Grünen Blieskastel beantragen Netzausbau für Stadtratssitzung Debatte ums Stromnetz nimmt weiter Fahrt auf

Blieskastel/Webenheim · Die Grünen beantragen für die kommende Stadtratssitzung einen „verbindlichen Plan für den Ausbau“. Bei einer Info-Veranstaltung zum Thema in Webenheim gab es Kritik an der Ausgabenpolitik der Stadtwerke: Quersubventionen fürs Freibad verhinderten Investitionen in die Infrastruktur.

 Wird das Stromnetz in Blieskastel bald so ausgebaut, dass auch die Energie von privaten PV-Modulen ohne Ausnahme aufgenommen werden kann? Die Grünen im Stadtrat fordern genau das.

Wird das Stromnetz in Blieskastel bald so ausgebaut, dass auch die Energie von privaten PV-Modulen ohne Ausnahme aufgenommen werden kann? Die Grünen im Stadtrat fordern genau das.

Foto: dpa/Marijan Murat

Der mangelhafte Stromnetzausbau in Blieskastel wird auch den Stadtrat in seiner Sitzung kommenden Donnerstag, 28. September, beschäftigten. Infolge unserer Berichterstattung hat die Grünen-Stadtratsfraktion einen Antrag zum Ausbau der kommunalen Strominfrastruktur gestellt. Verwaltung und Netzbetreiber, also Biosphären-Stadtwerke und Pfalzwerke, sollen „einen verbindlichen Plan zum Ausbau der kommunalen Stromnetze erarbeiten“.

Grünen-Fraktionschef Lukas Paltz: „Seit Jahren mehren sich die Berichte der Bürger in Blieskastel über verwehrte Einspeisemöglichkeiten für ihre privaten Photovoltaik-Anlagen. Um die Energiewende voranzutreiben und der zunehmenden Elektrifizierung Rechnung zu tragen, ist es aus unserer Sicht unerlässlich, dass hierfür Abhilfe geschaffen wird.“ Daher fordern die Grünen, die Verwaltung solle „auf die beiden Netzbetreiber aktiv zugehen und die weiteren Maßnahmen koordinierend begleiten“. Die Grünen regen auch an, dass Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Bach und Pfalzwerke-Netzvertriebsmanager Pfalzwerke Jan Burghardt in der Sitzung über die konkreten Ausbaupläne berichten.

Derweil ist eine über fünfstündige Infoveranstaltung rund ums Thema Strom im Dorfgemeinschaftshaus in Webenheim auf große Resonanz gestoßen. Zwischen 40 und 50 Teilnehmer lauschten Referaten rund um die Themen Photovoltaik, E-Mobilität, Wärmepumpen im Bestand, Balkonkraftwerke, rechtliche Grundlagen für Netzbetreiber und Netzbenutzer sowie Netzverträglichkeiten im Ort. Die Landesinnung Saarland der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke und der Ortsrat von Webenheim hatten zu diesem „Thementag Energie“ eingeladen.

Immer wieder thematisiert wurde auch dort, dass das Stromnetz im Stadtgebiet dringend ertüchtigt werden müsse. In Vertretung für den Ortsvorsteher Matthias Krey begrüßte Udo Schmidt (Grüne) die Interessierten. Er wies darauf hin, dass zahlreiche Webenheimer auf die Ortsratsmitglieder zugekommen seien und sich über die Einspeise-Verweigerung für ihren PV-Strom durch die Stadtwerke beschwert hätten.

Betroffen ist auch Burkard Spang aus Gersheim (wir berichteten). Sein Fazit zur Veranstaltung: „Was PV angeht, konnten sie die Leute dort gut informieren, aber auch den Vergleich zwischen Wärmepumpen und anderen Heizungssystem fand ich interessant“, so sein allgemeines Fazit. Hellhörig sei er aber vor allem beim Thema Netzverträglichkeitsberechnungen geworden. Eine solche war bei ihm ja negativ ausgefallen – daher nehmen die Stadtwerke ihm den Strom nicht ab.

Der Dillinger Stephan Gindorf vom Fachbereich Elektrotechnik der Landesinnung Saarland hatte eine Lösung aufgezeigt, wie man Bürgern auch bei mangelhaft ausgebautem Stromnetz entgegenkommen könnte, ohne Unsummen in eine Ertüchtigung stecken zu müssen. Wie der Mann, der früher selbst Netzberechnungen bei einem Energieversorger durchgeführt hatte, erklärte, könne man die Einspeiseleistung reduzieren. Dies gelinge über einen Speicher. Dieser heute für viele übliche Strompuffer schont quasi das Netz. Bei der Netzberechnung dürfe dann natürlich auch nicht der „schlimmste Fall von 100 Prozent Einspeisung“ angenommen werden. Und die bloße theoretische Annahme müsse durch Messungen überprüft werden. „Ich hatte da durchgehört, dass die Stadtwerke vielleicht päpstlicher sind als der Papst. Als Laie scheinen sie mir hinterherzuhinken“, so erklärte Burkhard Spang im Anschluss.

Udo Schmidt, gleichzeitig Elektrofirma-Chef und Landesinnungsmeister referierte bei der Veranstaltung auch selbst: über die „Energieversorgung privater Haushalte durch Photovoltaik“. Die Elektromobilität und die in den Fahrzeugen verwendeten Speicher seien dabei Schlüssel für das Gelingen der Energiewende. Sie würden helfen, das Netz zu stabilisieren. Für die Eigentümer von Photovoltaik-Anlagen sei der produzierte Strom, wenn man die Kosten der Investition auf 30 Jahre umlege, mit zehn Cent pro Kilowattstunde laut Schmidt „unschlagbar günstig“.

Beim Netzausbau sah er schließlich das Problem, dass die Stadtwerke die Kosten eines nötigen Netzausbaus dem Wert nur jeweils einer beantragten PV-Anlage gegenüberstellten. So stünden jeweils mehrere Millionen wenigen tausend Euro gegenüber – eine Rechnung, die nie aufgehen könnte. „Schlussendlich geht es darum, dass man den Netzausbau überhaupt peu à peu in Angriff nimmt“, so Schmidt. Der Politiker erneuerte frühere Vorwürfe, ein Teil des Defizits des Kombibades werde über die Stadtwerke Bliestal „quersubventioniert“, das Geld fehle für den Netzausbau. Ein Punkt, der bei einer offenen Fragerunde und Diskussion allgemein kritisch gesehen wurde. Tenor: Bei aller Notwendigkeit eines Schwimmbades im Blieskasteler Stadtgebiet sei dieses Finanzierungsmodell zweifelhaft und nicht zukunftsfähig.

Am Ende zeigte sich Schmidt mit der Veranstaltung sehr zufrieden und einer Wiederholung in anderen Ortsteilen nicht abgeneigt: „Das können wir gerne über die Landesinnung anbieten, wenn Bedarf besteht“. Es sei – gerade auch hinsichtlich Wärmepumpen – viel mit Stammtischwissen aufgeräumt worden, so ein weiteres Ergebnis.