Der letzte Ton ist verklungen

Der Saarpfälzische Kammerchor hat sein letztes Konzert gegeben. Überalterung und kein Nachwuchs sind Gründe dafür, dass der Chor seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt. Den Abschluss der 40 Jahre dauernden Karriere bildete ein Auftritt in Kirkel-Neuhäusel.

"Welch ein Geschenk ist ein Lied. Ich danke Ihnen, lieber Saarpfälzischer Kammerchor, dass Sie uns so beschenkt haben, 40 Jahre lange. Es tat einfach gut. Amen." Mit diesen Worten und vor den ganz offiziell letzten Tönen des Ensembles dankte Lektor Wolfgang Frings beim Dank-Gottesdienst in der Friedenskirche in Kirkel-Neuhäusel am Sonntagmorgen einer Formation, die vier Jahrzehnte lang für außergewöhnlichen Musikgenuss gesorgt hat. Nur wenig später war das letzte Kapitel dieser Erfolgsgeschichte geschrieben, der letzte Ton erklungen - die Sängerinnen und Sänger des Saarpfälzischen Kammerchors hatten zum letzten Mal ihre Notenhefte zugeklappt. Zuvor und als zentrales Element des Dankgottesdienstes hatte Chormusikdirektor Kurt Kihm "seinen" Chor zu Werken von Joseph Haydn, Franz Schubert oder auch César Franck die Stimme erheben lassen, am Klavier begleitet von Paul Krick und mit der Sopranistin Ulrike Jäger-Borr als Solistin. Vor Beginn des letzten Auftritts räume Kurt Kihm Gerüchte aus der Welt, das Ende des Saarpfälzischen Kammerchors stehe auch für ein Ende seines eigenen Engagements. "Ich bleibe erhalten, hier mit dem Männergesangverein Kirkel oder auch mit dem Homburger Frauenchor." Es gehe, so Kihm, nur beim Abschied des Saarpfälzischen Kammerchors von der Bühne. Die Gründe, die Kihm für die Auflösung des Ensembles nannte, klangen nachvollziehbar. "Wir sind ja kein normaler Gesangverein, sondern wurden als Konzertchor gegründet. Und das ist für uns so nicht mehr machbar. Wir müssten unsere Ansprüche sehr weit zurückschrauben. Das wollten wir nicht." Ursachen für die Entwicklungen seien mitunter Alter und Krankheit im Chor. "Auch haben wir keinen Zuwachs jugendlicher Sängerinnen und Sänger."

Dabei sei es, so Kihm, generell kein Problem, Jüngere zum Singen zu bewegen, nur "muss man junge Menschen zu jungen Menschen bringen, so wie das früher war. Man kann heute nicht erwarten, dass junge Leute im Alter von 18, 19 oder 20 in Chöre eintreten, bei denen das Durchschnittsalter bei 70 Jahren liegt. Das passt einfach nicht." Dass die Formel "Jugend zu Jugend" hingegen funktioniere, beweise nicht zuletzt auch der saarländische Jugendchor, aber auch andere junge Formationen.

Kihm: "Es ist ja nicht so, dass nicht mehr gesungen wird. Es wird teilweise sogar besser gesungen. Aber die klassischen Strukturen der Gesangverein werden sich verändern." Nach den Höhepunkten der zurückliegenden 40 Jahre Saarpfälzischer Kammerchor gefragt, nannte Kihm gleich vorne weg eine Konzertreise nach Rom.

Aber auch zahlreiche Auszeichnungen und eine ganz Reihe hochwertiger Auftritte mit großen Orchestern und namhaften Solisten hätten das Klangbild des Chores in der Vergangenheit geprägt. Doch eben dieses hohe Niveau sei nun nicht mehr machbar. "Und wir wollten, alle gemeinsam, mit unserem Anspruch nicht zurückgehen."

Und was geht in Kurt Kihms Herzen vor, wenn der letzte Ton erklungen ist? "Das Ende des Chors ist schade, sehr schade. Aber es ist halt so, denn alles hat seine Zeit."