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Die Sozialstation Bliesgau ist gerettet

Die Sozialstation Bliesgau ist gerettet

Blieskastel/St. Ingbert. Demnächst wird es im Saarpfalz-Kreis statt bisher fünf nur noch vier vorrangig von den jeweiligen katholischen und protestantischen Kirchengemeinden getragene Ökumenische Sozialstationen geben: Homburg, Bexbach, Kirkel und St. Ingbert. Die Sozialstation Bliesgau, die bereits vor geraumer Zeit wirtschaftlich ins Trudeln geraten war, hatte am 1

Blieskastel/St. Ingbert. Demnächst wird es im Saarpfalz-Kreis statt bisher fünf nur noch vier vorrangig von den jeweiligen katholischen und protestantischen Kirchengemeinden getragene Ökumenische Sozialstationen geben: Homburg, Bexbach, Kirkel und St. Ingbert. Die Sozialstation Bliesgau, die bereits vor geraumer Zeit wirtschaftlich ins Trudeln geraten war, hatte am 1. April Insolvenz angemeldet. Bereits im Spätherbst vergangenen Jahres hatte die Sozialstation auf Grund wirtschaftlicher Probleme die Geschäftsführung an den Caritasverband für die Diözese Speyer übergeben (wir berichteten). Die Größe der von der Sozialstation zu betreuenden Fläche mit den so von Krankenkassen nicht gegenfinanzierten Anfahrtswegen zu den Patienten, aber auch allgemeine Trends auf dem Pflegesektor, die Zunahme privater Anbieter und so genannter "osteuropäischer Haushaltshilfen", hatte die Zahl der Patienten um rund ein Drittel schrumpfen lassen. Die Sozialstation Bliesgau rutschte in die roten Zahlen. Im Frühjahr diesen Jahres machte der Caritasverband der Sozialstation St. Ingbert den Vorschlag, die marode Schwesterorganisation im Bliesgau zu übernehmen. Nach intensiven Beratungen mit den Trägern beider Sozialstationen willigten die St. Ingberter ein. Das parallel laufende Insolvenzverfahren erleichterte erste grundlegende organisatorische Sanierungsmaßnahmen. "Wir mussten niemanden entlassen, und auch an den Tarif-Löhnen wollten wir nicht rütteln", erläuterte der Vorsitzende der Sozialstation St. Ingbert, Günther Trautmann, als gelernter Steuerberater mit wirtschaftlichen Prozessen wohl vertraut. Geschäftsführung und Pflegedienstleitung hatten die Sozialstation bereits verlassen, einige wenige Mitarbeiter machten vor allem auch aus Altersgründen Schluss, die übrigen derzeit rund 16 verzichteten auf rund ein Drittel ihrer Einsatzstunden. Eine weitere wesentliche Sanierungsmaßnahme Trautmanns ist neben zahlreichen kleineren Stellschrauben in der Arbeitsorganisation der derzeit laufende Umzug der Sozialstation von der Schlossbergstraße an den wesentlich zentraleren Luitpoldplatz 4 in Blieskastel. Geführt und verwaltet wird von St. Ingbert aus. Jetzt hofft man, auch im Bliesgau neue Patienten zu gewinnen. Meinung

Seelsorge ist nicht rentabel

Von SZ-RedakteurCarlo Schmude Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts betrachten die beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands die ambulante Pflege von Kranken, Behinderten und Alten als eine ihrer wesentlichen Aufgaben. Pflege sollte nicht nur mit technischen Handgriffen, sondern immer auch mit einem gewissen Maß an Seelsorge für leidende Mitmenschen verknüpft sein. Doch die gesellschaftliche Entwicklung machte das gut gemeinte Angebot zunehmend schwieriger. In den 80er Jahren gründeten die Kirchen Ökumenische Sozialstationen, um die Angebote der früheren Gemeindeschwestern und Krankenpflegevereine halbwegs wirtschaftlich aufrechterhalten zu können. Heute ist Pflege ein wachsender Wirtschaftszweig mit knallhartem Wettbewerb. Die Kosten für Seelsorge werden von keiner Krankenkasse und von keiner Pflegeversicherung übernommen. Christliche Sozialstationen müssen sich also von der Seelsorge verabschieden, um rentabel arbeiten zu können. Das stellt die ganze Grundidee in Frage.