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Citta Slow: Die pure Lust an der Gemächlichkeit

Citta Slow : Die pure Lust an der Gemächlichkeit

Cittaslow steht für das bedächtige Leben in der Stadt. Und so stand auch der Cittaslow-Markt in Blieskastel im Zeichen des bewussten Erlebens.

„Es war sonst stärker, aber es ist mehr als sonstwo“, zog Caro Werth am Sonntagnachmittag eine erste Bilanz. Die Ausstellerin, die beim fünften Cittaslow-Markt auf dem Paradeplatz selbstgemachte Marmeladen verkaufte, sieht Parallelveranstaltungen wie die verkaufsoffenen Sonntage in St. Ingbert und Saarbrücken als Gründe für den Unterschied zum Vorjahr an.

Werth, die als „Caro’s MarmeLädchen“ auftritt, berichtet, dass der „Lattwersch“ (Pflaumenmus) bei ihr der Renner sei. Das Geheimnis: Sie hat das Rezept 1:1 von ihrer Oma übernommen. Seit etwa drei Jahren sei der Trend zu selbst hergestellten Marmeladen im Gange. Das Motto von Genuss und Langsamkeit konnte man in der Innenstadt, die stellenweise richtig stark besucht war, immer wieder ausmachen. So nutzten manche Besucher die aufgestellten Sitzgelegenheiten für so manche Pause. Zwischen den Ständen befanden sich nämlich immer wieder zwei weiße, übereinanderliegende Europalletten, auf denen ein großes Kissen lag.

Ein Mann hatte das Motto wohl leicht missverstanden. Er trug seinen Sellerie beim Schlendern auf seinem Arm, als würde er ein Kind wiegen. „Das ist wirklich Cittaslow: Super“, meinte eine Frau aus Saarbrücken, die am Rand des Paradeplatzes stand und ihn grinsend beobachtete. Für Überraschungen sorgte ein Stand weiter vorne. Dort gab es bereits die ersten Adventskränze zu kaufen. Zwar aus Holz, aber immerhin.

Es dauert nicht mehr lange bis zum Winter. Der Wollmützen- und Schalindikator ließ dies erkennen. Über das Thema Imkerei und Honig informierten Imker im Bereich vor dem Rathausfoyer. Hier waren vor allem die Kinder an den Bienen interessiert, die ausgestellt waren. Nebenan sorgte die Stadtjugendpflege mit Motiv-Schminken dafür, dass der Nachwuchs keine Langeweile bekam. Auch am anderen Ende der Marktmeile, am Luitpoldplatz, war das indirekte Motto mehr als offensichtlich. Pflanzen und Blumen unter Bäumen kaufen, das hat was und sorgt für eine entspanntere Kaufatmosphäre als auf der Straße. Vielleicht war es auch die Geigenmusik, die bei ähnlichen Veranstaltungen fehlt. Und die Hetzerei, die es hier nicht gibt. Kurz mal nebenan die Wildpaté mit groben Pfeffer probieren? Klar, wieso nicht.

Der Stand daneben hatte eine Samenbank. Aber eben anders, als man meinen könnte. Der Verkäufer erklärte mit einer Inbrunst den Interessenten, was es mit den in Boxen vorgehaltenen Säsamen auf sich hat. Pilze und Tomaten in einer Auswahl, wie man sie sonst kaum erhält, so könnte man das Angebot an einem Stand weiter vorne in der Von der Leyen-Straße beschreiben. Jean Marie’s Bio-Forellen in verschiedenen Variationen waren gegen 16 Uhr noch vorhanden. Kurz danach war „ausverkauft“ auf dem Schild zu lesen. „Das Angebot hier ist genial. Ob Schnibbelches Bohnesupp mit Quedschekuche oder Feinkostkäse aus Frankreich. Wer hier nichts findet, ist selbst schuld“, gab sich Johannes Assmann-Huber aus Homburg begeistert. Und so mancher Besucher pflichtete ihm bei.