Kirchenchor Biesingen Mehr als 170 Jahre in Diensten der Musica sacra

Biesingen · Der Kirchenchor St. Cäcilia Biesingen hat sich aufgelöst. Gründe sind Überalterung der Mitglieder und fehlender Nachwuchs.

Nach der letzten Begleitung eines Gottesdienstes stellten sich die Biesinger Chormitglieder vor der Auflösung – nach 172 Jahren im Dienste der Musica sacra – zum Gruppenfoto auf.

Nach der letzten Begleitung eines Gottesdienstes stellten sich die Biesinger Chormitglieder vor der Auflösung – nach 172 Jahren im Dienste der Musica sacra – zum Gruppenfoto auf.

Foto: Monika Bohr

 Blieskastels Stadtteil Biesingen hat seit einigen Wochen einen Verein weniger. Der katholische Kirchenchor St. Cäcilia hat zum letzten Mal eine Messe in der St.-Anna -Kirche musikalisch umrahmt. Unter Leitung des Dirigenten Manfred Noll trat der Chor wegen Überalterung der noch aktiven Sänger und Sängerinnen letztmals in der Öffentlichkeit auf, das Ensemble löste sich auf.

„Nach den spärlichen Aufzeichnungen im Pfarrarchiv dürfte der katholische Kirchenchor zwischen 1850 und 1860 von sangesfreudigen Männern gegründet worden sein. Die wöchentlichen Chorproben fanden damals großen Zuspruch“, blickte im Gespräch mit unserer Zeitung Klaus Bohr, in der Pfarrgemeinde engagierter Mann an vielen Fronten, zurück. „1883 gründete sich aus dem bestehenden Chor ein weiterer, allerdings weltlicher Chor. Um die Jahrhundertwende traten dem Kirchenchor Frauen aus Biesingen, Aßweiler und Seelbach bei und bildeten ab diesem Zeitpunkt einen gemischten Kirchenchor. Die Steigerung der gesanglichen Leistung führte zu einer positiven Entwicklung des Chors als bedeutendem Kulturträger der Gemeinde. Der katholische Kirchenchor Biesingen fühlte sich in seiner Hingabe zur „Musica sacra“ von Beginn an der heiligen Cäcilia verpflichtet, die seit dem 15. Jahrhundert als Patronin der Kirchenmusik gilt. Die Märtyrerin Cäcilia lebte als Römerin im dritten Jahrhundert nach Christus. So nannte sich der Chor seit Gründung bis zu seiner jetzigen Auflösung katholischer Kirchenchor St. Cäcilia Biesingen“, so Klaus Bohr. Nach dem Ersten Weltkrieg habe sich der Chor auch dem weltlichen Gesang und dem Theaterspiel geöffnet, die Chormitglieder belebten mit ihren Auftritten und ihrem Theaterspiel auch nach 1945 lange Zeit das Kulturgeschehen der Gemeinde Biesingen. Nach 1918 sei das Lokal „Zur Linde“ zunächst das Probelokal gewesen, ehe dann später die wöchentlichen Proben in der Pfarrkirche und in den letzten Jahren im Pfarrsälchen des Pfarrhauses abgehalten wurden. „Der Chor war von seinen Anfängen bis heute ununterbrochen tätig. Er engagierte sich bei allen kirchlichen Festen, Hochzeiten und Beerdigungen und nahm auch bei den ersten Biesinger Dorffesten zu Beginn der 1980er-Jahre aktiv teil. So konnte man der Kirchengemeinde 22000 Mark (11000 Euro) spenden, Geld, mit dem die Orgel renoviert wurde.

Im Jahr 2004 ging der Chor eine Probengemeinschaft mit dem weltlichen Chor „Singgemeinschaft Germania Biesingen“ ein, was jedoch die Eigenständigkeit beider Chöre nicht tangierte. Man konnte sich jedoch gegenseitig aushelfen und unterstützen“, weiß Klaus Bohr. Seit der Auflösung der „Germania“ war der Kirchenchor wieder auf sich allein gestellt. „Man konnte die eigene Auflösung jedoch lediglich ein wenig hinausschieben, obwohl die Zahl der aktiven Sänger ständig abnahm und nur noch durch Gastsänger/innen aufgefangen werden konnte. Hinzu kam, dass die Aktiven immer älter wurden, und der Nachwuchs ausblieb.“ Der Kirchenchor hatte in den mehr als 150 Jahren viele Dirigenten. Drei davon will Klaus Bohr herausstellen: Zunächst Hedwig Lambeng, die neben vielen weiteren kirchlichen Aufgaben 1941 den Organisten-Dienst übernahm und ab 1942 für mehrere Jahrzehnte allein verantwortliche Chorleiterin war. Ihr folgten unter anderem Willi Wehr aus Eschringen und jetzt in der Endzeit Manfred Noll. Auch drei langjährige Vorsitzende des Chors sollten erwähnt werden, nämlich Baptist Becker, Günther Groh und Werner Mohr. Bei der letzten Begleitung des Chores beim Gottesdienst bedankte sich Pater Hieronim ganz herzlich für all das, was der Chor für die Pfarrgemeinde in den vielen Jahren geleistet hatte. „Leider ist heute der Tag, an dem wir von dem Kirchenchor St. Cäcilia so, wie wir ihn kennen, Abschied nehmen müssen. Ein ganz herzliches ‚Vergelt`s Gott‘ für ihre Liebe zur Kirchenmusik“, sagte Pater Hieronim.

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