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Der Bliestal-Freizeitweg wird 20 Jahre alt

Strecke für Freizeitvergnügen im Bliesgau feiert Jubiläum : Diesen Weg will niemand mehr missen

Der Bliestal-Freizeitweg: Touristische Ader und Reminiszenz an die frühere Bliestal-Bahnstrecke.

1879 wurde die Schienen-Strecke von Zweibrücken nach Sarreguemines fertig gestellt. Wenige Jahre später waren auch die Bahnhöfe und Haltestellen gebaut. Auffallend dabei ist die Ähnlichkeit der Bahnhöfe von Breitfurt und Gersheim. 1885 wurde der Kaiserlauterer Bahnhof, der zu klein geworden war, Stein für Stein abgetragen und je zur Hälfte in den beiden Bliestaldörfern wieder aufgebaut. Zudem wurde der Gersheimer Bahnhof, der damals „Gersheim-Walsheim“ hieß, 1900 aufgestockt. Walsheim deshalb, weil die lokale Brauerei von dort aus ihre Güter in alle Welt transportierte. Beide Bauwerke sind wichtige Zeitzeugen einer Epoche, die mit der Schließung der Bliestalbahn vor 29 Jahren Geschichte wurde und mit der feierlichen Einweihung durch Saarlands Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi am 1. Mai 2000 in der Inbetriebnahme des Bliestal-Freizeitweges mündete.

Zu dem Zeitpunkt hatte das Ehepaar Anna und Mario Morschett den Gersheimer Bahnhof bereits gekauft und fachkundig restauriert. Er beheimatet bis heute das weithin bekannte Restaurant „Historischer Bahnhof Gersheim“.

Auch die übrigen Bahnhöfe in Reinheim, Bliesdalheim, Breitfurt und Blickweiler wechselten den Besitzer. Der erst im Jahr 1965 erbaute Bahnhof in Blieskastel wurde jedoch 40 Jahre später wieder abgerissen.

Lothar Kruft, der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Gersheim, erinnert sich an die Zeitspanne zwischen Tod der Bahn und Geburt des Freizeitwegs. „Nach der Stilllegung dämmerte diese ehemals wichtige Lebensader langsam vor sich hin. Mitte der 1990er Jahre entdeckte die Bahn plötzlich, dass die Schienen als Alteisen enormen Wert besaßen. Ohne mit einer Gemeinde- oder Kreisbehörde Kontakt aufzunehmen, begann sie ab der Landesgrenze mit deren Abbau. Dies stoppte eine einstweilige Verfügung, erwirkt durch den 1991 gegründeten und vom Gersheimer Toni Lembert geführten Förderverein Bliestalbahn“.

Die Strategie der Bahn änderte sich und die DB-Immobilien, Sachverwalter der Bahninteressen, begann ihre Verhandlungen mit der Gemeinde, um den Gleisabbau fortsetzen zu können. Kruft erinnert sich, dass vom Gleis bereinigte Bahnparzellen zu günstigen Preisen angeboten wurden. Die Gemeinde selbst hatte ein Problem mit ihrem an der Strecke liegenden Industriegebiet zu lösen. Dessen Lösung bestand darin, einen Fußweg bis zur Dorfmitte zu bauen. Ein Zufall spielte ihr in die Karten. „Während eines gemütlichen Treffens in der alten Peppenkumer Schnapsbrennerei Schöndorf,“ so Kruft, „regte der Chef der Staatlichen Straßenmeisterei des Saarlandes, Ernst Schmitt, zuerst an, ein kurzes Teilstück der Bahnlinie zu kaufen und darauf einen Fußweg ins Dorfzentrum zu bauen. Innerhalb des angenehmen Zusammenseins baute er seine Idee noch aus, die komplette Trasse zu erwerben und sie von Blieskastel bis Reinheim zu bauen, wie das in anderen Landesteilen auch schon praktiziert worden sei“. Anschließend wurden sowohl der damalige Umwelt-Staatssekretär, spätere saarländische Umweltminister und heutige Bundesaußenminister Heiko Maas sowie Landrat Clemens Lindemann eingeschaltet. Beide stimmten zu. Aus der Fiktion wurde Realität, auch deshalb, weil die außergewöhnlich teure Sanierung der Bliesbrücke bei Breitfurt kein unüberwindliches Hindernis blieb. „Wer heute – gerade jetzt auch in der Corona-Zeit – sich auf dem Radweg bewegt, merkt, dass die Errichtung dieses Freizeitweges ein absoluter Volltreffer war. Nur so war es auch logisch, dass sehr rasch, vier Jahre später, eine Anbindung Richtung Homburg und Sarreguemines erfolgte, was heute niemand mehr missen möchte “, so der Ex-Bürgermeister.

