Bruder-Konrad-Ritt : Teilnahme steht sogar im Ehevertrag

Kaiserwetter beim traditionellen Bruder-Konrad-Ritt, der für Pater Martin Urbanski eine Premiere war.

Kaiserwetter herrschte beim Bruder-Konrad-Ritt, der wieder Hunderte in Gersheims kleinsten Ort Utweiler pilgern ließ. Premiere feierte Pater Martin Urbanski vom Franziskaner-Minoriten-Kloster Blieskastel und Kaplan der Pfarrei Heilige Familie Blieskastel-Lautzkirchen. Er ist seit zwei Jahren in Blieskastel und fühlte sich gleich wohl. Nachdem er in der Dorfmitte 31 Pferde mit ihren Reitern sowie 177 Fahrzeugen, Zugmaschinen und Traktoren mit Fahrern und den vielen Mitfahrern auf den Sozius-Sitzen oder den Anhängern gemeinsam mit Kaplan Shaiju Varekulam von der Pfarrei Heilig Kreuz auf ihrem Wagen, mit dem die Bruder-Konrad-Statue und eine Reliquie des Heiligen mitgeführt wurde, gesegnet hatte, war er Konzelebrant im Gottesdienst unter freiem Himmel, der von Pfarrer Krystian Scheliga gehalten wurde.

Der Gersheimer Musikverein Harmonie unter der Stabführung von Björn Weinmann steuerte die Deutsche Messe von Franz Schubert bei. In seiner Predigt ging Urbanski auf das Leben des Bruders Konrad von Parzham ein. Der aus der Woiwodschaft Niederschlesien nahe dem Wallfahrtsort Grüssau stammende Gottesmann sprach davon, dass Bruder Konrad, der von 1852 an 41 Jahre als Pförtner des Kapuzinerklosters St. Anna Altötting wirkte, zeige, dass uns auch alltägliche Aufgaben Freiheit und Freude finden ließe, aber auch Gottes Nähe erfahren lasse.

Am frühen Nachmittag zog der Feuerwehr-Einsatzleiter Ralf Weinmann, Löschbezirksführer der gastgebenden Wehr Peppenkum-Utweiler, Zwischenbilanz: „Alles hat wunderbar geklappt, keine besonderen Vorkommnisse“. Bis dahin hatten seine 25 Aktiven, aber auch neun aus Medelsheim und fünf Seyweiler alles im Griff, absolvierten sowohl den Dienst an der Straße als auch beim Management der Parkfläche auf den vielen eigens für das herausragende Ereignis gemähten Wiesen mit Bravour. Zudem wurden die Gäste im vollbesetzten Festzelt auf dem ehemaligen Schulhof von vielen freiwilligen Helfern bestens bewirtet, kamen die Begegnung und das Gespräch nicht zu kurz.

Stunden zuvor hatte sich das Geschehen in der St. Martin- der Burg- und der Brühlstraße, rund um die Martinskirche von Medelsheim abgespielt. Pünktlich um 9.30 Uhr setzte sich die Prozession, die sich seit 1934 jährlich durch die Parr schlängelt, in Bewegung. Wie an einer Perlenkette gezogen machten sich alle auf den Pilgerweg, angeführt von zwei Kreuzreitern. Jamila Niegisch aus Saarbrücken auf ihrem 21-jährigen Hannoveraner Pablo sowie der St. Ingberter Jakob Frenzel auf seinem elfjährigen Holsteiner Wallach Caballero, die beide der Reitsportgemeinschaft (RSG) Ormesheim angehören. Dahinter reihten sich die Zugmaschinen und ein Renault 4CV, ein sogenanntes Cremeschnittchen, mit viel Liebe geschmückt ein.

Schon mehr als 20 Jahre sind auch die Jugendfeuerwehrmitglieder Medelsheims dabei. „Wir freuen uns immer wieder, dass uns das Zweibrücker Landmaschinen-Unternehmen Fischer einen Traktor zur Verfügung stellt“, so Jugendbeauftragter Michael Hahn. Schon seit 52 Jahren kommen die Mitglieder der Reinheimer Familie Drieß zum Traditionszug in die Parr und alle freuten sich darüber, gemeinsam wohlgelaunt im Planwagen mit Sofa den Weg von Medelsheim, über Peppenkum und Riesweiler nach Utweiler, vorbei an vielen Zaungästen, den festlich geschmückten Häusern vorbeizufahren. „Es steht in unserem Ehevertrag, dass sie mit uns fahren“, meint Christian Drieß mit einem Augenzwinkern.