der Bau eines Windkraftwerkes für den Wald am Allenberg bedeutet, möchte der Ortsvorsteher von Bliesmengen-Bolchen, Timm Braun, verdeutlichen. „So wurde von der Projektbetreiberfirma Juwi beschrieben, dass für jedes Windrad ein Fundament von 30 Metern Durchmesser und vier Metern Tiefe notwendig ist. Der Rodungsbereich dürfte noch deutlich größer, geschätzt bis zu 50 Meter, ausfallen. Hinzu kommen dann noch notwendige Rodungen für Stromtrassen. Dazu müssen massive und breite Zuwege geschaffen werden. Was wieder Rodungen und auch große Schotterarbeiten notwendig macht. Auch wenn man zugesichert hat, dass danach alles wieder rückgebaut und aufgeforstet wird, wird es definitiv ein großer Eingriff in die Natur geben, und von unserem Mandelbachtaler Naherholungsgebiet Wald wird nicht mehr viel übrig bleiben. Zwar hat Mandelbachtal insgesamt eine große Waldfläche, aber für Bliesmengen-Bolchen, Bebelsheim, Wittersheim und Habkirchen wird da einiges an sichtbarer Fläche wegfallen.“ Braun berichtet zudem, dass gleichzeitig ein Antrag des Naturschutzbundes (Nabu) „Zur Unterschutzstellung des Gebietes um den Kopp/Brandenwald“ an das Umweltministerium, durch die oberste Naturschutzbehörde wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sei. Den Ausführungen der Wertigkeit der vorhandenen Natur werde durch das Umweltministerium vollumfänglich zugestimmt. „Einer Zerstörung dieser Natur in dem oben beschriebenen Ausmaß können wir daher in keinster Weise zustimmen. Die Energiewende muss kommen, und regenerative Energien sind notwendig dafür. Jedoch nur an Orten, an denen es Sinn ergibt und ohne die Natur maßgeblich zu zerstören. Wir leben in einer Biosphäre umringt von Naturschutzgebieten, diesem Umstand muss nun endlich Rechnung getragen werden. Kein einziger Baum und kein einziges Tier sollen erneuerbaren Energien zum Opfer fallen. Kein einziger Quadratzentimeter unserer schönen unberührten Landschaft soll allein wegen der Pachteinnahmen und wegen des Profits hierfür weichen“, bezieht Braun klar Stellung.

Bertram Nagel, Ortsvorsteher von Bebelsheim, berichtet zudem: „Wir haben in Bebelsheim bereits 27 Prozent Abdeckung durch erneuerbare Energien, dies gilt es mit den herkömmlichen Mitteln, zum Beispiel dem weiteren Ausbau von Fotovoltaik auf kommunalen oder privaten Dächern oder energetischen Maßnahmen an Gebäuden, zu erweitern. Ich halte nichts von Windkraftanlagen, weil sie unsere Landschaft zerstören, und viele Menschen negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit befürchten. Wenn man einmal genau beobachtet, stehen viele Windkraftanlagen aus unterschiedlichen Gründen oft still. Ob man da noch von Rentabilität sprechen kann, ist fraglich. In allen Diskussionen um Windkraft und übrigens auch um Fotovoltaik-Freiflächenanlagen, wird immer primär von Geldbeträgen durch Pacht- und Einspeisevergütungen, sowie Renditen geredet, das eingesparte CO2 wird hierbei nur beiläufig erwähnt. Dies deckt den wahren Hintergrund der geführten Diskussionen auf. Ältere private Fotovoltaik-Anlagen erzeugen oft so viel Energie, dass man einen Großteil davon nicht selbst verbrauchen kann, der Überschuss wird ins Netz gespeist und steht anderen Verbrauchern als umweltfreundliche Energie zur Verfügung. Neuere private Fotovoltaik-Anlagen sind eher darauf ausgelegt, den Eigenbedarf zu decken. In eine Energiegenossenschaft zu investieren, macht vor diesem Hintergrund keinen Sinn, eher sollte man in weitere eigene Fotovoltaik-Anlagen und vernünftige Speicheranlagen investieren. Dies spart CO2 und macht auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn, wenn man sein Geld gut anlegen möchte zum Wohle des Klimawandels. Ein E-Auto im privaten Fuhrpark würde die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage noch optimieren und nebenbei den CO2-Ausstoß zusätzlich reduzieren“, so Nagel.

 Stephan Weimerich.
Stephan Weimerich. Foto: Heiko Lehmann
 Bertram Nagel.
Bertram Nagel. Foto: BeckerBredel
 Ein Windrad wird gebaut. Bliesmengens Ortsvorsteher Timm Braun verweist in seiner Stellungnahme unter anderem auf das Ausmaß der Eingriffe in die Natur durch solche Anlagen.
Ein Windrad wird gebaut. Bliesmengens Ortsvorsteher Timm Braun verweist in seiner Stellungnahme unter anderem auf das Ausmaß der Eingriffe in die Natur durch solche Anlagen. Foto: Michael Beer

Stephan Weimerich, Ortsvorsteher des Bliesmenger Nachbarortes Bliesransbach in der Gemeinde Kleinblittersdorf, zeigt sich fassungslos ob der Pläne, in einem intakten, historischen Waldgebiet Natur zu zerstören, um an gleicher Stelle Windräder zu errichten. „Allein der Gedanke ist ein Widerspruch in sich, absolut hanebüchen. Das ganze Saarland brüstet sich mit der Region Bliesgau, mit der Natur und der tollen Landschaft. Es ist jetzt an der Zeit, diese auch zu schützen. Natürlich müssen wir etwas tun, aber es muss sinnvoll sein. Ich rate dringend von Aktionismus auf Kosten der Bürger ab. Es braucht hier auch keine gemeindeweite Bürgerbefragung. Wenn man die Menschen vor Ort nicht für etwas begeistern kann, dann hat man das zu akzeptieren. Man muss auf die unmittelbar betroffenen Ortsteile hören und diesem Votum, welches mehr als eindeutig ist, folgen. Dafür sind wir alle in unseren Ehrenämtern gewählt. Hier gibt es für mich auch eine moralische Verpflichtung. Es kann nicht immer nur um Einnahmen gehen. Ebenso muss man bei diesem Thema auch die streng geschützten Arten hervorheben: Uhu, Rot- und Schwarzmilan, Schwarz- und Weißstorch, um nur einige zu nennen, ganz besonders auch der Baumfalke. Unweit der geplanten Anlagen brütet das weit und breit einzige Pärchen in unserer Umgebung. Diese Vögel wie auch die Fledermausarten, die gerade im Bliesmenger Wald vorkommen, sind laut Leitfaden des Ministeriums mit Windkraftanlagen nicht vereinbar. Natürlich wollen das viele Investoren nicht mehr hören, es sind aber die Fakten.“