Michael Clivot, seit Jahresbeginn Verwaltungschef, spricht vom Freizeitweg als eine touristische Ader, die sich durch Dörfer der Gemeinde zieht und sowohl für Inline-Skater, Radfahrer und Spaziergänger viele Möglichkeiten bietet. Auch sei er ein internationales Symbol, der – wie schon in früheren Jahren die Bahn – Deutschland und Frankreich miteinander verbindet so das Gemeindeoberhaupt. Herausragend sei auch die Möglichkeit des Ringverkehrs. So könne man von Saarbrücken nach Lautzkirchen mit der Bahn fahren, dann über den Freizeitweg Sarreguemines ansteuern, um mit der Saarbahn zurück in die Landeshauptstadt zu fahren. Clivot hofft, dass die derzeitige Sperrung zwischen Gersheim und Reinheim bald aufgehoben wird, um den Weg wieder in seiner Gesamtheit nutzen zu können.

Auch Breitfurts Ortsvorsteher Martin Moschel kann dem Projekt nur Gutes abgewinnen. „Nachdem 1991 der letzte Personenzug den Bahnhof Breitfurt verlassen hatte, herrschte natürlich große Wehmut bei uns Breitfurtern und im ganzen Bliestal. Seit diesem Zeitpunkt fehlte etwas. Die frühere Lebensader ins Bliestal gab es nicht mehr. Dies wurde noch verstärkt, als die Gleise abgebaut wurden und verschwand erst, als die Lücke durch die Öffnung des Bliestal-Freizeitweges geschlossen wurde. „Seither pulsiert auf dieser Strecke wieder das Leben. Der Bliestal-Freizeitweg hat sich als Magnet für vielfältige Freizeitaktivitäten etabliert und Breitfurt weit über das Bliestal hinaus bekannt gemacht. Er ist eine Bereicherung für das Bliestal insbesondere für Breitfurt und genießt einen hohen Stellenwert“, so Moschel, der sich jedoch noch wünscht, dass der Freizeitweg über die Bliesbrücke zwischen Breitfurt und Wolfersheim auf die andere Blies-Seite weitergeführt werde. Damit könnten auch die dortigen Radwege genutzt werden. Zur Strahlkraft der Trasse meint der Geschäftsführer der Saarpfalz-Touristik Wolfgang Henn: „Der Bliestal-Freizeitweg als Teilstrecke des 127 Kilometer langen Glan-Blies-Radweges hat für den Saarpfalz-Kreis und das Biosphärenreservat Bliesgau als wichtigste Nord-Süd-Radverbindung eine immense touristische Bedeutung“. So erwähnt er auch, dass in der Radsaison 2016 in Blieskastel 126 000 Radler gezählt worden seien, womit die Beliebtheit der ehemaligen Bahnstrecke für den Freizeittourismus unterstrichen werde. Kürzlich sei der Glan-Blies-Radweg durch den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) wieder mit vier Sternen ausgezeichnet worden und gehört damit zu den Top-Radwegen im Saarland. „Der Bliestal-Freizeitweg ist auch verbindendes Element zwischen Deutschland und Frankreich, da er grenzüberschreitend auf der ehemaligen Bahntrasse verläuft. Hier liegt sozusagen am Wegesrand, der Europäische Kulturpark Bliesbrück-Reinheim, ein grenzüberschreitender Archäologiepark, der Symbol der deutsch-französischen Freundschaft ist“, so der saarpfälzische Chef-Touristiker. Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten stünden bereit, wenn sie wieder Gäste empfangen dürfen. Bis dahin könnten selbst mitgebrachte Verpflegung an schönen Rastplätzen eingenommen werden.

Am 1. Mai 2000 eröffnete der damalige saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (mit der Schere) mit Gersheims Bürgermeister Lothar Kruft (Vierter von rechts), Landrat Clemens Lindemann (links) und Blieskastels Bürgermeister Werner Moschel (rechts) den Bliestal-Freizeitweg. Foto: Wolfgang Degott
Einer von vielen Radfahrern auf dem Bliestal-Freizeitweg. Das Bild entstand zwischen Bliesdalheim und Breitfurt auf der Höhe der Einfahrt zum Kirchheimer Hof am Bahnkilometerstein 18,9. Foto: Wolfgang Degott

In Blickweiler sei sogar eine Rastmöglichkeit mit schöner Holzhütte und entsprechender Möblierung vorhanden. Henn wies auf die sechstägige Radpauschale auf dem Bliestal-Freizeitweg hin, die die Saarpfalz-Touristik anbietet.