Die Parteipolitik kam erst an zweiter Stelle

Webenheim · Sie waren über lange Jahre hinweg mit großem Engagement für ihren Ort unterwegs, haben vieles bewirkt: die ehemaligen Ortsvorsteher im Blies- und Mandelbachtal. Nach der Kommunalwahl vom Mai dieses Jahres haben sie nicht mehr kandidiert. Wir ziehen Bilanz ihres Wirkens. Heute: Robert Jennerwein aus Webenheim.

 Robert Jennerwein vor dem Webenheimer Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Erich Schwarz

Robert Jennerwein vor dem Webenheimer Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Erich Schwarz

Foto: Erich Schwarz

Insgesamt 15 Jahre wirkte der knapp 63-jährige Robert Jennerwein als Ortsvorsteher in Webenheim . Bei der Kommunalwahl 1999, bei der es ansonsten für die SPD im Land nicht viele Erfolgserlebnisse gab, ging Jennerwein gegen den Landestrend in Webenheim als strahlender Sieger hervor und löste Werner Pilhofer (CDU ) ab. "Ich war immer gern Ortsvorsteher, ich bin ein kommunikativer Mensch und arbeite auch gern mit anderen Menschen zusammen", beschreibt sich Jennerwein selbst.

Er hat nicht nur politisch für das Dorf gearbeitet, er half auch individuell, wenn Not am Mann war. Und Jennerwein war auch immer ein Mann des Ausgleichs: "Ich habe versucht, die Parteipolitik immer herauszuhalten. Der Ortsrat Webenheim war nicht der Ort, sich parteipolitisch zu profilieren, die meisten Entscheidungen fielen einstimmig", unterstreicht der Kommunalpolitiker. Und so nennt er auch als schmerzliche Erlebnisse in seiner Amtszeit den plötzlichen Tod von Albrecht Schunck sowie Günter Heil, beide CDU . Auch hätte er gern etwas mehr für die Verkehrsberuhigung der B 423 getan, die seit Jahren für sehr viel Lärm und Schmutzbelästigung mitten im Dorf sorgt. "Aber das hat sich als sehr schwierig herausgestellt."

Das Bohren dicker Bretter hat sich in einer anderen Sache indes auch gelohnt. Zumindest beim Dorfgemeinschaftshaus musste Jennerwein zusammen mit seinem Ortsrat einen langen Atem haben: "Das war sehr zäh und langwierig, da mussten wir lange kämpfen", erinnert er sich. Die Verwaltungsspitze in Blieskastel hatte gewechselt, "das waren für uns in Webenheim schwierige Zeiten. Man wollte da zunächst nur ein bisschen renovieren, eine große Lösung schien am Anfang unmöglich". Aber zumindest dieses Anliegen aus dem Dorfentwicklungsplan, ebenfalls von Jennerwein angestoßen, konnte am Ende mit einem großen Erfolg für die Dorfgemeinschaft abgeschlossen werden. Heute ist das Dorfgemeinschaftshaus in der alten Schule aus dem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken.

Als Erfolg verbucht Jennerwein ebenfalls, dass man seinerzeit gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft und auch den ansässigen Industriebetrieben die geplante Ampelanlage am "Kehr" habe verhindert können. Der Turbokreisel, der dann gebaut wurde, sei genau die richtige Lösung. In die Amtszeit Jennerweins fiel auch die 700-Jahr-Feier, ein großes gesellschaftliches Ereignis für Webenheim und die gesamte Region. Wichtig für den Ort ist auch das Webenheimer Bauernfest, aber auch hier müsse man sich für die Zukunft weiter neue Ideen ausdenken. Auch die "Kleinkunst unter der Linde" hinter dem Dorfgemeinschaftshaus soll wiederbelebt werden.

Als dringliches Projekt für die Zukunft sieht Jennerwein die Sanierung der Turnhalle: "Die wird ja nicht nur von den Vereinen genutzt, auch der Kindergarten braucht die Halle", stellt Jennerwein heraus. Auch der Rote Platz, "ein unschöner Platz mitten im Dorf", müsste dringend umgestaltet und verschönert werden. Aber Jennerwein ist zuversichtlich: "Die jungen Leute, die jetzt nachgerückt sind, haben sicherlich viel Elan und auch neue Ideen".

Er glaubt, dass er lange genug politisch aktiv war (vor seiner Zeit als Ortsvorsteher war er schon zwei Perioden im Ortsrat) und dass es nun Zeit sei, anderen den Platz freizumachen: "Das fiel mir natürlich nicht ganz leicht, aber es ist das Beste so", lächelt Jennerwein. Eine schwere Herz-OP und auch die nach wie vor starke berufliche Anspannung als Maschinenbautechniker hätten ihm den Entschluss aber am Ende doch etwas leichter gemacht.

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